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Startschuss für Verkauf von Silvesterböllern

Berlin Startschuss für Verkauf von Silvesterböllern

Der Silvesterböller-Verkauf in Deutschland läuft. Der Handel erwartet stabile Umsätze. In diesem Jahr geht es auch um ein Feuerwerksverbot an Flüchtlingsunterkünften und ein Raketensortiment namens „Paris“.

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Jahreswechsel 2014/15 in München: Der Verband der pyrotechnischen Industrie erwartet für dieses Jahr mit etwa 129 Millionen Euro einen ähnlichen Umsatz wie bei der letzten Silvesterknallerei.

Quelle: Peter Kneffel/archiv

Berlin. Der Verkauf von Silvesterböllern und -raketen ist losgegangen. Zum Start des dreitägigen Verkaufs in Deutschland drängten sich am Dienstag viele Feuerwerk-Fans in den Läden. Kritik zog Aldi Süd auf sich, weil der Discounter ein Raketen-Sortiment „Paris“ verkauft.

Eine Sprecherin sagte, die Benennung nach Städten sei „historisch gewachsen“, es sei arg konstruiert, einen Zusammenhang zwischen der Ware und dem Terror in Paris im November herzustellen. Pyrotechnik abbrennen ist in der Nähe von Kirchen, Kliniken, Kinder- und Altenheimen sowie Fachwerk- und Reetdachhäusern verboten - aus Sicherheitsgründen und wegen möglicher Ängste gilt dies 2015/16 auch an vielen Flüchtlingsunterkünften in der Republik.

Hintergrund der Verbote an Unterkünften in vielen Bundesländern sind Brandschutz und Verletzungsgefahr, aber auch mögliche psychische Probleme traumatisierter Bürgerkriegsflüchtlinge. „Wer aus einem Kriegsgebiet kommt, verbindet Knallerei eher mit Schüssen und Bomben als mit Silvesterraketen. Das könnte die Traumata der Leute neu aufbrechen lassen“, sagte etwa Christoph Söbbeler von der Bezirksregierung im nordrhein-westfälischen Arnsberg.

Der Verband der pyrotechnischen Industrie erwartet für den Jahreswechsel etwa den gleichen Umsatz wie bei der vergangenen Silvesterknallerei, als es etwa 129 Millionen Euro waren. Käufer der Böller müssen mindestens 18 sein. Im Trend liegen laut Herstellern erneut sogenannte Batterie- oder Verbundfeuerwerke, die nur einmal angezündet werden und dann viele Effekte abfeuern.

Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern sagte am Dienstag, er hoffe auf einen Verkaufsrekord für Silvester-Feuerwerk: Denn grundsätzlich gelte die Regel, je mehr Krisen und Katastrophen ein Jahr gebracht habe, desto mehr werde Silvester geballert. „Dann will man es so richtig krachen lassen.“

Wichtig für die Verkaufszahlen von Raketen und Böllern ist aber auch das Wetter: Regen ist schlecht für das Geschäft. Im Gegensatz zu den meisten anderen Waren bleibt das Feuerwerk eine Domäne des stationären Einzelhandels: Im Internet dürfen die meisten Feuerwerkskörper nicht verkauft werden.

Eine YouGov-Umfrage für die Deutsche Presse-Agentur hatte ergeben, dass Deutschland bei Silvesterböllern gespalten ist: 48 Prozent sehen sie eher positiv, für 43 Prozent überwiegen die negativen Seiten wie Lärm oder Schmutz.

Die bis zum 31. Dezember angebotenen Waren müssen von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) oder einer vergleichbaren europäischen Behörde zugelassen sein. Abgebrannt werden dürfen sie laut Gesetz nur am 31. Dezember und 1. Januar.

Unter dem Motto „Brot statt Böller“ rief das Hilfswerk Brot für die Welt zum Jahreswechsel wieder zu Spenden auf. Die Aktion gibt es seit mehr als 30 Jahren. Dem Vorwurf der „typisch protestantischen Spaßverderber“ hielt eine Sprecherin entgegen: „Wir denken nicht, dass es unserer Gesellschaft an Spaß oder Konsum fehlt.“

Die Feuerwehren stellen sich auf eine arbeitsreiche Silvesternacht ein und warnen: Feuerwerkskörper und Raketen sind „Sprengstoff“. „Den Großteil der Einsätze in dieser Nacht machen Brände aus“, sagte zum Beispiel Bernd Löhr, der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Arnsberg. Und von diesen würden die meisten durch den unachtsamen Umgang mit Feuerwerkskörpern ausgelöst.

Behörden warnen auch immer wieder vor gefährlichen, nicht geprüften, illegal eingeführten und selbst gebastelten Knallern.

dpa

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