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Politik im Rest der Welt Seehofer — der König von Bayern
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21:18 16.09.2013
„Wie hab ich das gemacht?“ Horst Seehofer in der Wahlnacht.

Einen Tag nach dem grandiosen Wahlsieg gibt sich CSU-Chef Horst Seehofer wieder kokett und bescheiden. Er kann die nächste Landesregierung im Freistaat ohne den bisherigen Koalitionspartner FDP stellen, der kläglich an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte. Seehofer, den viele inzwischen für den neuen „König von Bayern“ halten, tritt kräftig auf die Euphoriebremse: „Wir müssen jetzt alle auf dem Teppich bleiben. Der Koalitionspartner für die nächsten fünf Jahre ist die Bevölkerung.“ Großmütig bietet er den klar unterlegenen kleinen Partei außerdem die Zusammenarbeit in den wirklich wichtigen Fragen des Freistaates an.

Dass Seehofer nach dem Gewinn der absoluten Mehrheit nun Demut und Bescheidenheit als wichtigste Tugenden der CSU ausgibt, hat gewichtige Gründe. Zum einen ist es ihm mit dieser Haltung gelungen, die Vetternaffäre vergessen zu machen. Dabei hatten einige CSU-Politiker bis hin zum ehemaligen CSU-Fraktionschef Gerg Schmid und einigen Ministern Gehälter aus der Staatskasse für die Beschäftigung von Familienmitgliedern kassiert. Auch die Affäre der Bayerischen Landesbank, bei der mehrere Milliarden Euro durch all zu kräftiges Zocken auf den internationalen Finanzmärkten verloren gingen, hat Seehofer mit der Geste „Asche auf das Haupt der CSU“ überstanden. Für Außenstehenden überraschend kam auch Seehofers Schwenk beim Donauausbau und beim Ausstieg aus den Studiengebühren. Mit seinen entschlossenen Wendungen kam der flotte Ministerpräsident übrigens Referenden der Bevölkerung zuvor. Spötter in München erklärten inzwischen, die CSU-Staatsregierung diene nun wieder dem Volk und nicht umgekehrt.

Seehofers gestärkte Rolle als ungekrönter König des Freistaates birgt indes auch Risiken — in Bayern sowie im Bund. So hat der 64-Jährige bereits klar gemacht, dass er nach der jetzigen, fünfjährigen Wahlperiode aus der Politik aussteigen werde. Die Handvoll CSU-Politiker, die sich — offen oder insgeheim, von Finanzminister Markus Söder bis zu Sozialministerin Christine Haderthauer oder neuerdings auch der Noch-Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner — Hoffnung auf die Seehofer-Nachfolge macht, werden von Chef selbst kurz gehalten. Den ehrgeizigen Söder hatte er sogar schon öffentlich abgewatscht. Für Berlin kündigte Seehofer bereits eine härtere Gangart bei der Vertretung bayerischer Interessen an.

Reinhard Zweigler

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