Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Politik im Rest der Welt Treibhausklima: Zentralasien droht auszutrocknen
Nachrichten Politik Politik im Rest der Welt Treibhausklima: Zentralasien droht auszutrocknen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:27 31.12.2015

Der Anstieg des Meeresspiegels und die Überflutung ganzer Inselreiche und Küstenregionen ist die Gefahr, auf die im Kontext der Pariser UN-Klimakonferenz Anfang Dezember am häufigsten hingewiesen wurde. Für die Menschen in küstenfernen Ländern kann das Abschmelzen der Gletscher durch die Klimaerwärmung ähnlich katastrophale Folgen haben. Zu diesen Opfern gehören die zentralasiatischen Länder Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan und Teile des autonomen Gebiets Xinjiang im Westen Chinas.

Ihr wichtigstes Wasserreservoir sind die Gletscher des größten zentralasiatischen Gebirgsmassivs Tian Shan, nördlich des Himalaya gelegen und mit über 7000 Meter aufragenden Gipfeln. Aber auch diese Gletscher schmelzen in den immer wärmeren Sommern dahin. Ihre Eismassen sind seit 1965 um mehr als ein Viertel geschrumpft. Sie verlieren jährlich etwa 5,4 Milliarden Tonnen Eis. Das entspreche einer Wassermenge, die doppelt so hoch sei wie der jährliche Trinkwasserverbrauch in Deutschland.

Das berichtet das Deutsche Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam, nachdem ein internationales Forscherteam unter Leitung von Wissenschaftlern des GFZ das nördlich des Himalaya gelegene Gebirge besucht und die Eismassen vieler Gletscher vermessen hat. GFZ-Wissenschaftler Daniel Farinotti und seine Kollegen stellten jetzt in der Online-Ausgabe der Zeitschrift Nature Geoscience eine Rekonstruktion der Gletscherentwicklung in dem Gebirge vor.

„Wir konnten die Entwicklung jedes einzelnen Gletschers im Tian Shan nachvollziehen“, so Farinotti, der Hauptautor der Studie.

Schmelzwasser von den Gletschern des Tian Shan sei für Kasachstan, Kirgistan und Usbekistan, aber auch für Teile Chinas von entscheidender Bedeutung. In diesen Regionen falle im Sommer monatelang kein Niederschlag, schreibt das GFZ. Die lokale Wasserversorgung der Felder und Weideflächen und damit das Nahrungsangebot für Mensch und Tier hänge vom zur Verfügung stehenden Schmelzwasser ab.

Für Farotti kann der Gletscherschwund „klar dem generellen Temperaturanstieg zugeschrieben werden“. Eines der Resultate der Studie zeige nämlich, wie der Anstieg der Temperatur, und insbesondere der Sommertemperatur, die primäre Ursache für die Gletscherentwicklung der Region ist.

„Da die Wintermonate sehr trocken und die Berge sehr hoch sind, erhalten die Gletscher den meisten Schneefall während des Sommerhalbjahres“, erläutert Farinotti. „Dies bedeutet, dass ein Anstieg der Temperatur im Sommer sowohl zu einem verstärkten Abschmelzen als auch zu einer verminderten ‚Gletschernährung‘ führt — und beides unterstützt den Gletscherschwund.“

Die Autoren präsentieren auch einen ersten Ausblick für die künftige Entwicklung: Stiegen die Temperaturen im Sommer in der Periode 2021 bis 2050 um zusätzliche zwei Grad, wie in den neuesten zur Verfügung stehenden Klimaszenarien prognostiziert, dann könnte bis in die 2050er Jahre die Hälfte des Gletschereises im Tian Shan verschwunden sein.

RW

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

. Die Rekorddürre in Kalifornien bedroht einer neuen Studie zufolge fast 60 Millionen große Bäume in dem US-Staat.

31.12.2015

Erstmals besucht ein amtierender US-Präsident die Industrie-Schau.

31.12.2015

Wann muss das Parlament Auslandseinsätzen der Bundeswehr zustimmen? — Fragen und Antworten.

31.12.2015
Anzeige