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Politik im Rest der Welt Schüler-Protest gegen Waffengewalt in den USA
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22:00 14.03.2018
Auch Schüler der Anacostia High School in Washington DC protestieren gegen die Waffengewalt in den USA. Quelle: Stefan Koch
Washington

Für genau 17 Minuten sind viele Klassenzimmer wie leergefegt. Mit selbstbemalten Schildern und Transparenten ziehen die Jugendlichen vor ihre Schulgebäude, blockieren kurz den Straßenverkehr und skandieren: „Enough is enough“ (Genug ist genug). 17 Schüler starben vor genau vier Wochen in dem Kugelhagel an der Douglas High School in Parkland, und noch immer kann sich die Politik nicht zu einem Kurswechsel durchringen.

Am Dienstag hatte die Staatsanwaltschaft angekündigt, gegen den Täter Nikolas Cruz die Todesstrafe zu fordern. Das Verbrechen sei auf kalte und vorsätzliche Weise begangen worden. Doch mit der juristischen Aufarbeitung ist es für die jungen Leute nicht getan: Die Proteste ziehen sich durch quer durch das Land und gleichen einem Aufschrei einer ganzen Generation. Parkland in Florida steht eben nur für eine Massenschießerei unter vielen. Auch nach dem Schulmassaker von Newtown vor sechs Jahren gab es diverse Demonstrationen. Aber die Wucht der Proteste in diesen Tagen ist ungleich stärker.

Die Schüler fordern Verkaufsverbote für Sturmgewehre

Allein mehrere tausend Schüler aus diversen Bundesstaaten ziehen an diesem Vormittag vor das Weiße Haus und rufen: „Wann wollen wir den Wechsel? - Jetzt“. Ihre Hauptforderung: Für Kriegswaffen wie die halbautomatischen Sturmgewehre müsse schnell ein Verkaufsverbot erlassen werden. Auch sei es ein Skandal, dass es bei den obligatorischen Hintergrundüberprüfungen noch immer viele Schlupflöcher gebe.

Einen Monat ist es her, dass ein 19-Jähriger an einer Schule in Florida 17 Menschen tötete. Auch weiterhin wollen sich die protestierenden Schüler nicht mundtot machen lassen. Am Mittwoch kommt es erneut zu Demonstrationen.

Die „Walkout“ am Mittwoch gilt als Auftakt einer wachsenden Protestwelle, die unter anderem in einen „March for Our Lives“ am 24. März münden soll, zu dem in der US-Hauptstadt mehrere hunderttausend Menschen erwartet werden. Wie breit die Unterstützung für die jüngsten Aktionen ist, zeigt sich auch an den Reaktionen der Schulleitungen. Zahlreiche Lehrer und Direktoren fordern ihre Schüler ausdrücklich auf, sich an dem kurzzeitigen Ausstand zu beteiligen. Und für den Fall, dass es in einigen Schulen vielleicht doch Ärger wegen des Streiks geben sollte, bieten einige Anwälte kostenlosen Rechtsbeistand an.

Ein Senator verunglimpfte die Wortführerin der Proteste

Vor dem Hintergrund des wachsenden Widerstands sendet die US-Regierung zurzeit die unterschiedlichsten Signale. Hatte Präsident Donald Trump zunächst eine Verschärfung der Waffengesetze in Aussicht gestellt und sogar ein mögliches Verbot der halbautomatischen Sturmgewehre erwähnt, dreht sich in Washington mittlerweile die Stimmung. Ebenso wie die einflussreiche Waffenlobby „National Rifle Association“ (NRA) empfiehlt die Regierung eine Waffenausbildung für Lehrer, um potenzielle Attentäter abzuschrecken.

Für Aufsehen sorgt an diesem Mittwoch auch die Reaktion eine republikanischen Politikers, der zurzeit im Wahlkampf um das regionale Parlament in Maine steht. Leslie Gibson beschimpfte die Schülerin Emma Gonzalez, die dem Massaker in Parkland knapp entkam, auf Twitter als „Skinhead Lesbe, die nichts zu melden hat“. Nach einem landesweiten Sturm der Entrüstung löschte Gibson zwar seinen Twitter-Account, aber die Sorge bleibt, dass sich das politische Klima in Amerika weiter vergiften könnte.

Abgeordnete müssen sich für Spenden der NRA rechtfertigen

Gonzalez gilt längst als das Gesicht der neuen Jugendbewegung. Dass sie mit einer über CNN übertragenen Rede in Fort Lauderdale über Nacht in Amerika berühmt wurde, spiegelt sich auch auf ihrem Twitter-Account wider: Mehr als 1,2 Millionen Menschen folgen der jungen Frau.

Und ihre Vorwürfe gegen die Politik werden vielfach übernommen: „An jeden Politiker, der Spenden von der NRA annimmt: Schande über euch“, hatte die 18-Jährige den Abgeordneten entgegengeschleudert. „Sie sagen, dass striktere Waffengesetze nichts an Waffengewalt ändern würden - wir nennen das BS“ - bullshit.

Auch auf den Protestschildern des Schülerausstands am Mittwoch wird Gonzalez zitiert: „Sie sagen, dass ein guter Mensch mit einer Waffe einen bösen Menschen mit einer Waffe stoppen kann - wir nennen das BS! Sie sagen, dass strengere Waffengesetze nicht zu weniger Waffengewalt führen: Wir nennen das BS!“

Von Stefan Koch/RND

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