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US-Senat kritisiert Twitters Bericht zu Moskauer Propaganda

Einmischung in US-Wahlkampf US-Senat kritisiert Twitters Bericht zu Moskauer Propaganda

Bei der Aufarbeitung des Verdachts einer russischen Einmischung in den US-Wahlkampf stand Twitter bisher weniger im Fokus als Facebook. Nun fand der Kurznachrichten-Dienst Dutzende verdächtige Accounts. US-Abgeordneten gehen die Nachforschungen aber nicht tief genug.

Nach Facebook sind nun auch bei Twitter vermutlich aus Russland gesteuerte Profile gefunden worden.

Quelle: Matt Rourke

San Francisco. Die ersten Informationen von Twitter zur mutmaßlich russischen Propaganda auf der Plattform im amerikanischen Präsidentenwahlkampf sind im US-Senat als unzureichend kritisiert worden.

„Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass sie verstehen, wie ernst das Problem ist“, schrieb der Vizevorsitzende des Geheimdienstausschusses, Mark Warner, nachdem Twitter einen Bericht hinter verschlossenen Türen vorlegte.

Nach Facebook fand auch Twitter rund 200 mutmaßlich aus Russland gesteuerte Profile, die Stimmungsmache in den USA betrieben haben sollen. Der Kurznachrichtendienst entdeckte dabei zunächst 22 Accounts, die direkt zu den von Facebook ausgemachten rund 450 verdächtigen Profilen gehörten. Mit ihnen verbunden gewesen seien 179 weitere Twitter-Konten, teilte Twitter am späten Donnerstag mit.

Diejenigen von ihnen, die gegen Nutzungsregeln von Twitter verstießen, seien blockiert worden, hieß es ohne nähere Angaben zu den Zahlen. Unklar blieb, inwieweit Twitter mit seinen Untersuchungen über eine Prüfung im Umfeld der von Facebook gefundenen Profile hinausging. Auch deshalb bezeichnete Warner den Bericht von Twitter als enttäuschend und inadäquat.

Facebook hatte erklärt, 470 vermutlich aus Russland gelenkte Accounts hätten 3000 Anzeigen im Wert von 100 000 Dollar geschaltet, um die öffentliche Meinung in den USA zu manipulieren. Dabei sei es unter anderem um das Anheizen von Spannungen zwischen ethnischen und sozialen Gruppen gegangen.

Außerdem veröffentlichte Twitter Informationen zur Werbeaktivität des TV-Senders Russia Today, der als ein Sprachrohr für den Kreml im Westen gilt. Demnach kauften drei Profile von Russia Today im vergangenen Jahr bei Twitter Anzeigenplatz für gut 274 000 Dollar. Sie bewarben damit 1823 Twitter-Nachrichten, die auf den US-Markt gerichtet waren.

Dabei handelte es sich laut Twitter vor allem um Tweets mit Verweisen zu Nachrichtenbeiträgen von RT. Anzeigen bei Twitter funktionieren zum Beispiel so, dass man seine Tweets mehr Nutzern oder bestimmten Zielgruppen anzeigen lassen kann. Russia Today wird in den USA oft als Propaganda-Instrument Moskaus betrachtet.

Ausländische Einmischung in den Wahlkampf, die mit einer finanziellen Zuwendung vergleicht werden kann, ist in den USA grundsätzlich verboten. Die russische Regierung bestreitet, etwas mit den Kampagnen zu tun zu haben.

Noch in den vergangenen Tagen tauchten auf Twitter verdächtig wirkende Tweets auf, die die Kontroverse um das Niederknien einiger Spieler während der Nationalhymne aus Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus schürten. Dabei fiel auch eine Nachricht auf, bei der die Ortsmarke auf die russische Stadt Wladiwostok gesetzt war. Nach Angaben aus Kreisen der Online-Firmen passiert es gelegentlich, dass in Smartphone-Farmen von Spammern vergessen wird, die Ortungsfunktion auszuschalten.

Twitter betonte zugleich, man unternehme massive Anstrengungen, um die Plattform sauber zu halten. Weltweit entdeckten die automatisierten Systeme des Kurznachrichtendienstes 3,2 Millionen verdächtige Accounts pro Woche. Das seien doppelt so viele wie vor einem Jahr. Die Software könne am Verhalten erkennen, ob sie es mit menschlichen Twitter-Nutzern oder automatisierten Profilen zu tun habe.

Seit Juni würden täglich 130 000 Accounts entdeckt, die versuchten, die Listen von Trend-Themen zu manipulieren. Zugleich bleibt Twitter bei der bisherigen Schätzung, dass Bots nur etwa fünf Prozent der Profile ausmachen. Sie würden nicht in der Zahl monatlich aktiver Nutzer berücksichtigt, die zuletzt bei 330 Millionen lag.

dpa

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