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Politik im Rest der Welt Saudi-Arabien lässt 47 Todesurteile vollstrecken
Nachrichten Politik Politik im Rest der Welt Saudi-Arabien lässt 47 Todesurteile vollstrecken
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20:20 02.01.2016

Saudi-Arabien hat am Sonnabend 47 Menschen wegen Terrorvorwürfen hingerichtet, darunter einen prominenten Gegner des Herrscherhauses. Wie die saudische Nachrichtenagentur SPA berichtete, wurden die Todesstrafen in zwölf Regionen des islamischen Königreichs vollstreckt; 45 der Exekutierten waren Staatsbürger Saudi-Arabiens.

Zudem wurden ein Ägypter und ein Mann aus dem Tschad getötet.

Unter den Exekutierten war der prominente schiitische Scheich Nimr Baker al-Nimr. Der 56-jährige Geistliche war ein entschiedener Gegner des sunnitischen Königshauses in Riad. Er hatte während der Proteste 2011 die Abspaltung der Regionen Katif und Al-Ihsaa im Osten des Landes befürwortet, in denen die meisten der rund zwei Millionen Schiiten Saudi-Arabiens leben. Al-Nimrs Festnahme im Juli 2012 hatte große Proteste der Schiiten ausgelöst; im Oktober 2014 wurde er wegen Aufwiegelung, Ungehorsams und Waffenbesitzes von einem Sondertribunal zum Tode verurteilt. Ende Oktober 2015 wurde das Todesurteil vom Obersten Gerichtshof Saudi-Arabiens bestätigt.

Das iranische Außenministerium kündigte an, Saudi-Arabien werde „einen hohen Preis“ für die Exekution al-Nimrs zahlen. „Die saudi-arabische Regierung unterstützt auf der einen Seite terroristische und extremistische Bewegungen und benutzt zugleich die Sprache der Repression und die Todesstrafe gegen ihre inneren Gegner“, sagte ein Sprecher. Der schiitische Iran moniert seit langem die Behandlung der Schiiten in Saudi-Arabien. Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisiert, Saudi-Arabien setze das Todesurteil auch als politisches Instrument gegen die schiitische Minderheit ein, die etwa 15 Prozent der Bevölkerung ausmacht.

Laut dem saudischen Innenministerium wurden auch mehrere Sunniten hingerichtet, die für das Terrornetzwerk Al-Kaida Anschläge verübt haben sollen. Demnach wurden die Hingerichteten wegen Mitgliedschaft in „terroristischen Organisationen“ und der Ausführung „krimineller Verschwörungen“ verurteilt und gehörten einer radikalen Strömung des Islamismus an. Zu den Exekutierten gehörte auch Fares al-Schuwail, der Medienberichten zufolge der oberste religiöse Anführer von Al-Kaida in Saudi-Arabien war.

Deutsche Politiker äußerten scharfe Kritik an den Massenhinrichtungen. In Saudi-Arabien werden so viele Menschen hingerichtet wie in kaum einem anderen Land. Das ultrakonservative Königreich, in dem eine besonders strenge Auslegung des islamischen Rechts der Scharia gilt, richtete 2015 laut Amnesty International 153 Menschen hin. Das Land steht seit Jahren wegen der hohen Zahl von Exekutionen in der Kritik internationaler Menschenrechtsorganisationen.

LN

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