Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Terrorangst statt Urlaubstrubel

Antalya Terrorangst statt Urlaubstrubel

Leere Hotels, leere Strände: An der türkischen Riviera hinterlassen die Anschläge tiefe Spuren.

Voriger Artikel
Französischer Ex-Regierungschef Rocard ist tot
Nächster Artikel
Schäuble droht EU-Kommission mit Vorangehen der Regierungen

August 2010: Der beliebte Strand Konyaalti in besseren Zeiten. Vor allem bei russischen und deutschen Touristen ist die türkische Riviera als Urlaubsziel sehr begehrt gewesen.

Quelle: Fotos: Dpa

Antalya. . Die Kampfansage ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Die Türkei werde die Samthandschuhe ausziehen, kündigte Präsident Recep Tayyip Erdogan vor einem Vierteljahr an – und mit der „Eisenfaust auf die Köpfe der Terroristen“ einschlagen. Doch die Terroristen schlagen zurück – mit Bomben in türkischen Metropolen, die in immer schnellerem Takt detonieren. Mit dem Angriff eines Selbstmordkommandos auf den Atatürk-Flughafen in Istanbul hat der Terror eine neue Dimension erreicht – das hat gravierende Auswirkungen auf den Tourismus.

LN-Bild

Leere Hotels, leere Strände: An der türkischen Riviera hinterlassen die Anschläge tiefe Spuren.

Zur Bildergalerie

Vor der Wassersportanlage an der türkischen Riviera dümpeln zwei Jetski und Motorboote im türkisblauen Wasser. Mehrere Kanus liegen unbenutzt am Strand. Es ist Mittag, die Sonne brennt, und Mehmet Tekerek hat noch keinen einzigen Euro verdient: „Dieses Jahr ist die reinste Katastrophe. Es sind keine Touristen da.“ Seit 15 Jahren sei er im Geschäft – aber so eine schlechte Saison habe er noch nie erlebt. Tekerek hat sein T-Shirt ausgezogen und sitzt in Shorts auf einem Drehstuhl. Von hier aus hat er einen guten Blick über den Strand, der bis auf einige Urlauber leer ist. Ein Luftballonverkäufer versucht sein Glück und stapft durch den Sand.

Dabei ist Konyaalti einer der bekanntesten Strände in Antalya. Normalerweise tummeln sich hier Urlauber aus Russland, Deutschland und anderen Ländern Europas. Doch dieses Jahr steckt der Tourismus in der Türkei in einer schweren Krise. Im Bezirk Belek protestierten erst kürzlich Gewerbetreibende, weil sie wegen der Flaute ihre Mieten und Kredite nicht mehr zahlen können.

Schon Ende des vergangenen Jahres blieben Besucher aus Russland weg,  nachdem Präsident Wladimir Putin wegen des Abschusses eines Kampfflugzeuges Sanktionen gegen die Türkei beschlossen hatte.

Auch Anschläge der Terrormiliz IS auf Touristen in Istanbul verunsicherten viele. Die Konsequenz dieser Unsicherheit lässt sich an der Statistik ablesen. Laut dem türkischen Tourismus-Ministerium ist die Zahl der Besucher, die im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat ins Land kamen, um 22,9 Prozent gesunken.

Betrachtet man die Region Antalya, wo die Menschen hauptsächlich vom Tourismus leben, sind die Zahlen noch dramatischer. Türkische Medien berichten, in den ersten zwei Juni-Wochen seien rund 59 Prozent weniger Besucher angekommen – 45 Prozent weniger Deutsche, fast keine Russen. „Schwarzer Juni“ titelten  denn auch die Zeitungen.

Für Wassersportbetreiber Tekerek bedeuten diese Zahlen die drohende Pleite. 2015 habe er  etwa 500 Euro am Tag verdient. Nun seien es mal 100 Euro – und manchmal komme überhaupt kein Geld rein. Er zählt seine Ausgaben auf: Miete für den Liegeplatz, Steuern, Gehalt und Versicherung für seine Mitarbeiter. Von fünf Angestellten habe er vor Saisonbeginn zwei entlassen müssen.

Mit dem Geld vom Sommer müsse er eigentlich noch über den Winter kommen.

Schuld an der Misere ist seiner Meinung nach eine falsche Politik. „Ständig explodiert irgendetwas, und die Außenbeziehungen sind auch schlecht.“ Viele der Urlauber, die hier sind, gelten schon als Stammgäste. Reiseführer Simsek sagt, die Stammgäste hätten ohnehin keine Angst. Es gelte, diejenigen zu überzeugen, die die Türkei noch nicht kennen, meint er in fließendem Deutsch. Trotz der schlechten Aussichten will er positiv bleiben: „Nächste Saison wird sich garantiert was ändern. Die, die jetzt in Spanien oder Italien Urlaub machen – die werden die Freundlichkeit der Türken vermissen.“

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Politik im Rest der Welt
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. Klicken Sie hier, um die Galerie für den Dezember 2017 zu sehen!

Lübeck zahlt Studenten künftig 100 Euro Begrüßungsgeld. Eine gute Idee?

  • Hochzeitszauber
    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informationen und kompetente Ansprechpartner in und um Lübeck für Ihre Traumhochzeit.

    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informat... mehr

  • Reisetipps
    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber.

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Events & Veranstaltungen
    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe.

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Lifestyle

    Unser Lifestyle-Portal mit nützlichen News und Tipps: Informieren Sie sich über Mode, Beauty und aktuelle Trends. Mehr Schwung, mehr Spaß... mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.

TV-Vorschau

Unsere Kolumne zeigt, wo sich das Einschalten lohnt.

Sonntagsreden

Von Börse bis Fußballplatz - Blogs unserer "Edelfedern".

Kreuzwort

Auch online wartet täglich ein neues Rätsel auf Sie. Jetzt rätseln!

Sudoku

Bleiben Sie geistig aktiv – mit japanischem Gehirnjogging.

24. Juli 2017 - Alev Doğan in Allgemein

Es gibt eine Wahrheit, vor der auch ich mich schon lange drücke. Eine, die auszusprechen weh tut: Um die Türkei steht es im Moment nicht gut. Ach was, um die Türkei steht es im Moment miserabel.

mehr