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Politik im Rest der Welt „Tagesschau“-Kommentator fordert Merkel zum Rücktritt auf
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10:43 26.06.2018
Bundeskanzlerin Angela Merkel. Quelle: epd
Hannover

Im Streit um die Asylpolitik mischt neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und CSU-Chef Horst Seehofer jetzt auch ein Autor der „Tagesschau“ mit. Am Montag sorgte ein kontrovers diskutierter Kommentar des Korrespondenten Malte Pieper für Aufsehen. „Es ist eine Bankrotterklärung der EU: In einem der wichtigsten Politikfelder unserer Zeit, beim Umgang mit Migration geht nichts mehr“, hieß es auf der Webseite der „Tagesschau“. Merkel traue niemand mehr über den Weg.

Wie es so weit kommen konnte, will Pieper wissen und schreibt weiter: „Im Grund genommen ist die Sache einfach: Sie liegt im Politikstil Angela Merkels begründet.“

Konkret wirft Pieper der Bundeskanzlerin „dem von Teilen ihrer Anhängerschaft frenetisch gefeierten ’Pragmatismus’“ vor. Bei unklaren Situationen schalte Merkel seit eh und je einfach die Nebelscheinwerfer ein und hoffe, der Wind löse das Problem. Bei dichtem Nebel, wie etwa bei der Flüchtlingskrise, komme man dabei höchstens vom Weg ab, „weil man nichts sieht, und ist dann verloren“, urteilt der Korrespondent.

„Merkel hinterließ also verbrannte Erde, wohin man schaut“

Weiter wirft Pieper ihr vor, die Spaltung der EU „billigend in Kauf“ zu nehmen. Sie dränge „die Osteuropäer in die Ecke, lässt sie überstimmen und will sie zur Solidarität zwingen, zur Aufnahme von Flüchtlingen“. Ähnlich „rabiat“ sei sie bereits mit Griechenland im Rahmen der Euro-Krise umgegangen. Piepers Fazit lautet schließlich: „Merkel hinterließ also verbrannte Erde, wohin man schaut.“

Auch für den Aufschwung der AfD macht Pieper die Politik der Kanzlerin verantwortlich, „Opportunisten vom Typ Markus Söder oder Jens Spahn“ gewinnen laut Pieper „infolge dieser Politik der Nicht-Kompromisse und damit auch Nicht-Einigungen“ die Oberhand.

Als Konsequenz fordert der Korrespondent, der seit rund drei Jahren für die ARD die Europa-Politik in Brüssel verfolgt: „Räumen sie das Kanzleramt.“ Ganz persönlich wendet er sich an Merkel und meint, für sie gebe es „außer spürbarer Abneigung nichts mehr zu gewinnen“. Nachdrücklich fordert er: „Lassen Sie uns den Neuanfang wagen!“

Kommentar wird kontrovers diskutiert

Obwohl die „Tagesschau“-Redaktion darauf hinwies, dass Kommentare „grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion“ wiedergeben, entbrannte beim Kurznachrichtendienst Twitter eine Diskussion um den Beitrag.

„Was hat das bitte noch mit neutraler Berichterstattung zu tun?“, wollte ein Nutzer wissen. „Was ist das denn? Hat Seehofer oder Söder das beauftragt?“, fragte ein anderer. „Dieser Kommentar gießt Öl ins Feuer der Regierungs- bzw. EU-Krise und stärkt die von Ihnen benannten Opportunisten“, warf ein Nutzer Pieper vor. Man könne die Stimmung in der EU nicht allein an Merkels Regierungsstil festmachen, merkte er weiter an.

Neben Kritik gab es aber auch Zustimmung für Pieper: „Endlich mal eine klare Ansage, aber leider viel viel zu spät“, lautete einer von rund 200 Kommentaren zu dem Beitrag. Auch auf der Seite der „Tagesschau“ erntete der „ungewohnt direkte Kommentar“ positives Feedback.

Von RND

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