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Politik im Rest der Welt Reifeprüfung auf dem Tanzparkett
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20:15 21.01.2017

Vor acht Jahren sang Beyoncé Etta James' „At Last“ (Endlich), als der erste schwarze US-Präsident Barack Obama am Abend seines Amtsantritts seine Michelle erstmals aufs Parkett führte. Das Lied, das Nachfolger Donald Trump Freitagabend für den ersten Tanz mit First Lady Melania wählte, war nicht weniger symbolträchtig, wenn auch nicht aus historischer Sicht – Frank Sinatras „My Way“. Mein Weg, zielstrebig, unbeirrt, „regrets, I had a few“, ein Mann, der wenig Grund zum Bedauern sieht – das scheint trefflich die Reise dieses 45. Präsidenten der USA an die Macht widerzuspiegeln. Und wie er sich selbst sieht.

Aber als Trump beim „Liberty Ball“ in Washingtons Convention Center zu den Klängen von „Hail to the Chief“ auf die Bühne trat, da galten die ersten Blicke nicht ihm, „my way“ hin oder her. Melania kam in einem hell-champagnerfarbenen Kleid von Hervé Pierre, schulterfrei und mit hohem Schlitz, schlicht, aber äußerst elegant.

Schon zuvor hatte die 46-Jährige beste Noten für ihr Outfit erhalten, das sie tagsüber während der Vereidigungsfeierlichkeiten trug. Ein leuchtend hellblaues Kaschmir-Kleid mit Bolero-Jäckchen aus der Schneiderstube von Ralph Lauren, dazu die wohl hochhackigsten Schuhe, mit der jemals eine First Lady durch ihren ersten Tag stöckelte – oder besser schritt.

Zwar eher steif, etwas maskenhaft, wie eine Statue – aber von den Strapazen des langen Tages war ihr auch am Abend beim Finale mit den traditionellen Bällen nichts anzumerken. Drei waren es diesmal, die Obamas hatten 2009 noch zehn besucht, Bill und Hillary Clinton seinerzeit sogar 14.

Zwei der drei Bälle waren auch für die Öffentlichkeit geöffnet. 50 Dollar kostete ein Ticket – im krassen Gegensatz zu den hunderten Dollar, die bisher für die Teilnahme an Vereidigungsbällen hingeblättert werden mussten. Allerdings konnten sich Trump-Gegner nicht die Bemerkung verkneifen, dass es auch bei den Tanzfestivitäten weitgehend an illustren Stars mangelte, die etwa den Obamas die Ehre erwiesen hatten. Viele sollen gefragt worden sein, aber abgewinkt haben.

Doch „was für ein unglaublicher Tag ist dies gewesen“, sagte Trump, bevor er auf einem Ball der US-Streitkräfte seine letzten Tanzrunden drehte und sich danach mit Melania zur ersten Nacht im Weißen Haus zurückzog. Schon am späten Nachmittag hatte er erstmals im Oval Office gesessen, erste Anordnungen unterzeichnet. Da waren die bisherigen roten Vorhänge am Fenster des Büros des mächtigsten Mannes der Welt auf Trumps Wunsch bereits gegen goldfarbene ausgetauscht worden, auch neue Sofas in Brokat standen bereits.

Wie es im Privatquartier der Trumps im Weißen Haus aussieht, wurde bisher nicht bekannt. Ohnehin wird Melania zunächst keine Dauerbewohnerin sein. Sie will mit dem gemeinsamen zehnjährigen Sohn Barron in New York bleiben, bis dieser im Frühsommer das laufende Schuljahr beendet.

Aber Trumps Tochter Ivanka aus erster Ehe siedelt mit Ehemann Jared Kushner nach Washington über. Der Schwiegersohn soll einer der engsten Berater des neuen Präsidenten im Weißen Haus werden, und Ivanka, so heißt es, könnte zumindest vorerst die eigentliche First Lady im Weißen Haus verkörpern. Ihr fließendes goldschillerndes Kleid bei den Vereidigungsbällen am Freitagabend lieferte jedenfalls fast ebenso viel Gesprächsstoff wie das ihrer Stiefmutter.

Gabriele Chwallek

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