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Politik im Rest der Welt Rückenwind für Offshore-Parks
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22:30 29.10.2013
Lässt sich so schnell nicht beirren: Der Schweinswal kommt mit „Windmühlen“ auf See offenbar klar. Quelle: dpa

Windenergieanlagen auf See lassen die Herzen von Umweltfreunden höher schlagen — einerseits: Sie produzieren emissionsfrei Energie und stören niemanden durch Betriebsgeräusche oder Schlagschatten an Land. Andererseits fürchteten viele um die Meeresfauna in der Nähe der Offshore-Anlagen. Nicht nötig, sagt eine neue Studie: Bau und Betrieb von Windparks auf See gehen nicht mit wesentlichen Gefahren für die Meeresumwelt einher. Zu diesem Ergebnis kommt ein fünfjähriges ökologisches Forschungsvorhaben über den ersten deutschen Nordsee-Windpark „Alpha Ventus“, rund 45 Kilometer vor der Insel Borkum.

Nach der aktuellen Studie lautet das Fazit der Meeresforscher, dass „viele der ursprünglichen Befürchtungen nicht eingetreten sind“. Es gebe im Gegenteil sogar positive Effekte in Bezug auf Bodenlebewesen, Fischbestände, Rast- und Zugvögel sowie auf Meeressäuger wie Robben und Schweinswale. Das vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) koordinierte Forschungsvorhaben resümiert, dass durch „geeignete Maßnahmen wie Schallschutz sichergestellt werden kann, dass Bau und Betrieb von Offshore-Windparks ohne eine wesentliche Gefährdung der Meeresumwelt einhergehen“.

Laut BSH-Sprecherin Susanne Kehrhahn-Eyrich wird etwa durch Schallschutz beim Errichten der Fundamente für die Windkraftanlagen in Form eines so genannten „Blasenschleiers“ die Lärmbelastung auf 160 dB, gemessen in 750 Meter Entfernung, begrenzt. Die empfindlichen Seehunde und Schweinswale meiden die Baustellen. Während des Betriebs der Anlagen sei der Unterwasserschall für die Meeressäuger jedoch nur im Nahbereich bis 100 Meter hörbar. Ingenieure und Forscher berichten davon, dass Seehunde und Schweinswale regelmäßig im Windpark beobachtet werden.

Das Leben in der einstigen Sandboden-Landschaft am Meeresgrund in etwa 35 bis 40 Metern Tiefe hat sich durch die kleinräumigen, künstlichen Riffe deutlich verändert. Die Fundamente sind dicht mit Miesmuscheln, Seelilien und Seeanemonen besiedelt. Auch Möwen suchen die Windanlagen zur Nahrungssuche auf. Basstölpel oder Seetaucher wichen den Anlagen dagegen aus. Einen verlässlichen Nachweis, dass sich Fischbestände aufgrund des Fischereiverbots im Windpark erholt haben, konnten die Forscher noch nicht erbringen. Der „Erholungseffekt“ werde sich erst nach Jahren einstellen. Allerdings haben sich Rifffische wie der Seebull angesiedelt.

Zu den Ergebnissen der ökologischen Begleitforschung am Windpark Alpha Ventus findet heute und morgen in der Landesvertretung Niedersachsen in Berlin eine internationale Offshore-Konferenz statt.

In Nord- und Ostsee
30 Windparks sind bislang an deutschen Küsten genehmigt worden, davon 27 in der Nord- sowie drei in der Ostsee. Acht befinden sich im Bau. Für 98 Offshore-Parks, 81 in der Nord- und 17 in der Ostsee, liegen Anträge vor. Der Bundesverband Windenergie schätzt, dass im Gesamtjahr 2013 Windräder mit rund 3000 Megawatt Leistung gebaut werden. Dies entspricht rechnerisch rund drei Akw-Blöcken. Damit könnte der Ausbaurekord aus dem Jahr 2002 erreicht werden.

Reinhard Zweigler

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