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Politik im Rest der Welt Thierse — unbequemer Mahner tritt von Bühne ab
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22:34 21.10.2013
Wolfgang Thierse (SPD)
Berlin

Der Zufall hat es so gewollt, dass der langjährige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse ausgerechnet am Tag der Konstituierung des 18. Deutschen Bundestages 70 Jahre alt wird. Thierse und das deutsche Parlament — das war mehr als zwei Jahrzehnte fast zu einer untrennbaren Einheit verschmolzen. Sieben Jahre lang war er Präsident und damit der Verfassung nach der zweite Mann im Staate. Weitere acht Jahre wirkte er als Vize-Präsident. Seine Präsidentschaft wird von allem Fraktionen als fair und moderat gelobt. Auch wenn es in der Union mal einige Verstimmung gab, als Thierse im Zuge der Kohlschen Parteispenden-Affäre eine drakonische Geldstrafe gegen die CDU verhängte. Aber auch die war nach Recht und Gesetz zustande gekommen.

Das heutige Jubiläum des in Breslau geborenen SPD-Politikers ist jedoch zugleich sein Abschied aus der aktiven Politik. Thierse war von den eigenen Genossen der Basis in Berlin Prenzlauer Berg/Pankow nicht mehr für den Bundestag nominiert worden. Den Rückzug von der großen politischen Bühne nimmt er dennoch gelassen. „Ich habe mich die vergangenen 24 Jahre immer wieder daran erinnert, dass das politische Mandat eines auf Zeit ist. Man darf sich nicht zu sehr an die Wichtigkeit des Amtes gewöhnen“, sagte Thierse vor wenigen Monaten.

Seine Rolle als unbequemer Mahner wird der bärtige SPD-Politiker, der in der DDR Kulturwissenschaftler war und im Züge der Ausbürgerung des Sängers Wolf Biermann in Ungnade gefallen war, wohl auch ohne Bundestagsamt weiterhin ausfüllen. 1989 trat Thierse zunächst dem Neuen Forum bei, wurde jedoch Anfang 1990 SPD-Mitglied. Nach dem Rücktritt des Stasi-Spitzels Ibrahim Böhme an der Spitze der neuen Partei war Thierse bis zum Vereinigungsparteitag im September 1990 Vorsitzender der Ost-SPD. Als „Sprachrohr des Ostens“, als Interessenvertreter der Menschen zwischen der Insel Rügen und dem Erzgebirge, machte Thierse immer wieder Schlagzeilen. So warnte er vor über zehn Jahren, der „Osten steht auf der Kippe“. In der Folge wurde der Solidarpakt II beschlossen, der den neuen Ländern eine sichere Förderung bis 2019 brachte. Auch wenn es bei Renten und Löhnen immer noch Ost-West-Unterschiede gebe, sei die Einheit „zum großen Teil“ geglückt, bilanziert Thierse.

Reinhard Zweigler

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