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Politik im Rest der Welt Von den Versprechen ist wenig geblieben
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02:10 04.07.2013
Mohammed Mursi. Quelle: dpa
Kairo

Ein Jahr danach sahen sich die Zweifler bestätigt. Zwar verwiesen seine Anhänger darauf, dass Mursi so schnell nicht mit den geerbten Problemen hätte aufräumen können. Doch seine Gegner warfen ihm vor, dies auch gar nicht versucht zu haben, da er allein damit beschäftigt gewesen sei, die Macht der Muslimbrüder zu sichern.

Der 62-Jährige war 2012 mit dem Versprechen angetreten, die Ziele der Revolution umzusetzen, in deren Zuge der langjährige Präsident Husni Mubarak im Februar 2011 gestürzt worden war. Mursis Gegner hielten ihm von Beginn an vor, allein die Interessen der Islamisten zu vertreten, anstatt das Land auf dem Weg zu Demokratie und Entwicklung voranzubringen. Der promovierte Ingenieur gehört zwar formal nicht der Muslimbruderschaft an, steht ihr jedoch sehr nahe. Mursi war Sprecher der islamistischen Bewegung und Mitglied in deren Politbüro. Zuvor hatte er als formal unabhängiger Abgeordneter von 2000 bis 2005 im Parlament gesessen. Wegen der Teilnahme an einer regierungskritischen Demonstration wurde er 2006 sieben Monate lang inhaftiert.

Während der Proteste gegen Mubarak 2011 wurde er erneut festgenommen, nach wenigen Tagen aber bereits befreit.

Der bärtige und etwas bullige Politiker war, seitdem er im Juni 2012 die Wahl gegen Mubaraks letzten Regierungschef Ahmed Schafik gewann, heftiger Kritik und Spott ausgesetzt. Viele seiner Gegner waren sich nie recht sicher, ob sie sich über ihn lustig machen oder ihn fürchten sollten. An den Hauswänden in Kairo finden sich zahllose Karikaturen Mursis, die ihn wahlweise als Schaf, Pharao oder Vampir darstellen.

Allerdings hatte sich der wenig charismatische Präsident in etlichen Konflikten als überraschend durchsetzungsstark erwiesen. Insbesondere im Ringen um die Verfassung gelang es Mursi im vergangenen November, mit einem umstrittenen Dekret eine Auflösung der von den Islamisten dominierten Verfassungsversammlung zu verhindern. Zwar gab es wochenlange, teils gewaltsame Proteste gegen das Dekret, doch gelang es dem Präsidenten damit, ein ihm und den Muslimbrüdern genehmes Grundgesetz durchzubringen. Das allerdings war auch der Anfang vom Ende der Präsidentschaft Mursi.

LN

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