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Politik im Rest der Welt Steinbrück zeigt Kante
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02:21 28.06.2013
Peer Steinbrück debattiert, im Hintergrund Angela Merkel. Quelle: Foto: AFP

Prasselnder Wahlkampf im Bundestagsplenum. Zwar ging es gestern eigentlich um die Europapolitik, die dramatische Jugendarbeitslosigkeit und den anstehenden EU-Gipfel. Doch alle Auftritte waren beseelt davon, die eigene Position ins rechte Licht zu rücken und die politische Konkurrenz in den Senkel zu stellen.

Das galt vor allem für den bislang recht glücklosen Peer Steinbrück. Nach einer eher routinemäßigen Regierungserklärung von Angela Merkel, in der sie zum wiederholten Male ihren Kurs von mehr Wettbewerbsfähigkeit und Haushaltskonsolidierung beschwor, schnellte der SPD-Kanzlerkandidat geradezu ans Pult. Die Rede der Frau Bundeskanzlerin sei „sehr reziplikativ“ gewesen, befand Steinbrück, in Erinnerung an einen Ausdruck, den der frühere SPD-Fraktionschef Fritz Erler einst Kanzler Ludwig Erhard an den Kopf geworfen hatte. Einen Augenblick ließ Steinbrück die Abgeordneten über die Bedeutung dieses Wortes rätseln. Dann löste er das Stirnrunzeln feixend auf: „Das heißt gar nichts. Es spricht sich nur so gut.“

Der Ex-Finanzminister attackierte die Kanzlerin im womöglich letzten direkten Bundestags-Rededuell vor der Wahl auf dem Feld der Europapolitik. Dort, wo eigentlich die Domäne der Euro-Rettungs- Kanzlerin zu liegen scheint. Steinbrück witzelte, er habe Merkels Rede schon drei, vier Mal gehört. Selbst die Hälfte der Regierungsbank werde vom Schlafbedürfnis überwältigt, meinte Steinbrück kabarettreif. In Merkels Vortrag habe nur noch der Satz gefehlt: „Eine gute Grundlage ist die beste Voraussetzung für eine solide Basis in Europa.“ SPD und Grüne schütteten sich aus vor Lachen.

Endlich zeigte der Kandidat klare Kante gegen eine inhaltsleere Kanzlerin. Schwarz-Gelb habe die Verschuldung in vier Jahren um 400 Milliarden Euro erhöht. „Sie können nicht mit Geld umgehen. Wenn Sie in der Wüste regieren, wird der Sand knapp“, spottete Steinbrück. Merkel focht die Attacke ihres Herausforderers indes nicht an. Äußerlich ungerührt blickte sie nach vorn oder griff hin und wieder zum Handy. Was wohl heißen sollte: Was stört es den Mond, wenn ihn der Mops anbellt? Den Namen Steinbrück nahm sie wie gewohnt nicht in den Mund.

Reinhard Zweigler

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