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Politik im Rest der Welt Schöne Politiker haben mehr Chancen
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23:16 13.01.2018
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Düsseldorf

Wer gut aussieht, bekommt bessere Jobs. Gut aussehende Verkäufer erzielen höhere Umsätze. Und auch in der Politik gilt offenbar: Wer attraktiv ist, gewinnt. Zumindest die Wahlkampagne von FDP-Chef Christian Lindner zielte wohl auf diesen Effekt.

. Celine Erlenhofer und Jan Nolte waren die attraktivsten Bundestagskandidaten 2017. Das hat der Düsseldorfer Soziologe Ulrich Rosar ermittelt. Und er hat festgestellt: Vermeintliche Schönheit bringt mehr Stimmen bei den Wählern und kann so den Wahlerfolg beeinflussen.

Dass Attraktivität das Wahlergebnis beeinflussen kann, belegt der Düsseldorfer Soziologe und Attraktivitätsforscher, Professor Ulrich Rosar, in einer Untersuchung der 1786 weiblichen und männlichen Direkt- und Spitzenkandidaten bei der Bundestagswahl 2017. Das Ergebnis: Im Vergleich zu den Wahlen 2002 bis 2013 hatte die Attraktivität den bislang größten Einfluss. Im Extremfall könne ein Kandidat mit hoher Attraktivität fünf Prozentpunkte mehr bei den Erststimmen gewinnen, bei den Zweitstimmen bis zu drei Prozentpunkte, sagt Rosar. Auch die Wahlbeteiligung in einem Wahlkreis erhöhe sich, je attraktiver die Kandidaten im Durchschnitt sind.

Am Anfang der Studie stand eine Art Schönheitswettbewerb: Zwölf Frauen und zwölf Männer begutachteten als Testpersonen komplett anonymisierte Fotos aller Kandidaten. Von zehn prominenten Spitzenkandidaten landete Sahra Wagenknecht (Linke) als attraktivste Politikerin auf Platz eins. Sie kam auf der von 0 (sehr unattraktiv) bis 6 (sehr attraktiv) reichenden Skala auf einen Wert von etwa 4. Zweiter wurde Lindner mit 3,4 und Dritte Alice Weidel (AfD) mit 3,25 - beide also eher mittelschön.

Schlusslicht ist Alexander Gauland (AfD) mit nur 0,54 Punkten. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt auf Rang neun mit einem Wert von etwa 1 und SPD-Chef Martin Schulz auf Platz acht mit 1,67 – also eher unattraktiv.

Wagenknecht und Lindner sind aber nicht die attraktivsten Politiker bundesweit. Der schönste Mann unter den Kandidaten war laut der Studie Jan Ralf Nolte (AfD) aus dem hessischen Waldeck. Die schönste Kandidatin war Celine Erlenhofer, die für die Linke im Wahlkreis Dortmund II antrat. Das bedeutet natürlich nicht, dass nur die Schönsten Wahlen gewinnen. Erlenhofer zum Beispiel holte nur 8,6 Prozent der Erststimmen, während die SPD-Kandidatin Sabine Poschmann den Wahlkreis mit fast 40 Prozent gewann. Und auch Nolte verlor gegen die SPD-Kandidatin in Waldeck.

Attraktivität ist laut Rosars Studie nur die zweitwichtigste Personeneigenschaft bei der Wahlentscheidung – nach dem Bekanntheitsgrad. Am allerwichtigsten sei für die Wähler zudem immer noch die Parteizugehörigkeit. Hier setzt auch die Kritik des Politologen Oskar Niedermayer an der Studie an.

Bei Wahlentscheidungen spiele die Attraktivität nur eine begrenzte Rolle, sagt Niedermayer. Nach Sachkompetenz, Glaubwürdigkeit und Führungsqualität eines Kandidaten stehe die persönliche Sympathie laut Wahlforschung nur an vierter Stelle. Außerdem vergäben die meisten Wähler Erst- und Zweitstimme an dieselbe Partei. Würden die Stimmen gesplittet, dann nicht, weil ein Kandidat so schön sei, sondern weil der Wähler taktisch wähle und seine Stimme nicht an einen aussichtslosen Kandidaten verschenken wolle.

Dass nur 24 Tester die Kandidaten-Fotos begutachteten ist für die Wissenschaft indes kein Problem, denn es gibt den „Attraktivitätskonsens“. „Wir wären uns alle einig, dass George Clooney deutlich besser aussieht als Woody Allen“, sagt Rosar. Auch der Attraktivitätsforscher Martin Gründl, Professor für Wirtschaftspsychologie, sieht die Studie skeptisch. „Es gibt viele Politiker, die nicht gut aussehen und trotzdem erfolgreich sind oder waren – von Merkel bis Kohl.“

Rosar will mit seiner Studie die Wähler dafür sensibilisieren, sich nicht vom Äußeren der Kandidaten (ver)leiten zu lassen. Da es immer weniger verlässliche Informationen zu komplexen politischen Themen gebe, ließen sich Wähler verstärkt von „Sympathie“ oder „Attraktivität“ der Kandidaten beeinflussen, sagt Rosar. „Wir wollen nicht, dass Politik immer mehr zum Schönheitswettbewerb wird.“

Von Dorothea Hülsmeier

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