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Ted Cruz — der Trump-Verhinderer?

Washington Ted Cruz — der Trump-Verhinderer?

Der republikanische Senator aus Texas ist der letzte, der den Baulöwen Donald Trump stoppen könnte.

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„Vertraut Ted“: Texas-Senator Cruz präsentiert sich den republikanischen Vorwählern als seriös auftretender Anti-Trump.

Quelle: Fotos: Scott Olson/afp

Washington. Er will eine Mauer an der US-Grenze bauen, überhaupt die Sicherheit an den Grenzen verdreifachen, er will illegale Einwanderung stoppen, „um amerikanische Arbeiter zu schützen“.

„Heute ist der Wendepunkt! Ein großer Sieg für Amerika! Mach Dich bereit, Hillary! Wir kommen!“ Ted Cruz nach seinem

Sieg in Wisconsin

Er steht für so wenig Regierung wie möglich, für das Recht auf Waffenbesitz und will das Recht auf Abtreibung auf allen Ebenen bekämpfen; religiöse Freiheit bezieht sich für ihn nur auf die christliche, von Moslems bewohnte Gegenden und Stadtviertel sollen speziell überwacht werden. Von einer öffentlichen Krankenversicherung für alle wie ansatzweise „Obamacare“ hält er gar nichts, gleiches gilt für den Klimaschutz oder gar höhere Steuern für Reiche.

Man kann eigentlich nicht sagen, dass Ted Cruz, geboren 1970 in Kanada als Sohn einer US-Amerikanerin mit irischem und italienischem Migrationshintergrund und eines kubanischen Flüchtlings aus der Vor-Castro-Zeit, der ideale Kandidat für den Mainstream ist, ein Kandidat der Mitte, der auch möglichst viele Unentschlossene oder zaudernde Anhänger der Demokraten für sich gewinnen wird.

Andererseits verkörpert er auch den amerikanischen Traum: In bescheidene Verhältnisse hineingeboren, erst mit vier Jahren in die USA gekommen, mit der staatlichen Förderung für Minderheiten unterstützt und so bis in edelste Bildungsanstalten vorgedrungen — mit Abschlüssen an den Elite-Universitäten Harvard (Jura) und Princeton (Politik).

Aber eben auch: Bibelfest, erzkonservativ, ein Liebling der libertär-evangelikal dominierten Tea-Party-Bewegung in der Republikanischen Partei, deren Positionen er seit 2012 als Senator für den US-Bundesstaat Texas im bei vielen Wählern so verhassten Washington vertritt. Dort begann er als juristischer Berater des ebenfalls aus Texas stammenden Präsidenten George W. Bush, der seine Wahl und Wiederwahl nicht zuletzt als öffentlich geläuterter Sünder ebenfalls der evangelikalen Republikaner-Basis verdankte — der aber inzwischen auf Distanz zur Tea-Party-Fraktion geht und bei dieser mit seinem Eintreten für die Integration auch illegal eingereister Zuwanderer inzwischen mit Argwohn betrachtet wird.

An Ted Cruz wird sichtbar, wie zerrissen sich die US-amerikanische Gesellschaft und speziell ihr den Republikanern zuneigender Teil inzwischen sieht und fühlt: Er, als De-facto-Zuwanderer, als vom Staat geförderter und integrierter Aufsteiger, als Washington-Kritiker, der seit vielen Jahren im System Washington arbeitet, will die Grenzen schließen, für illegal erklärte Zuwanderer ausweisen, den Staat auf ein Minimum beschränken, aber mit der US-Armee bei Bedarf Gegner wie den „Islamischen Staat“ in 30 Tagen „ausräuchern, bis der Wüstensand glüht“.

Mehr noch: Er, der von US-Kommentatoren „schmierig“ genannt wird, der im Kongress, aber auch im republikanischen Parteiapparat als rücksichtslos gilt, steht nach seinem Vorwahlsieg in Wisconsin plötzlich als letzte Hoffnung dieses Parteiapparats gegen den Wunderheiler Donald Trump da.

Einen „Wendepunkt“ hat Cruz diesen Sieg genannt; neunmal konnte er im Vorwahl-Marathon bisher Trump bezwingen, den anderen Latino-Star Marco Rubio hat er abgeschüttelt. Es sei bestenfalls ein „Wendepünktchen“, orakeln Beobachter hingegen: Es folgen Vorwahlen in Connecticut, Pennsylvania, Rhode Island, Delaware, Maryland, die eher als Trump-Land gelten. Und in New York, wohin der Vorwahl-Zirkus als nächstes zieht, dürfte der New Yorker Baulöwe Trump erst recht obsiegen.

Aber: Dass Trump die magische Zahl von 1237 Delegierten auf dem republikanischen Konvent im Juli in Cleveland erreicht, ist seit dem Wisconsin-Sieg von Cruz nicht mehr sicher. Der wiederum kann diese Zahl ebenfalls schon jetzt rein rechnerisch nicht mehr erreichen.

Werden die Parteistrategen beim Konvent also am Ende die Abstimmung freigeben? Kommt dann ein zuvor ausgeguckter „Weißer Ritter“ aus der Deckung, um den „republikanischen Bürgerkrieg“ („Neue Zürcher Zeitung“) in der „Grand Old Party“ (GOP) zu beenden? Oder geht der dann erst richtig los, wie Trump mit seiner Warnung vor „Unruhen“ schon angedeutet hat? Zieht Trump dann auf eigene Faust in die Präsidentenwahl? Es wird wohl so schnell nicht langweilig in diesem Wahlkampf.

Im Zweifel werden die Karten neu gemischt

Parteitage sowohl der Demokraten als auch der Republikaner finden nach den monatelangen Vorwahlen im Sommer des Präsidentschaftswahljahres statt. Ist eine klare Mehrheit für einen Kandidaten zustande gekommen, wird der Wahlkonvent zu einer genau durchgeplanten Quasi-Krönungsmesse. Kommt aber keine absolute Mehrheit an Vorwahl-Delegierten zusammen, droht eine „contested“ oder „brokered convention“. In der Wahlversammlung können die bis dahin festgelegten Delegierten für einen anderen Bewerber stimmen — sogar für einen, der neu ins Rennen geht. Zuletzt kam es 1976 bei den Republikanern zu einer Kampfabstimmung, in der Gerald Ford Herausforderer Ronald Reagan schlug. Die Nominierung eines demokratischen Präsidentschaftskandidaten 1924 zog sich sogar über 17 Tage und 103 Wahlgänge hin. Kompromisskandidat John W. Davis verlor dann klar gegen den Republikaner Calvin Coolidge.

Von Michael Wittler

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