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Soldaten wurden vor Kollaps auf Zusatzmarsch geschickt

Todesfall bei der Bundeswehr Soldaten wurden vor Kollaps auf Zusatzmarsch geschickt

Zum Tod eines Soldaten bei einem Bundeswehrmarsch in Munster kommen immer mehr Details ans Licht. Mehrere Soldaten mussten im Laufschritt zurück zur Kaserne und Liegestütze machen. Im Dienstplan war das eigentlich nicht vorgesehen.

Soldaten in der Grundausbildung.

Quelle: Stefan Sauer

Lüneburg/Berlin. Unmittelbar vor dem Kollaps und anschließendem Tod eines Soldaten bei einem Bundeswehrmarsch sind er und mehrere seiner Kameraden noch auf einen Zusatzmarsch geschickt worden.

„Dieser Hin- und Rückmarsch (...) vom Ausbildungsort in die Kaserne und zurück war im Dienstplan nicht vorgesehen“, heißt es in einem Zwischenbericht des Verteidigungsministeriums zur Untersuchung der Vorfälle im niedersächsischen Munster. Mehr als 25 Soldaten hätten dabei „eine Strecke von insgesamt ca. sechseinhalb Kilometern, streckenweise im Laufschritt“ absolvieren müssen.

Am 19. Juli waren mehrere Offiziersanwärter bei einer Übung im Gelände kollabiert, einer starb an den Folgen. Nach ersten Untersuchungen hatten die Soldaten einen Hitzschlag erlitten. Eine Erklärung dafür angesichts der nicht außergewöhnlich hohen Temperaturen von knapp 28 Grad gibt es aber weiterhin nicht.

Grund für den zusätzlichen Marsch, den die Soldaten vor der eigentlichen Übung absolvieren mussten, war dem Papier zufolge, dass fehlende Ausrüstungsgegenstände aus der Kaserne geholt wurden. Einige Offiziersanwärter mussten außerdem bei sommerlichem Wetter Liegestütze machen. Der Zwischenbericht liegt Spiegel Online, der „Rheinischen Post“ und der Deutschen Presse-Agentur vor.

Der Linken-Verteidigungspolitiker Alexander Neu forderte Bundeswehr und Verteidigungsministerium auf, die Vorgänge „transparent“ aufzuklären und auf „Verharmlosungen“ zu verzichten. In einer ersten Obleuteunterrichtung sei auf seine Nachfrage, ob der Marsch mit Laufintervallen oder anderen Maßnahmen ergänzt worden sei, „mit einem unverschämten und höhnischem Unterton verneint“ worden. „Es hat den Anschein, dass wesentlich mehr stattgefunden hat als ein einfacher Marsch“, sagte Neu. Die hohe Zahl an äußerst erschöpften und verletzten SoldatInnen lasse „andere Ablaufszenarien“ vermuten.

Der später gestorbene Soldat brach dem Bericht zufolge bereits beim Zusatzmarsch auf dem Hinweg zur Kaserne kurz vor dem Ziel zusammen. Er starb später im Krankenhaus an multiplem Organversagen, wie laut Staatsanwaltschaft aus dem Obduktionsbericht hervorgeht.

Wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lüneburg der Deutschen Presse-Agentur sagte, habe das Multiorganversagen des Mannes im Zusammenhang mit einer Sepsis gestanden, auch Blutvergiftung genannt. Dabei gerät eine Entzündung außer Kontrolle und die körpereigene Abwehr schädigt das eigene Gewebe. „Wie es dazu kommen konnte, müssen weitere rechtsmedizinische Folgeuntersuchungen zeigen“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Ein weiterer Offiziersanwärter liegt laut Zwischenbericht noch immer im Krankenhaus und ist weiter in kritischem Zustand. Zwei weitere Soldaten machen derzeit eine Reha. Insgesamt klagten demnach elf Rekruten im Zusammenhang mit den Märschen über Beschwerden, darunter auch leichtere Verletzungen.

Acht Ausbilder und 35 Offiziersanwärter seien bereits vom Kompaniechef zu dem Fall vernommen worden, heißt es in dem Zwischenstand. Der Kompaniechef leitet die internen Ermittlungen der Bundeswehr. Auch die Staatsanwaltschaft in Lüneburg ist mit dem Fall befasst und prüft, „ob jemandem ein strafrechtlich relevanter Vorwurf zu machen ist, insbesondere ob möglicherweise fahrlässige Tötung oder fahrlässige Körperverletzung in Betracht kommen könnten“, sagte die Sprecherin der Ermittlungsbehörde am Freitag.

Dass illegale Aufputschmittel im Spiel waren, hatte das Verteidigungsministerium am Montag dementiert. Ein Soldat habe zwar ausgesagt, einen Energy Drink getrunken zu haben, ob das zu dem Hitzschlag beigetragen haben könnte, blieb aber offen.

dpa

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