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Terrorangst: Touristen meiden Istanbul

Istanbul Terrorangst: Touristen meiden Istanbul

Millionen Urlauber haben sich von der Magie der Bosporus-Metropole verzaubern lassen: Nun überwiegt die Terror-Angst, und Besucher aus dem Westen bleiben aus — mit Folgen.

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Großer Basar: Im 550 Jahre alten Einkaufszentrum gibt es 3500 Läden.

Istanbul. Die langen Touristen-Schlangen vor der Hagia Sophia sind verschwunden, der Istanbuler Kreuzfahrthafen ist weitgehend verwaist, Hotels klagen trotz hoher Rabatte über miserable Auslastung. Noch im vergangenen Jahr sagte die Kreditkartenfirma Mastercard voraus, bei gleichbleibendem Wachstum werde die türkische Millionenmetropole vor Ende des Jahrzehnts mehr ausländische Besucher anziehen als Paris. Vor allem die Anschläge auf Touristen in Istanbul sorgen nun aber dafür, dass westliche Urlauber der Stadt fernbleiben.

LN-Bild

Millionen Urlauber haben sich von der Magie der Bosporus-Metropole verzaubern lassen: Nun überwiegt die Terror-Angst, und Besucher aus dem Westen bleiben aus — mit Folgen.

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Kadir Akkus hat lange von diesem Boom profitiert. Vor gut sechs Jahren zog der in Deutschland aufgewachsene Bauingenieur von Köln nach Istanbul. Zusammen mit einem Freund gründete der 38-jährige Türke eine Firma, die Ferienwohnungen an Touristen vermietet. „Die ersten Jahre waren super“, sagt Akkus. Aus sechs Wohnungen wurden 15, das Geschäft brummte. Doch seit vergangenem Sommer eskaliert die Gewalt in der Türkei. Für das Istanbuler Tourismusgeschäft verheerend waren Selbstmordanschläge im Januar und März, bei denen zwölf Deutsche, drei Israelis und ein Iraner in der Stadt getötet wurden. Für die Anschläge macht die Regierung die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich. Auch die kurdische Terrorgruppe TAK — die im Februar und März schwere Anschläge in Ankara verübte — hat gedroht, Touristen anzugreifen.

Die Folgen schlagen auch statistisch schwer zu Buche. Im März kamen im Vergleich zum Vorjahresmonat 17,17 Prozent weniger Besucher aus Deutschland, die aber mit gut 230000 Gästen weiter die größte Gruppe an Ausländern stellen. Nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets sank aber die Zahl der russischen Touristen noch stärker: Sie ging um fast 59 Prozent auf nun nur noch knapp 24

000 zurück. Insgesamt sank die Zahl der Auslands-Besucher im März gegenüber dem Vorjahr um 12,84 Prozent.

Wegen Terrorhinweisen wurden im März das deutsche Generalkonsulat und die deutsche Schule in Istanbul vorübergehend geschlossen. Die USA melden „glaubwürdige Hinweise“ auf drohenden Terror, Israel rief Türkei-Urlauber zur „frühestmöglichen“ Ausreise aus dem Land auf. Bereits nach dem Anschlag in Istanbul im Januar hatte der weltgrößte Reisekonzern Tui einen Buchungsrückgang für die Türkei um 40 Prozent gemeldet.

„Jetzt ist der Markt total eingebrochen“, sagt Akkus zum Geschäft mit den Ferienwohnungen. „Letztes Jahr um diese Zeit hatten wir 30 bis 40 Anfragen am Tag, was für ein kleines Geschäft wie unseres eine große Nummer ist. Wir waren drei Monate im Voraus ausgebucht. Jetzt bekommen wir zwei bis drei Anfragen pro Woche, also eigentlich gar nichts mehr, obwohl wir die Preise halbiert haben.“

Auf dem Istanbuler Gewürzbasar übt sich ein Verkäufer in Galgenhumor. „Wir haben alles außer Kunden“, ruft er. Sein Chef sagt, seine Umsätze seien um mehr als ein Drittel eingebrochent. Ein anderer Ladenbesitzer sagt, er betreibe sein Geschäft seit mehr als zwei Jahrzehnten. „Noch nie lief es so schlecht wie jetzt.“

Akkus macht mehrere Faktoren verantwortlich dafür, warum die Besucher aus dem Westen aus- und seine Wohnungen leer bleiben. „Das schlechte Image von (Präsident Recep Tayyip) Erdogan ist sicherlich mit ein Punkt“, sagt Akkus. Auch die extrem negative Berichterstattung über die Türkei trage dazu bei. „Die Regierung wird angegriffen. Aber die Menschen leiden, auch wenn sie gegen die Regierung sind. Ich kann verstehen, dass berichtet wird. Aber verglichen mit Brüssel oder Paris fehlt mir ein bisschen die Solidarität der Menschen im Westen.“

Akkus überlegt nun, seine Firma zu schließen. Für fünf Angestellte würde das Kündigung bedeuten. „Aber selbst wenn es zwei Jahre ruhig bleiben sollte: Wenn dann wieder etwas passiert, fallen wir in dasselbe Loch zurück. Das Fundament ist zu bröckelig, als dass ich meine Existenz darauf gründen kann.“

Mittelpunkt und Metropole am Bosporus

Istanbul , früher auch als Konstantinopel bekannt und als Byzantion sechs Jahrhunderte vor Beginn unserer Zeitrechnung gegründet, gehört mit knapp 15 Millionen Einwohnern zu den größten Metropolregionen der Welt. Die bevölkerungsreichste Stadt der Türkei liegt zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer und sowohl auf europäischem als auch auf asiatischem Boden und an der Schnittstelle zwischen großen Handelsströmen und großen Weltreligionen und Kulturen. 85 000 der noch verbliebenen rund 100 000 meist orthodoxen Christen der Türkei leben hier, außerdem noch rund 22 000 Juden, deren Vorfahren hier einst vom Sultan Asyl vor der Verfolgung in Spanien erhielten. Die historische Altstadt ist Unesco-Weltkulturerbe.

Von Can Merey

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