Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Politik im Rest der Welt Sexuelle Belästigung im EU-Parlament: „Wir auch“
Nachrichten Politik Politik im Rest der Welt Sexuelle Belästigung im EU-Parlament: „Wir auch“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:52 25.10.2017
Das Europäische Parlament in Straßburg debattiert über sexuelle Belästigung in den eigenen Reihen. Quelle: Patrick Seeger/illustration
Straßburg

Nach den Missbrauchsvorwürfen gegen den Hollywood-Mogul Harvey Weinstein haben Medienberichte über sexuelle Belästigung auch im Europaparlament die EU-Abgeordneten in Zugzwang gebracht.

Über eine Stunde lang diskutierten sie an diesem Mittwoch und kamen fraktionsübergreifend zu dem Schluss: Die Vorwürfe und die bestehenden Beschwerdemöglichkeiten im Parlament müssen von externen Experten überprüft werden. Am Donnerstag soll über eine entsprechende Resolution abgestimmt werden.

„Wir auch“, hatten mehrere Abgeordnete und Mitarbeiter am Montag an EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani geschrieben. Sie griffen damit den Hastag #MeToo auf, der sich im Zusammenhang mit dem Weinstein-Skandal in den sozialen Netzwerken verbreitet hatte. Frauen berichten unter dem Stichwort von ihren Erlebnissen mit sexuellen Übergriffen.

„Auch wir sind entweder Opfer oder Zeugen von Missbrauch geworden, von sexistischen Kommentaren und Verhaltensweisen, von sexueller Belästigung und Übergriffen an diesem Arbeitsplatz, durch Abgeordnete oder Mitarbeiter“, heißt es in der E-Mail an Tajani.

Der hatte sich schon am Montag „schockiert“ gezeigt angesichts der Vorwürfe und „ganz harte Sanktionen“ versprochen. Änderungsbedarf oder die Notwendigkeit unabhängiger Untersuchungen sah er aber nicht: „Man sollte das nicht in externe Hände geben.“ Das EU-Parlament habe doch bereits seit 2014 ein Gremium, an das sich Opfer wenden könnten. Wie zum Beweis hielt Tajani einen bunten Zettel in die Höhe: Das sei ein Leitfaden mit Ansprechpartnern. „Wir werden sehen, wie viele Personen sich melden.“ Viele Beschwerden gebe es bisher nicht.

Mehr Rückmeldungen sammelte derweil das Brüsseler Online-Magazin „Politico“. Über 30 Berichte von Vergewaltigungen, Übergriffen und Belästigungen im Zusammenhang mit dem EU-Parlament habe man mittlerweile von Betroffenen bekommen.

Sozialdemokraten, Linke und Grüne hatten für eine Beschwerdestelle nur für Fälle sexueller Belästigung plädiert, konnten sich damit aber zunächst nicht durchsetzen. Das bereits existierende Gremium befasst sich etwa auch mit Mobbing. Die Vorsitzende Elisabeth Morin-Chartier von der christdemokratische EVP-Fraktion lehnte einen speziellen Ausschuss ab. „Weil zwischen sexueller Belästigung und psychologischer Belästigung die Grenze sehr, sehr subtil ist.“

Als erster von wenigen Männern auf der Rednerliste ergriff der Deutsche Udo Bullmann das Wort. Er sprach von einer „zwingend notwendigen Debatte“. „Es geht um mehr als individuelles Fehlverhalten“. Der SPD-Abgeordnete prangerte eine „Kultur der Zulässigkeit von Übergriffen“ an, die immer etwas „mit dümmlichen Dominanzverhalten“ zu tun habe. Dem müsse „eine Kultur des Respekts“ entgegengesetzt werden - im Parlament, in Europa.

Wie geht es jetzt weiter? EU-Kommissarin Cecilia Malmström bat die Abgeordneten zum Schluss der Debatte: „Bitte lassen Sie uns dafür sorgen, dass die Arbeit nach der Abstimmung morgen nicht aufhört.“ Die Tschechin Angelika Mlinar (Liberale) gab als Ziel einen neuen Hashtag aus: #notme.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Russland für die Rückgabe der Moskauer Kathedrale St. Peter und Paul an die evangelisch-lutherische Kirche gedankt.

25.10.2017

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner wird heute Abend kurzfristig in Berlin an den Vorberatungen für die nächsten Jamaika-Sondierungsrunde teilnehmen.

25.10.2017

Beim Thema Glyphosat gehen die Emotionen hoch - sowohl bei Befürwortern wie auch Gegnern des Herbizids. Die EU ringt um eine klare Linie.

25.10.2017