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Schulz: Die Beltquerung kommt

Kanzlerkandidat bei den LN Schulz: Die Beltquerung kommt

Noch drei Wochen bis zur Bundestagswahl: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz setzt große Hoffnungen auf das TV-Duell mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntag. Bei einem Besuch der LN-Redaktion in Lübeck sagte Schulz, es werde „eine große Aufmerksamkeit geben: Viele Menschen wollen Antworten bei den wichtigen Themen.“

Kanzlerkandidat Martin Schulz (SPD, M.) im Gespräch mit Chefredakteur Gerald Goetsch (l.) und dem stellv. Chefredakteur Lars Fetköter.

Quelle: Olaf Malzahn

Berlin. Herr Schulz, Sigmar Gabriel hat offenbar den Glauben daran verloren, dass die SPD stärker werden könnte als die Union. Sie auch?

Das ist - mit Verlaub - Unfug. Sigmar Gabriel hat in einem Interview gesagt, er will, dass ich Kanzler werde. Das will ich auch. Er hat darauf hingewiesen, dass fast die Hälfte der Wählerinnen und Wähler noch unentschlossen ist. Stimmt. Deshalb ist das Rennen offen.

Wörtlich hat Gabriel gesagt: “Mit der großen Koalition und Frau Merkel ist das schwer für Martin Schulz, Kanzler zu werden, weil da gibt es dann schon jemanden.” Das bedeutet doch, dass er von einer CDU ausgeht, die stärker als die SPD ist.

Das ist Ihre Interpretation. Sigmar Gabriel hat doch eigentlich eine Banalität ausgesprochen: Martin Schulz kann nicht unter Angela Merkel Kanzler werden. Deshalb wollen wir sie ja ablösen.

Hat Gabriel sich verplappert?

Nein. Mein Ziel ist und bleibt es, Kanzler der Bundesrepublik Deutschland zu werden, mit der SPD als stärkster Partei. Dafür kämpfen Sigmar Gabriel, ich und die gesamte SPD jeden Tag 24 Stunden.

Sollte sich Sigmar Gabriel als einfaches SPD-Mitglied ohne Parteiamt zu strategischen Fragen besser schweigen?

Sigmar Gabriel hat gesagt, er will die große Koalition nicht fortsetzen. Das will ich auch nicht. Wo ist das Drama?

Hier sehen Sie, wie Martin Schulz die Redaktionskonferenz der Lübecker Nachrichten besuchte:


Das TV-Duell in Schleswig-Holstein mit Torsten Albig hat Herausforderer Daniel Günther für sich genutzt. Haben Sie sich das noch einmal angesehen?

Auch das TV-Duell hier in Schleswig-Holstein hat gezeigt: Eine Wahl entscheidet sich im Schlussspurt. Für mein Duell mit Frau Merkel am Sonntag wird es eine große Aufmerksamkeit geben. Viele Menschen wollen Antworten bei den wichtigen Themen.

Vor einem halben Jahr hat der Parteitag der Nord-SPD in Lübeck gejubelt, weil Sie die Kanzlerkandidatur übernahmen. Nach der Schlappe bei der Landtagswahl sitzt der Frust tief. Wie wollen Sie die Schleswig-Holstein-SPD wieder aufrichten?

Ich erlebe hier eine Partei, die gerade jetzt für den Erfolg kämpft. Die Menschen wissen schon zwischen einer Landtagswahl und einer Bundestagswahl zu unterscheiden. Und bei der Landtagswahl gab es auch hausgemachte Probleme.

Sie spielen auf Torsten Albig an: Der Wahlverlierer hat zugegeben, dass sich der Slogan „Mehr Gerechtigkeit für alle“ nicht vermitteln ließ. Welchen Schluss ziehen Sie daraus?

Bei meinen Veranstaltungen nehme ich ein großes Interesse wahr gerade für unsere Themen. Wir brauchen mehr Gerechtigkeit, zum Beispiel Generationengerechtigkeit bei der Rente oder Bildungsgerechtigkeit, damit alle die gleichen Chancen haben.

Die Nord-SPD hat mit der Wahlniederlage nicht gerechnet, sich noch nicht neu aufgestellt: Was raten Sie ihrem Spitzenmann Ralf Stegner?

Dem rate ich, das zu tun, was er derzeit macht: bis zum 24. September die Partei hier zu mobilisieren, weil wir die Bundestagswahl gewinnen wollen. Die Nord-SPD ist eine sehr kampferprobte Partei. Denen merkt man kaum an, dass die 'ne Niederlage wegstecken mussten, so motiviert sind die.

