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Tortenangriff auf Sahra Wagenknecht

Magdeburg Tortenangriff auf Sahra Wagenknecht

Eklat zum Parteitagsstart: Die Fraktionschefin der Linken bekam eine Torte ins Gesicht.

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Direkt ins Gesicht: Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht sitzt in der ersten Reihe – und wird mit einer Torte angegriffen.

Quelle: Fotos: H. Schmidt/dpa

Magdeburg. Der Wurf eines Schokolade-Sahne-Produktes einer Initiative „Torten für Menschenfeinde“ ins Gesicht von Sahra Wagenknecht beendete um 11.32 Uhr vorläufig die parteiinterne Zustandsdebatte. Diese hatte im Vorfeld der Alt-Linke Gregor Gysi mit seiner Klage provoziert, wonach die eigene Partei „saft- und kraftlos“ sei. Tortenwurf und Flugzettel sollten nun auf dem Magdeburger Parteitag der Linken zum Ausdruck bringen, dass Wagenknecht das „ideologische Gesicht“ einer gegenüber Flüchtlingen unfreundlichen Gesellschaft sei, deren Protestunterbau die AfD darstelle. Dieser Vergleich der Attentäter, so gestand Sahra Wagenknecht ein, habe sie viel mehr verletzt als das Schokosahne-Geschoss.

LN-Bild

Eklat zum Parteitagsstart: Die Fraktionschefin der Linken bekam eine Torte ins Gesicht.

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Die Bundestagsfraktionsvorsitzende der Linken und Ehefrau des früheren Attentatsopfers Oskar Lafontaine war nach dem Vorfall mit Blaulicht und Polizeischutz vorübergehend in ihr Hotel gebracht worden. Es folgte dort unter anderem telefonisch eine Einstimmung des an diesem Wochenende getrennt agierenden Ehepaars Wagenknecht/Lafontaine auf die neue ernste Lage. Gesundheitliche Schäden beklagte die Betroffene nicht. Drei Stunden später zeigte sie sich erneut den Delegierten.

Während der Angriffssituation wirkten die im Hintergrund agierenden Personenschützer vom Bundeskriminalamt recht passiv. Anschließend herrschte verstärkte Anspannung. Auch vor der Stylisten- Kabine der Linkspartei, in der am Nachmittag die Geschädigte ihren Wiedereinzug in die Messehalle auch optisch – neben einem Kostümwechsel von rot auf anthrazit – vorbereiten ließ, standen nun Personenschützer und aufgeregte Ordner bereit.

Noch drei Tage vor dem Treffen hatte Linken-Chefin Katja Kipping, die gestern Abend zusammen mit Bernd Riexinger für weitere zwei Jahre als Parteivorsitze bestätigt wurde, die linke Protestbewegung aufgefordert, sie müsse „widerständischer“ werden.

Zwischenzeitlich fand der Parteitag der Linken auf dem Magdeburger Messegelände nach einer kurzen Pause hektischer Aufregung zu einer kämpferischen Solidaritätserklärung für das Anschlagsopfer zusammen. Die Parteivorsitzende Kipping, in der internen Flüchtlingsdebatte auf starkem Gegenkurs zu Wagenknecht, versicherte unter dem rhythmischen Beifall der über 600 Delegierten: „Das war nicht nur ein Angriff auf Sahra, das war ein Angriff auf uns alle.“ Die Geschädigte sei immer entschieden „gegen die Verstümmelung des Asylrechts“ aufgetreten.

Co-Bundestagsfraktionschef Dietmar Bartsch, koalitions- und realpolitisch ein Gegenspieler zum Tortenwurf-Opfer, versicherte, er sei „erschüttert“, dass angebliche Menschenfreunde, Männer zumal, anderen eine Torte ins Gesicht schmissen. „Das ist brutal, asozial.“ Sahra Wagenknecht gebühre „die Solidarität des gesamten Parteitages“. Sie habe sich über die echte linke Solidarität „sehr gefreut“, erklärte Wagenknecht. Über eine Strafanzeige will sie noch nachdenken.

Dass nicht nur Pokalspiele im Fußball, sondern auch Parteitage ihre eigenen Gesetze haben, zeigte sich in Magdeburg. Mit missverständlichen Bemerkungen über Flüchtlings-Obergrenzen und verbrauchtes Gastrecht hatte die einstige Linken-Ikone heftigen Gegenwind provoziert. Dieser war nicht weniger geworden, als aus Saarbrücken via Interview Lafontaine sich ausdrücklich zur Asylrechts-Einschränkung der früheren rot-grünen Bundesregierung bekannte.

Bereits vor drei Monaten hatte eine sogenannte Clown-Gruppe der AfD-Aktivistin Beatrix von Storch nach umstrittenen Äußerungen zum Schießbefehl an der deutschen Flüchtlingsgrenze einen Tortenanschlag durchgeführt.

Der damalige Oberbürgermeister von Kiel, Torsten Albig (SPD), bekam 2011 auf einer Veranstaltung im Kieler Wissenschaftszentrum eine Torte ins Gesicht. Albig verzichtete auf eine Anzeige.

VIER FRAGEN AN...

1 Herr Riexinger, ist mit dem Tortenwurf von Magdeburg Sahra Wagenknecht endgültig zur Märtyrerin und Ikone der Linken aufgestiegen? Darum geht es nicht. Politische Auseinandersetzung kann man nicht mit Tortenwürfen führen, schon gar nicht ein Mann einer Frau gegenüber. Völlig klar, dass wir uns vor Sahra stellen.

2 Stärkt das die politische Rolle von Sahra Wagenknecht? Sie hat eine starke Rolle und ist ein wichtiges Gesicht der Partei. Man hat auf dem Parteitag gesehen, die Leute stehen hinter ihr.

3 Muss die Linke sich angesichts von AfD und jüngsten Wahlschlappen neu erfinden? Nein. Unsere Themen, insbesondere im Sozialbereich, stehen auf der Agenda. Richtig ist, dass unser soziales Profil noch weiter geschärft werden muss. Es wurde unterschätzt, was die Sozialpolitik in den letzten Jahren tatsächlich angerichtet hat. Jetzt geht es um glaubwürdige Lösungsvorschläge. Die Linke muss näher an die Menschen ran gehen. Das hat uns früher stark gemacht, gerade auch im Osten.

4 Die Linke träumt von einem linken Lager aus SPD, Grünen und Linkspartei in Deutschland. Wäre es nützlich, wenn ein prominenter Gewerkschaftsführer, beispielsweise Frank Bsirske, vor der Wahl einen Runden Tisch einrichtet, um lagerbildend zwischen SPD, Grünen und Linken zu wirken? Es wäre hilfreich. Die Gewerkschaften haben von der Großen Koalition nichts mehr zu erwarten. Es wäre wichtig, dass sich die Gewerkschaften an die Spitze einer Bewegung für eine Gerechtigkeitswende setzen. Sie müssten sagen, wir verlangen von SPD, Grünen und auch von der Linken, dass ihr euch zusammentut, um etwas zu bewegen. Von seiner politischen Einstellung her wäre Frank Bsirske einer, der auf der Seite einer solchen linken Wende stünde. Interview: D. Wonka

Dieter Wonka

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