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Politik im Rest der Welt Snowden plante seinen Coup seit langem — Moskau versteckt ihn
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23:21 25.06.2013
Ihn gibt‘s derzeit nur als Fahndungs-Foto: Edward Snowden.

Computerspezialist Edward Snowden ist weiter auf der Flucht — und Moskau reagiert auf US-Vorwürfe gereizt. Drohungen an die Adresse Russlands seien „absolut unbegründet und unannehmbar“, sagte Außenminister Sergej Lawrow gestern als Reaktionen auf Äußerungen seines US-Kollegen John Kerry vom Vortag. Moskau sei nicht Snowdens Fluchthelfer, und der 30-Jährige habe die russische Staatsgrenze offiziell nie überschritten.

Unterdessen gab der Ex-Geheimdienstmitarbeiter Snowden, von dem zunächst weiter jede Spur fehlte, neue Details in dem Spionage-Thriller preis. Er habe sich nur in den US-Geheimdienst NSA eingeschlichen, um dessen Schnüffeleien im Internet aufzudecken, sagte Snowden der Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“ zufolge. Allein aus diesem Grund habe er den Job als IT-Techniker bei der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton angenommen, die im NSA-Auftrag an der Internet-Überwachung beteiligt war.

Der sogenannte „Whistleblower“, der vor zwei Tagen aus Hongkong angeblich nach Moskau geflohen war, hatte in den vergangenen Wochen umfangreiche Datensammlungen amerikanischer und britischer Dienste öffentlich gemacht. Dies sorgte für Spannungen zwischen den beteiligten Großmächten USA, Russland und China.

In Moskau war wiederholt gestreut worden, Snowden wolle über Kuba nach Ecuador reisen, wo er Asyl beantragt habe. Aber auch gestern sei Snowden nicht an Bord einer Aeroflotmaschine nach Havanna gewesen, hieß es. Immerhin bestätigte Staatschef Wladimir Putin, Snowden halte sich weiter im Transitbereich des Flughafens Scheremetjewo auf. Es gebe im übrigen kein Auslieferungsabkommen zwischen Russland und den USA, das auf diesen Fall zutreffe.

Die russische Expertin für Luftfahrtrecht, Lina Talzewa, warnte Snowden vor dem Flug. „Die USA können laut Chicagoer Konvention von 1944 ein Zivilflugzeug zur Landung auffordern, sollte ein Verdacht auf Rechtswidrigkeiten bestehen“, sagte Talzewa. Die USA suchen Snowden wegen Geheimnisverrats. Seine spektakuläre Flucht sorgt für erheblichen politischen Wirbel: US-Außenminister John Kerry hatte Russland vor „Konsequenzen“ gewarnt. US-Regierungssprecher Jay Carney kritisierte außerdem Peking scharf und sprach von einem „schweren Rückschlag“ für die Beziehungen.

Präsident Barack Obama sagte, die USA versuchten im Gespräch mit den betroffenen Ländern „sicherzustellen, dass das Recht zum Zuge kommt“.

In dem Interview sagte Snowden, seine Arbeit bei Booz Allen Hamilton habe ihm Zugang zu Listen mit gehackten Computern in der ganzen Welt verschafft. „Deswegen habe ich die Position vor rund drei Monaten angenommen.“ Auf Nachfrage, ob er den Job speziell angenommen habe, um Material für eine Veröffentlichung zu sammeln, antwortete Snowden: „Korrekt.“ In seiner Arbeit als Computer-Administrator habe er große Mengen geheimer Informationen zusammengetragen.

Laut „South China Morning Post“, die nach und nach ihr Interview veröffentlicht, plant der 30-Jährige weitere Enthüllungen über US-Schnüffeleien. Vorher wolle er das Material aber weiter sichten.

In den USA wächst offenbar die Sorge vor weiteren Veröffentlichungen, die die Sicherheit betreffen. Ein Expertenteam analysiere daher das NSA-Computersystem um festzustellen, über welche Kanäle er welche Informationen heruntergeladen habe, so die „New York Times“.

Gemischte Reaktionen
Berichte über ein Programm des britischen Geheimdienstes zur Überwachung von Telefon- und Internetverbindungen auch in Deutschland haben zu kontroversen Reaktionen geführt.

Während Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) scharfe Konsequenzen forderte, verteidigte der innenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl (CDU), die Arbeit der Geheimdienste. „Das Sammeln und Analysieren von Daten ist die Kernaufgabe der Nachrichtendienste.“ Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sagte, es sei „offenkundig, dass ausländische Geheimdienste viele deutsche Internetnutzer überwachen“. Offenbar werde unsere tägliche Kommunikation „ohne jeden Anlass und Verdacht ausgeforscht“. „Wer so unschuldig in Verdacht gerät, muss bittere Konsequenzen fürchten und hat kaum Möglichkeiten sich zu wehren“, warnte Schaar.

LN

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