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Politik im Rest der Welt Staatsanwaltschaft zieht Vertuschungstat in Betracht
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12:20 07.12.2017
Unbekannte Täter sprühten die Parole „Oury Jalloh“ an das Polizeirevier in Dessau. Quelle: imago/Steffen Schellhorn
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Halle

Am 7. Januar 2005 verbrannte Oury Jalloh in einer Ausnüchterungszelle in Dessau. Bis heute konnte sein Tod nicht ausreichend aufgeklärt werden. Wie die „Mitteldeutsche Zeitung“ am Donnerstag berichtet, gibt es 13 Jahre später neue Erkenntnisse im Fall des toten Asylbewerbers.

In den Akten des Falls soll der leitende Oberstaatsanwalt Folker Bittmann am 4. April 2017 einen entscheidenden Vermerk verfasst haben. Demnach verwarf er die These, dass Jalloh sich im Alkoholrausch selbst angezündet habe. Stattdessen hält der Staatsanwalt einen Mord durch Polizeibeamte für wahrscheinlicher. Sie könnten den Mann angezündet haben, um seine Verletzungen zu vertuschen und Ermittlungen zu zwei früheren Todesfällen im Umfeld der Dessauer Polizei zu verhindern.

Der leitende Oberstaatsanwalt stützt seine These dabei auf mehrere Gutachter und eine Rekonstruktion des Falles von 2016. Der gefesselte und nahezu handlungsunfähige Mann soll in seinen letzten Atemzügen mit einer kleinen Menge Brandbeschleuniger übergossen und angezündet worden sein.

Zusammenhang zu vorherigen Todesfällen?

Dabei zieht Bittmann auch einen Zusammenhang mit zwei früheren Todesfällen in der Polizeistation Dessau in Erwägung. 1997 war ein Mann nach einem Polizeigewahrsam an schweren inneren Verletzungen gestorben. 2002 kam in der selben Zelle wie später Jalloh ein Obdachloser ums Leben. In beiden Fällen hatte es auch Ermittlungen gegen Polizeibeamte gegeben.

Mit einem Dummy ist führten Gutachter im Fall Oury Jalloh eine Brandanalyse durch. Quelle: dpa

Bittmanns Vermutung: Jalloh, der im Gesicht verletzt war und nicht ordnungsgemäß ärztlich versorgt wurde, sei bei einer Zellenkontrolle ohnmächtig aufgefunden worden. Den Beamten sei klar geworden, „dass schwere Verletzungen oder gar das Versterben eines weiteren Häftlings neuerliche Untersuchungen auslösen würden“. Diese Sorge „mag zu dem Entschluss geführt haben, mit der Brandlegung alle Spuren zu verwischen“. Bereits in einem Schreiben von April nannte der leitende Oberstaatsanwalt Folker Bittmann die Namen verdächtiger Polizeibeamter, die mit dem Fall im Zusammenhang stehen.

Familie und Jugendorganisationen fordern Aufklärung

Zu weiteren Ermittlungen gegen Polizeibeamte kam es nicht, weil die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau das Verfahren im Mai durch Entscheidung von Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad nach Halle abgeben musste. Dort wurde es eingestellt, da die dortige Staatsanwaltschaft keinen hinreichenden Tatverdacht sah. Jallohs Familie hatte Beschwerde dagegen eingelegt.

Am Wochenende demonstrierten rund 400 Menschen in Halle gegen die Einstellung des Verfahrens und forderten eine juristische und politische Aufklärung. Sie folgten untern anderem dem Aufruf der Jugendorganisationen von Grünen und Linken. Auch im Landtag von Sachsen-Anhalt wird Jallohs Tod weiter diskutiert. Die Linken-Abgeordnete Henriette Quade warf der Justizministerin vor, die Aufklärung des Falls zu behindern. Am Dienstag erhielt der Landtag Einsicht in die Fallakten und Gutachten.

Von RND/ots/mkr

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