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Politik im Rest der Welt Umweltgifte bedrohen 200 Millionen Menschen
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08:48 06.11.2013
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Zürich

Blei, Quecksilber oder Pestizide: Umweltgifte gefährden weltweit die Gesundheit von rund 200 Millionen Menschen. Das geht aus dem Umweltgiftreport 2013 der Schweizer Stiftung Green Cross hervor, der in Zürich präsentiert wurde.

Die zehn Orte, die am stärksten betroffen sind, liegen demnach in acht Ländern: Argentinien, Bangladesch, Ghana, Indonesien, Nigeria, Russland, Sambia und der Ukraine. So sind zum Beispiel die Bewohner im afrikanischen Niger-Delta dem Öl fast schutzlos ausgesetzt.

Die gesundheitlichen Auswirkungen der Schadstoffe sind nach Angaben der Umweltorganisation Green Cross etwa gleich hoch wie die von Aids, Tuberkulose und Malaria. „Weltweit entsteht jede fünfte Krebserkrankung wegen Umweltgiften oder Verschmutzungen“, sagte Jack Caravanos vom Blacksmith Institut. Die international tätige Non-Profit-Organisation hat ebenfalls an der Studie gearbeitet.

Deutlich dramatischer ist die Situation in Entwicklungsländern. Fast ein Viertel aller Todesfälle und mehr als 80 Prozent aller Krankheiten sind dort dem Report zufolge auf Umwelteinflüsse zurückzuführen. Besonders betroffen sind demnach Kinder, die etwa im ukrainischen Tschernobyl oft schon vor der Geburt geschädigt werden.

Russland ist gleich mit zwei Städten vertreten: Zwischen 1930 und 1998 wurden laut Report in Dserschinsk, einer Großstadt etwa 400 Kilometer östlich von Moskau, rund 300 000 Tonnen Chemie-Abfälle unsachgemäß abgelagert. Bis heute seien Umweltgifte wie das Nervengas Sarin, Blei oder Phenole nachweisbar. Die Lebenserwartung der rund 250 000 Bewohner liege zehn Jahre unter dem russischen Schnitt. Die sibirische Industriestadt Norilsk ist Green Cross zufolge durch Schwermetalle so stark verschmutzt, dass der Schnee dort schwarz ist.

„Wir müssen so schnell wie möglich handeln“, sagte Stephan Robinson vom Green Cross. Die richtige Entsorgung von Umweltgiften sei zwar anspruchsvoll, aber trotzdem wesentlich billiger als die Schäden im Nachhinein zu beseitigen. Der Kampf gegen Umweltverschmutzung sei nicht aussichtslos.

Falscher Umgang mit Schadstoffen wie Quecksilber, etwa in einer Elektromülldeponie im westafrikanischen Ghana oder im indonesischen Kalimantan, habe nämlich auch globale Auswirkungen. Das Gift gelange in die Atmosphäre: So könnte dann verseuchtes Sushi auch bei uns auf dem Teller landen, sagte Caravanos.

Schädliche Chemikalien, die einfach in die Umgebung fließen, stellten in Gerbereien in Bangladesch die größte Herausforderung dar. In Hazaribagh seien rund 185 000 Bewohner akut bedroht. Besonders gefährdet sind den Angaben zufolge Arbeiter, die praktisch ohne Schutz Chrom ausgesetzt sind.

„Letztendlich ist global ein enormer Geldbetrag nötig, aber auch mit kleinen Einsätzen kann eine Veränderung erzielt werden“, sagte Robinson. Internationale Konventionen könnten politisch Druck auf einzelne Länder ausüben, aber auch Bürgerproteste und Einzelinitiativen zu Verbesserungen führen.

Besonders positiv hervorzuheben seien die Bemühungen Indiens in den vergangenen Jahren. „Indien hat ein gewaltiges Interesse daran, die Situation zu verbessern“, meinte Robinson. 2006 und 2007 fanden sich noch indische Orte auf der Liste der am meisten verschmutzten Gegenden der Welt, doch das habe sich mit starker finanzieller Unterstützung der Regierung geändert.

dpa

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