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Politik im Rest der Welt Trump schlägt auf einmal sanfte Töne im Handelsstreit an
Nachrichten Politik Politik im Rest der Welt Trump schlägt auf einmal sanfte Töne im Handelsstreit an
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06:46 26.07.2018
EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker (l.) und US-Präsident Donald Trump. Quelle: dpa
Washington

Die düstere Tonlage war nicht zu überhören. Im Vorfeld des Spitzentreffens hatte es weder in Brüssel noch in Washington eine ernsthafte Hoffnung auf eine Lösung im Handelsstreit gegeben. Die Positionen schienen allzu verfestigt, als dass mit einer schnellen Lösung zu rechnen war.

Umso überraschter zeigen sich nun Amerikaner und Europäer gleichermaßen, dass sich die tiefen Gräben so schnell überwinden ließen. In einer eilig einberufenen Pressekonferenz schwärmte Donald Trump in Washington von der Größe des gemeinsamen Wirtschaftsraumes und von einem neuen Kapitel in den transatlantischen Beziehungen. Die Partner müssten gemeinsam dafür arbeiten, Industriezölle, jegliche Handelshindernisse und Subventionen abzuschaffen. Noch wenige Stunden zuvor hatte Trump via Twitter mit zusätzlichen Strafzöllen gedroht.

Überraschende Kehrtwende Trumps

Ganz offensichtlich hatte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker seinen Gesprächspartner mit gewissen Zugeständnissen gelockt: Die EU könnte die Menge an Sojabohnen, die importiert werden, spürbar erhöhen und – politisch überaus brisant – den europäischen Markt für US-Flüssiggas stärker öffnen. Die Diversifizierung des Energiemarktes sei durchaus im europäischen Interesse, hob Juncker hervor – wohlwissend, dass die geplante zweite Nordstream-Pipeline durch die Ostsee auch in Zukunft für Zündstoff sorgt.

Als umso erstaunlicher bewerten Beobachter in Washington die Kehrtwende Trumps: Der Präsident, der noch kurz vor der Begegnung mit dem Gast aus Brüssel von der Wirkung der Strafzölle geschwärmt hatte, vollzog - zumindest für diesen Moment – eine Kehrtwende. Trump sprach von einer neuen Phase in den Beziehungen zur Europäischen Union – einer Phase enger Freundschaft und starker Handelsbeziehungen, in der beide Seiten gewinnen würden.

Wirtschaft wegen Strafzöllen unter Druck

Bei genauerem Hinsehen erscheint der trumpsche Zickzackkurs durchaus schlüssig: Die Folgen der neuen Strafzölle bekommen die Amerikaner immer deutlicher zu spüren. Erst am Dienstag hatte das Weiße Haus ein zwölf Milliarden Dollar schweres Hilfsprogramm für Landwirte im Mittleren Westen bekanntgegeben. Die US-Regierung weiß: Der Handelsstreit mit China bekommt den Bauern im Mittleren Westen teuer zu stehen. Immer mehr Landwirte sehen sich in ihrer Existenz bedroht, da China Vergeltungssteuern auf Sojabohnen erhebt.

Kurioserweise hatte Trump genau in diesen ländlichen Regionen bisher von den Auswirkungen der Strafzölle geschwärmt. Die Begeisterung über die Handelskriege ist vor Ort jedoch längst verflogen, zumal auch die US-Autohersteller kurz vor dem Spitzentreffen eine Gewinnwarnung veröffentlichten. Ford, GM und Chrysler leiden nach eigenen Angaben beim Stahl und Aluminium unter höheren Einkaufspreisen.

Neuwagen könnten im Durchschnitt bis zu 2000 Euro teurer werden

Handelskriege, das bewahrheitet sich in diesen Tagen einmal mehr, gehen langfristig auf Kosten aller Beteiligten. So legte das Peterson Institute for International Economics in Washington am vergangenen Freitag eine Studie vor, wonach die Preise für Neuwagen im Durchschnitt um 1200 bis 2000 Euro steigen würden, sollte Trump Strafzölle auf Importautos verhängen. Für einige Marken müssten die amerikanischen Verbraucher sogar fast 6000 Euro mehr pro Fahrzeug auf den Tisch legen. Zahlen, die offenbar auch das Weiße Haus beunruhigen.

Von Stefan Koch/RND

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