Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Politik im Rest der Welt Täter von Barcelona auf der Flucht
Nachrichten Politik Politik im Rest der Welt Täter von Barcelona auf der Flucht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:14 19.08.2017
Trauer in Barcelona: Auf der Flaniermeile Las Ramblas stehen Menschen vor brennenden Kerzen und niedergelegten Blumen. Quelle: Foto: Emilio Morenatti/dpa

Nach dem Terroranschlag mit einem Lieferwagen in Barcelona gehen die Ermittlungen nur langsam voran. Die Regierung in Madrid entschied gestern, die Terrorwarnstufe nicht anzuheben. „Wir können sagen, dass die Zelle von Barcelona total zerschlagen ist“, sagte Innenminister Juan Ignacio Zoido. Andere Stimmen zweifelten jedoch an dieser Einschätzung.

Auf Halbmast: finnische Flagge auf einem Gebäude in Turku. Quelle: Foto: Dpa

Bei dem Anschlag auf der Flaniermeile Las Ramblas waren am Donnerstag mindestens 13 Menschen getötet worden. Wenige Stunden später kam zudem eine Frau nach einem vereitelten Angriff in der Küstenstadt Cambrils zu Tode. Sie wurde von Verdächtigen auf der Flucht überfahren.

Die Aufmerksamkeit der Polizei richtete sich Medienberichten zufolge vor allem auf einen flüchtigen Marokkaner. Der 22-Jährige sei der Bruder eines der getöteten Terrorverdächtigen von Cambrils, hieß

es. Er stamme aus der Kleinstadt Ripoll rund 100 Kilometer nördlich von Barcelona.

Spaniens Innenminister begründete seine Einschätzung damit, dass fast alle mutmaßlichen Mitglieder der Terrorzelle getötet oder festgenommen worden seien. Die Ermittler gingen davon aus, dass die Attacken in Barcelona und Cambrils von einem Netzwerk von insgesamt zwölf Verdächtigen verübt wurden. Fünf von ihnen wurden in Cambrils erschossen, vier wurden festgenommen.

Ein oder zwei weitere Verdächtige könnten am Mittwoch bei einer Explosion in einem Wohnhaus in Alcanar gestorben sein. Die Beamten vermuteten, dass die Gruppe dort Sprengstoff lagerte und ein noch größeres Attentat als das in Barcelona vorbereitete. Laut der Zeitung „La Vanguardia“ wollte die Terrorzelle in dem Haus drei Autobomben präparieren.

Die Madrider Regierung kündigte an, die Sicherheitsvorkehrungen würden ab sofort verschärft. Eine Anhebung der Terrorwarnstufe lehnte sie aber ab. In Spanien gilt seit zwei Jahren die zweithöchste Warnstufe 4. Sie bedeutet, dass ein „erhebliches Risiko eines terroristischen Anschlags“ besteht.

Die katalanische Polizei und die Regionalregierung in Barcelona lehnten es dagegen ab, von einer Zerschlagung der Terrorzelle zu sprechen. Es werde noch nach zwei oder drei Verdächtigen gefahndet, betonte der katalanische Innenminister Joaquim Forn.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Angriffe in Spanien für sich. Die Echtheit der Erklärung ließ sich zunächst nicht verifizieren. Sie wurde aber über die üblichen Kanäle des IS im Internet verbreitet. Bislang hatte sich die Terrormiliz über ihr Sprachrohr Amak nur zu dem Terrorangriff auf den Ramblas bekannt.

Bei der Fahndung nach dem mutmaßlichen Haupttäter, der mit dem Lieferwagen in die Passantengruppen gerast war, hatte die Polizei sich zunächst auf Moussa Oukabir konzentriert. Diese Hypothese habe an Gewicht verloren, sagte der katalanische Polizeichef Josep Lluís Trapero. Der 17-Jährige war nach Angaben der Polizei zusammen mit vier anderen Verdächtigen in der Nacht zum Freitag bei dem Antiterror-Einsatz in Cambrils erschossen worden.

Die Polizei prüft nach Medienberichten auch, ob der Tod eines Spaniers im Zusammenhang mit dem Terroranschlag in Barcelona stand. Wie das katalanische Fernsehen TV3 berichtete, war der 34-Jährige kurz nach dem Anschlag am Stadtrand Barcelonas tot in seinem Auto gefunden worden. Die Ermittler gingen davon aus, dass er von einem Unbekannten überfallen und erstochen wurde, der ihm das Auto rauben wollte. Die Polizei prüfe nun, ob der Täter ein Terrorist auf der Flucht sein könnte.

Zwei Tage nach den Terrorattacken waren noch 54 Opfer im Krankenhaus, davon zwölf in kritischem Zustand. Laut Auswärtigem Amt wurden auch 13 Deutsche verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich.

Außenminister Sigmar Gabriel legte gestern in Barcelona Blumen nieder. Spaniens Königspaar besuchte Opfer im Krankenhaus.

Terror in Finnland – Mutmaßlicher Täter verweigert Aussage

Im finnischen Turku geht die Polizei bei der Messerattacke von einem terroristischen Hintergrund aus. Bei dem Angriff in der Innenstadt von Turku starben am Freitag zwei Finninnen, acht Menschen wurden verletzt.

Der Verdächtige ist nach Polizeiangaben ein 18 Jahre alter Marokkaner, der von der Polizei angeschossen wurde und im Krankenhaus liegt. Sein Motiv war zunächst unklar. Er hat die Opfer laut Polizei „per Zufall“ ausgesucht und verweigere die Aussage.

Im Uni-Krankenhaus von Turku liegen außer dem Täter auch zwei der Opfer auf der Intensivstation. Die beiden Getöteten sind Finninnen. Unter den acht Verletzten – 15 bis 67 Jahre – sind ein Opfer aus Schweden, eines aus Großbritannien und eines aus Italien.

Die Polizei nahm auch vier weitere Marokkaner fest. Sie hätten „eine Verbindung“ zum Tatverdächtigen, hieß es. Für einen fünften Verdächtigen wurde ein internationaler Haftbefehl ausgestellt.

Der IS hat auch eine Messerattacke in der sibirischen Ölstadt Sugut für sich reklamiert. Die Polizei betrachtete den Vorfall dagegen nicht als möglichen Terroranschlag. Der Angreifer war gestern durch das Stadtzentrum gezogen und hatte sieben Menschen mit einem Messer angegriffen. Bei der Festnahme wurde der 1994 geborene Einheimische erschossen.

Hubert Kahl

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ex-Sicherheitsberater will weiter für Trump kämpfen – „Ich werde die Opposition definitiv zermalmen“.

19.08.2017

Wahlforscher geben der SPD keine Chance mehr. Allerdings gab es auch früher schon grandiose Aufholjagden.

19.08.2017

Sie löst die „Brandenburg“ bei Schleuser-Überwachung ab – Kommandant Matthias Schmitt über die Aufgaben in der Nato-Mission.

19.08.2017
Anzeige