Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Politik im Rest der Welt Terrorverdacht gegen 15-Jährige in Hannover erhärtet sich
Nachrichten Politik Politik im Rest der Welt Terrorverdacht gegen 15-Jährige in Hannover erhärtet sich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:32 16.04.2016
Anzeige
Karlsruhe/Hannover

Der Messerangriff einer 15-Jährigen auf einen Polizisten in Hannover hatte nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft einen terroristischen Hintergrund.

Das Mädchen sei dringend verdächtig, den Mann Ende Februar bei einer Kontrolle am Hauptbahnhof mit einem Gemüsemesser lebensgefährlich verletzt zu haben, weil sie ihn als Repräsentanten der ihr verhassten Bundesrepublik töten wollte. Das teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit.

Die Behörde erwirkte beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes einen Haftbefehl wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung.

Die Deutsch-Marokkanerin Safia S. sitzt in Untersuchungshaft, seit sie dem Bundespolizisten am 26. Februar bei einer Personenkontrolle unvermittelt das Messer in den Hals gerammt hatte. Der 34-Jährige erlitt eine zunächst lebensbedrohliche Stichwunde. Ein anderer Polizist konnte das Mädchen überwältigen.

Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft hatte sich die 15-Jährige spätestens im November 2015 das Gedankengut der Terrormiliz Islamischer Staat zu eigen gemacht. Über einen Internetnachrichtendienst stand sie in Kontakt zu einem IS-Kämpfer in Syrien. Im Januar flog die Gymnasiastin nach Istanbul, um sich dem IS anzuschließen. Bevor ihr der Grenzübertritt nach Syrien gelang, wurde die Jugendliche von ihrer Mutter nach Hannover zurückgeholt.

Allerdings hatte sich Safia S. noch in Istanbul - so die Erkenntnisse der Terrorermittler - von IS-Mitgliedern überzeugen lassen, in Deutschland eine „Märtyreroperation“ für den IS auszuführen. Nach der Attacke in Hannover hatte Safia S. in ihrer polizeilichen Vernehmung zunächst gesagt, sie habe aus Ärger über die Ausweiskontrolle zugestochen. In einem aus der Untersuchungshaft geschriebenen Brief entschuldigte sie sich bei dem Beamten.

Bereits kurz nach der Attacke war ein islamistischer Hintergrund vermutet worden - auch weil die Jugendliche schon im Grundschulalter Kontakt zu Salafisten hatte. Videos im Internet zeigen die damals Siebenjährige an der Seite des Predigers Pierre Vogel.

Die Messerattacke wird in Niedersachsen wahrscheinlich ein politisches Nachspiel haben. Bei einer Sondersitzung am 4. Mai will der Landtag in Hannover über die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses entscheiden. Das von CDU und FDP beantragte Gremium soll mögliche Sicherheitslücken bei der Abwehr islamistischer Gefahren untersuchen, wie das Landtagspräsidium am Freitag in Hannover bekanntgab.

Für die Einsetzung des Untersuchungsausschusses muss im Landtag ein Fünftel der Abgeordneten stimmen - dies sind nach derzeitigem Stand 28 Abgeordnete. Da CDU und FDP gemeinsam 68 Parlamentarier stellen, kann der Ausschuss nicht der rot-grünen Regierungskoalition verhindert werden.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Zahl der freiwilligen Ausreisen steigt. In den ersten drei Monaten des Jahres haben fast 14 100 ausreisepflichtige Ausländer freiwillig die Bundesrepublik verlassen, ...

16.04.2016

Im diplomatisch heiklen Fall Jan Böhmermann ist der Weg für ein gesondertes Strafverfahren gegen ihn wegen seines „Schmähgedichts“ über den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan frei. Hier finden Sie die Debatte auf Facebook dazu.

15.04.2016

Im Fall des Messerangriffs einer 15-jährigen Deutsch-Marokkanerin auf einen Bundespolizisten in Hannover erhärten sich die Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund.

15.04.2016
Anzeige