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Politik im Rest der Welt Steinbrücks Online-Berater schon wieder weg
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07:16 22.11.2012
Roman Maria Koidl, Unternehmer und Bestseller-Autor, war als Internet-Berater des SPD-Kanzlerkandidaten Steinbrück vorgesehen gewesen. Quelle: Karlheinz Schindler/Archiv
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Berlin

Kein Glück für Peer Steinbrück: Bisher galt er als „offline“-Kandidat - ein Unternehmer sollte ihm daher als Online-Berater zur Seite stehen. Doch dieser hat das SPD-Gastspiel nun entnervt wieder abgesagt.

Nach wenigen Tagen muss sich der SPD-Kanzlerkandidat schon wieder einen neuen Internetberater suchen. Der Unternehmer, Kunstmäzen und Bestseller-Autor Roman Maria Koidl steht nicht mehr zur Verfügung, wie er am Mittwoch mitteilte. In der Partei war zuvor Koidls Vergangenheit als Berater von Hedgefonds auf Kritik gestoßen - und öffentlich thematisiert worden. Steinbrück will im Wahlkampf für eine schärfere Regulierung solcher Fonds werben, die der frühere SPD-Chef Franz Müntefering als Heuschrecken brandmarkte.

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle sagte im Bundestag mit Blick auf die Personalie, Steinbrück sei zum Spielball der SPD-Linken geworden. Koidl selbst betonte auf seiner Internetseite: „Ich kann nicht vertreten, dass falsche und ehrverletzende Berichterstattung gegen mich eingesetzt wird, die darauf zielt, den Kandidaten Peer Steinbrück zu beschädigen.“ Er habe sich zunächst zur beratenden Unterstützung im Thema Digital/Online bereiterklärt, „weil es meine Überzeugung ist, dass Peer Steinbrück ein exzellenter Kanzler wird“. Da die Beratungen über einen Vertrag aber noch nicht abgeschlossen gewesen seien, ziehe er sein Angebot hiermit zurück.

Der Österreicher ist unter anderem Autor der Bücher „Blender“ und „Scheißkerle“ und hatte neben seinen Investment-Aktivitäten 1996 eine Kaffeeshop-Kette aufgebaut. Steinbrücks Sprecher wollte sich nicht zu möglichen Alternativen als Onlineberater äußern. Die Wahlkampfplanungen in Sachen Internet befänden sich ohnehin noch in einem frühen Stadium.

Der Rückzug fügt sich ein in den bisher holprig verlaufenen Start der Kanzlerkandidatur Steinbrücks. Seit Wochen muss er sich für seine Nebeneinkünfte als Bundestagsabgeordneter von weit über einer Million Euro rechtfertigen. Besonders umstritten ist ein Redehonorar der Stadtwerke Bochum in Höhe von 25 000 Euro. Steinbrück erklärte sich nach dem Wirbel schließlich bereit, dieses Honorar zu spenden.

Parteiintern wird Steinbrücks Umgang mit der Debatte über die Nebeneinkünfte als verunglückt angesehen. In Umfragen kann die SPD bisher von der Kandidatur des früheren Finanzministers nicht profitieren. Am 9. Dezember soll er bei einem Sonderparteitag in Hannover offiziell zum Kanzlerkandidaten gekürt werden.

Brüderle meinte im Bundestag mit Blick auf den Wirbel um Koidl, Steinbrück sei wegen seines „unterirdischen Krisenmanagements“ nun abhängig vom Wohlwollen der Parteilinken, die derzeit noch den Mund halte. „Ein genialer Griff in die Personalkiste“, spottete Brüderle. „Sie werden einen hohen Preis für das Schweigen Ihrer Linken zahlen.“ Steinbrück müsse jeden Linksschwenk mitmachen. Linke-Chef Bernd Riexinger sagte dem Berliner „Tagesspiegel“: „Für Steinbrück wird es schwer. Er hat weder Glaubwürdigkeit noch eine Machtoption. Mit seinen Personalentscheidungen stellt er sich immer wieder in die Nähe der Wirtschaftslobby.“

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