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Politik im Rest der Welt „Die Leidtragenden werden die Schüler sein“
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05:01 13.08.2018
In Deutschland fehlen zum Schulstart zahlreiche Lehrkräfte Quelle: Axel Heimken/dpa

Herr Meidinger, Bildung ist eine der wichtigsten gesellschaftspolitischen Aufgaben der Zeit. Wie viele Lehrer fehlen in Deutschland zu Beginn des neuen Schuljahres?

Zählt man nur die derzeit tatsächlich nicht besetzten Stellen, kommt man auf rund 10.000 fehlende Lehrkräfte insbesondere an Grund-, Förder- und Berufsschulen. Wenn man aber die Stellen dazu zählt, die mit Quereinsteigern und Studenten beziehungsweise Pensionären besetzt sind und wird auch noch die fehlende Unterrichtsreserve berücksichtigt, dann kommt man auf rund 35.000 fehlende Lehrer in Deutschland.

Wann rechnen Sie mit einer personellen Entspannung?

Ich erwarte, dass man noch mehrere Jahre in vielen Bundesländern auf Notmaßnahmen angewiesen sein wird. Das bedeutet, dass weiterhin bisherige Qualitätsstandards bei Lehrerausbildung, Lehrereinstellung und Unterricht massiv unterlaufen werden. Die Leidtragenden werden die Schüler, wird eine ganze Schülergeneration sein.

Ab Januar 2019 soll für die Schulen das Geld aus dem von der Großen Koalition vereinbarten Digitalpakt bereitstehen. Insgesamt 5 Milliarden Euro, um den Anschluss an das digitale Zeitalter zu schaffen.

Bislang ist noch kein Euro geflossen. Ob das in diesem Schuljahr noch greift, das heißt bei den Schulen wirklich ankommt, bezweifle ich. Bis das Geld fließt, stehen die Kommunen und Länder noch auf der Investitionsbremse, um ja keine Fördermittel zu verpassen. Bislang ist das Ganze also ein Trauerspiel.

Zur Person

Heinz-Peter Meidinger, geboren am 30. September 1954 in Regensburg, ist Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Der Gymnasiallehrer für Deutsch, Geschichte, Sozialkunde und Philosophie war zuvor Bundesvorsitzender des Deutschen Philologenverbandes. Der Deutsche Lehrerverband hat etwa 160 000 Mitglieder und vertritt alle Bildungsbereiche.

Vereinbart hat die Große Koalition auch den Nationalen Bildungsrat.

Das wird eine Totgeburt. Angesichts der immer offenkundigeren Meinungsdifferenzen um die Zusammensetzung und die Kompetenzen zwischen Bund und Ländern kann da nichts Gutes und Lebendiges dabei rauskommen. Das wird ein großer Flop werden. Eigentlich wissen das alle, aber keiner gibt es zu.

Was brächte ein verpflichtendes soziales Jahr aus Sicht eines Pädagogen?

Ich begrüße Überlegungen, wie wir in der jungen Generation wieder mehr Orientierung am Gemeinwohl und mehr Engagement für die Gesellschaft erreichen können. Allerdings plädiere ich dafür, anstatt eines sozialen Pflichtjahrs für alle die Rahmenbedingungen für das FSJ und den Bundesfreiwilligendienst deutlich zu verbessern und beides attraktiver zu machen. Dazu gehört eine dem freiwilligen Wehrdienst vergleichbare bessere Vergütung, die Ausweitung der integrierten Fortbildungs- und Weiterqualifizierungsmöglichkeiten und ein Bonus bei der Studienzulassung und der Bewerbung auf Ausbildungsplätze.

Von Dieter Wonka

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