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Politik im Rest der Welt Steinbrück findet Geschmack am Fahrersitz
Nachrichten Politik Politik im Rest der Welt Steinbrück findet Geschmack am Fahrersitz
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22:18 12.09.2013
SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück will im Rennen bleiben.

Peer Steinbrück macht sich Gedanken, wer nach der Bundestagswahl vom 22. September „im Fahrersitz“ einer Großen Koalition sitzen soll. Bei der ARD-Wahlarena ging der SPD-Kanzlerkandidat mit dieser bangen Gegenfrage auf das staunende Publikum zu. Die Umfrageinstitute versprechen keine klaren Mehrheitsverhältnisse.

Angela Merkel, die CDU-Chefin, ist erstaunlich guter Laune. Die FDP hat sich auf die Union als alleinigen Koalitionspartner „zurzeit“ festgelegt. Steinbrück hat das Gefühl, er mache einen richtig guten Wahlkampf, leider renne ihm die Zeit davon. Das alles lässt viel Platz für immer neue Spekulationen.

Seit der schmerzhaften SPD-Pleite bei der Wahl vor vier Jahren, als es das historisch niedrigste Nachkriegsergebnis gab, ist klar, am Wahlabend sollte man möglichst schnell Fakten schaffen. Damals ließ sich SPD-Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier ganz rasch grünes Licht für eine Wiederwahl als Fraktionsvorsitzender geben. In der Wahlnacht vor acht Jahren hatte Gerhard Schröder, damals noch Kanzler, Angela Merkel im vollen Adrenalinrausch öffentlich den Satz entgegengeschleudert, die SPD werde sie „nie“ zur Regierungschefin wählen. Wenig später gab es doch die Große Koalition und Schröder war weg.

Für Steinbrück steht mittlerweile fest, dass der Spitzenwahlkämpfer selbst die TV-Häuptlingsrunde an diesem Wahlabend bereichern wird. Weder SPD-Chef Sigmar Gabriel noch einer der SPD-Ministerpräsidenten solle die Deutungshoheit am Wahlabend haben, lautet die Begründung. Selbst von einer informellen Absprache zwischen der sich im allgemeinen eher skeptisch beäugenden „Troika“

(mit Steinbrück, Steinmeier und Gabriel) ist die Rede. Steinbrück, mit 66 Jahren, will offenbar noch ein wenig bleiben, egal wie die Wahl ausgeht. Wer es mit der eigenen Karriere nicht sehr eilig hat, könnte mit dieser Zwischenlösung ganz gut leben.

Steinbrück hat nach zehn Monaten eher depressiv stimmender Wahlkampf-Akrobatik seit kurzem wieder zu sich selbst gefunden. Bei der ARD-Wahlarena tänzelte er 75 Minuten gekonnt durch das Studio und bemühte sich um kurze, knappe Antworten auf die Publikumsfragen. Bei ihm war die Einschaltquote deutlich besser als zwei Tage zuvor an gleicher Stelle bei Merkel. Selbst die Gruppe der Jung- und Nichtwähler fanden den Sozialdemokraten offenbar interessanter. Es gibt sich mehrende Hinweise aus der SPD, dass Steinbrück am Steuer und im Fahrersitz bleiben will. Fest steht, sollte der „Plan B“

zum Tragen kommen — keine rot-grüne Regierungschance — dann will der Kanzlerkandidat auch als Spitzenverhandler für eine Große Koalition dabei sein. Er selbst habe ja nur klipp und klar ausgeschlossen, persönlich in eine Große Koalition unter CDU-Führung einzusteigen („Das muss ich mir nicht noch einmal antun!“).

Dieter Wonka

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