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Politik im Rest der Welt Tote bei Feuergefecht von Armee und Mursi-Anhängern
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02:25 06.07.2013
Demonstranten bergen einen Verletzten nach Zusammenstößen mit dem Militär. Quelle: dpa
Kairo

Blutiger „Freitag der Ablehnung“ in Ägypten: Bei Massenprotesten der Islamisten gegen den Sturz ihres Präsidenten Mohammed Mursi hat die Armee gestern mindestens zwei Demonstranten erschossen. Zehntausende waren nach dem Mittagsgebet in Kairo und anderen Städten gegen den „Militärputsch“ auf die Straße gegangen. Der ägyptische Übergangspräsident Adli Mansur löste mit einer seiner ersten Weisungen das Parlament auf.

„Wir werden ihn (Mursi) auf unseren Schultern tragend (ins Amt) zurückbringen“, rief Mohammed Badia, der Führer der Muslimbruderschaft, Zehntausenden Anhängern in Kairo zu. „Wir werden für ihn unsere Seelen opfern.“

Als Demonstranten vor den Sitz der Republikanischen Garden marschierten, wo Mursi angeblich festgehalten wird, eröffneten die Soldaten das Feuer. Mehrere Menschen wurden nach Angaben der Muslimbruderschaft verletzt. Sie hatte zu den Protesten aufgerufen. Sicherheitskreise in Kairo bestätigten fünf tote Demonstranten acht Verletzte in der Hauptstadt, landesweit war von sechs Todesopfern die Rede. Zu Zusammenstößen zwischen Mursi- Anhängern und -Gegnern kam es in der Nildelta-Provinz Baheira und in Al-Arisch auf dem Sinai.

Auf der Halbinsel Sinai griffen militante Islamisten in der Nacht zum Freitag fünf Armeekontrollpunkte mit Gewehren und Panzerfäusten an. Ein Soldat wurde getötet, drei weitere verletzt. Zunächst war nicht klar, ob die Attacken im Zusammenhang mit dem Sturz Mursis standen.

Die landesweiten Proteste der Islamisten waren zunächst friedlich verlaufen. Die Menschen riefen: „Mursi ist der Präsident!“ Sie machten ihrer Wut darüber Luft, dass der erste frei gewählte Präsident in der Geschichte Ägyptens aus ihrer Sicht willkürlich entmachtet wurde. Die größte Kundgebung fand vor der Rabia-al-Adawija-Moschee in der Kairoer Vorstadt Nasr City statt. Tausende Menschen strömten auch in Alexandria, Luxor und Damanhur im Nildelta zusammen. Das Militär hatte von vornherein klargemacht, dass es durchgreifen werde, sollten die Demonstrationen aus dem Ruder laufen.In einer in der Nacht zum Freitag verbreiteten Erklärung rief der Oberste Militärrat die Ägypter auf, Ruhe zu bewahren und ihr Recht auf Demonstrationen nicht über Gebühr zu beanspruchen.

Die Afrikanische Union (AU) schloss Ägypten wegen des Umsturzes aus ihren Reihen aus. Der Machtwechsel in Kairo „entspreche nicht der Verfassung Ägyptens“, lautete die Begründung des AU-Sicherheitsrates am Freitag in Addis Abeba.

Das Freitagsgebet der Muslime
Der Freitag ist Versammlungstag aller islamischen Gemeinden. Der Besuch des Freitagsgebetes in einer Moschee ist Pflicht für jeden männlichen, gesunden Muslim im Erwachsenenalter. Der Koran verlangt in Sure 62, Vers 9: „Oh Gläubige, wenn am Freitag zum Gebet gerufen wird, dann eilt zum Gedächtnis Allahs und lasst das Kaufgeschäft ruhen.“ Der Freitag soll als Versammlungstag gewählt worden sein, weil er auch Markttag war.


Die Gebete werden ergänzt durch die Predigt eines Imams (Vorbeters). Soziale und politische Themen bestimmen den zweiten Teil. Während des Arabischen Frühlings 2011 war das Gebet oft Signal für Demonstrationen der Teilnehmer.

LN

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