Die rechnerische Mehrheit für eine Ampelkoalition hat die SPD in Schleswig-Holstein nicht genutzt. Würden Sie eine solche Chance nach der Bundestagswahl ergreifen?

Ich sage zu Koalitionsfragen immer das Gleiche: Wir haben das differenzierteste Programm von allen Parteien vorgelegt. Wer nach der Wahl meint, auf der Grundlage dieses Programms mit uns koalieren zu können, ist herzlich eingeladen, auf uns zuzukommen.

Die Fehmarnbeltquerung ist kein Lieblingsprojekt der Sozialdemokraten. Wie stünde eine von Ihnen geführte Bundesregierung zu dem Projekt?

Die Fehmarnbeltquerung ist im Staatsvertrag zwischen Deutschland und Dänemark vereinbart und sie wird kommen. Die SPD unterstützt dieses wichtige Projekt. Allerdings müssen die berechtigten Interessen der Menschen in der Region bei Hinterlandanbindung und Tourismus gewahrt werden, dafür setzen wir uns ein.

Der Bund macht Milliardenüberschüsse, Lübeck und andere kreisfreie Städte sind immer noch hochverschuldet. Was würden Sie als Kanzler gegen dieses Ungleichgewicht tun?

Wir wollen zum Beispiel eine nationale Bildungsallianz: Bildung als Gemeinschaftsausgabe für Bund und Länder. Die zwölf Milliarden, die wir den Ländern zur Verfügung stellen wollen, kommen indirekt auch den Schulträgern zugute: den Kommunen. Was nicht passieren darf, wie in der Vergangenheit: Der Bund gibt Geld, und die Länder geben es nicht weiter.

Viele in der SPD setzten große Hoffnungen auf das TV-Duell am Wochenende. Sie auch?

Klar. Wir haben am Sonntag zum ersten Mal die Situation eines unmittelbaren Vergleichs. Frau Merkel kann den Themen da nicht ausweichen, so wie sie das sonst immer macht. Ich werde das nutzen, um zu zeigen, wo die Unterschiede zwischen uns liegen. Ein erfolgreiches Duell kann ein Momentum schaffen.

Das müsste schon ein gehöriges Momentum sein, um ihren Rückstand in den Umfragen aufzuholen. 

Fast 50 Prozent der Wähler haben sich noch nicht entschieden, ob und wen sie wählen. Deshalb wollen sich auch so viele das TV-Duell anschauen. Und alle Erfahrungen lehren, dass die Wahlentscheidungen im Schlussspurt fallen.

Wie groß ist der Druck?

Das glaubt mir jetzt keiner, aber ich verspüre keine übermäßige Anspannung. Ich bin innerlich entspannt, mit mir im Reinen. Ich weiß, dass wir die richtigen Konzepte haben.

Gerd Schröder hat bei einer Wahlkampfveranstaltung der SPD noch einmal deutlich gemacht, dass er auf keinen Fall auf den umstrittenen Aufsichtsratsposten bei Rosneft verzichten wird. Sie haben ihn genau dazu aufgefordert. Sind sie enttäuscht?

Das muss er selber wissen. Ich habe Gerd Schröder deutlich gesagt, dass ich das Angebot an seiner Stelle nicht annehmen würde. Dabei bleibe ich auch. Aber am 24. September steht die Zukunft der Bundesrepublik Deutschland zur Wahl, darum geht es jetzt. 

Schröders Auftritte sollten Wahlkampfhilfe für die SPD sein. Sind sie inzwischen eine Belastung?

Mein Freundeskreis ist für solche Fragen ein guter Indikator. Keiner meiner Freunde hat mich auf Schröder angesprochen. Nochmal: Ich habe mich in aller Deutlichkeit dazu geäußert. Aber ich glaube, die Menschen bewegen noch andere Themen.

Schadet Schröder der SPD?

Gerd Schröder hat große Verdienste um unser Land und um meine Partei erworben. Die bleiben. Klar ist aber, dass die SPD sich wie die ganze Gesellschaft verändert hat. Schröder hatte einen anderen Stil. Ich versuche zum Beispiel viel stärker, alle Strömungen der Partei mitzunehmen. Deshalb ist die SPD geschlossen wie nie. Und deshalb schaue ich mit Optimismus auf die kommenden Wochen.

Das Interview führten Andreas Niesmann (RND Berlin) und Lars Fetköter (LN)

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