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Politik im Rest der Welt War es wirklich Gift? Der mysteriöse Tod des Jassir Arafat
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23:24 07.11.2013
Noch immer präsent für die Palästinenser: Ein Bild Jassir Arafats auf einer Mauer in Gaza City.

Auch nach einer intensiven Untersuchung der sterblichen Überreste von Jassir Arafat ist nicht wirklich geklärt, ob der damalige Palästinenserpräsident 2004 durch das Gift Polonium getötet wurde. „Man kann nicht sagen, dass das Polonium die Todesursache war“, sagte gestern der Wissenschaftler François Bochud in Lausanne. „Man kann es aber auch nicht ausschließen“, fügte der Professor hinzu. Im Gegenteil: „Unsere Resultate unterstützen nachvollziehbar die Vergiftungsthese.“ Die Höhe der gemessenen Polonium-Werte deute darauf hin, dass Arafat das Gift von außen zugeführt worden sei. Die Konzentration der radioaktiven Substanz in Gewebeproben Arafats sei 18 mal höher als normal.

Arafat war im November 2004 in einem Militärkrankenhaus bei Paris mit 75 Jahren verstorben. Auf Bitte seiner Witwe Suha Arafat (50) wurde damals keine Autopsie vorgenommen. Im November 2012 wurden die sterblichen Überreste Arafats dann doch in Ramallah exhumiert. Von palästinensischer Seite wird seit Jahren der Verdacht geäußert, Israel habe ihren früheren Präsidenten vergiftet.

Kaum war der legendäre Palästinenserführer Jassir Arafat 2004 im Alter von 75 Jahren in einem französischen Militärkrankenhaus gestorben, schossen die Spekulationen ins Kraut. Außer Krankheiten wurde sofort auch Gift als Todesursache genannt. Und als Täter stand Israel am Pranger. Beweise gab es dafür jedoch keine.

Auch gestern wies die Regierung in Tel Aviv jede Verantwortung Israels am Tod Arafats zurück. Ein früherer Berater von Ex-Ministerpräsident Ariel Scharon sprach von einem möglichen innerpalästinensischen Machtkampf als Hintergrund dafür.

Von mehr Klarheit kann auch nach den jetzt vorliegenden Untersuchungsergebnissen keine Rede sein. Ganz im Gegenteil dürften die Spekulationen vor allem über die möglichen Täter jetzt noch heftiger wuchern.

Die Schweizer hatten erstmals im Juli 2012 den Verdacht auf Polonium gelenkt. An persönlichen Gegenständen wie Unterwäsche und einer Zahnbürste, die Arafat kurz vor seinem Tod benutzt haben soll, hatten sie erhöhte Konzentrationen der tödlichen Substanz gefunden.

Um Klarheit zu schaffen, erlaubten die palästinensischen Behörden schließlich im vergangenen November eine im Islam eigentlich verbotene Exhumierung Arafats. In dem Grab unter seinem prunkvollen Mausoleum in Ramallah entnahmen jedoch nicht nur die Schweizer Gewebeproben, sondern auch Experten aus Frankreich und Russland.

Während das französische Gutachten weiter auf sich warten lässt, hatten die Russen als erste Mitte Oktober ihre Ergebnisse vorgelegt: „Er kann nicht mit Polonium vergiftet worden sein“, sagte Wladimir Ujba, Chef der staatlichen biologisch-medizinischen Agentur Mitte Oktober in Moskau.

Nur Stunden später aber kassierte ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter des Außenministeriums in Moskau die Angaben wieder ein. Es sei gar nichts gesagt worden, behauptete er. Für Moskau ist das Thema Polonium ein heißes Eisen. Der russische Geheimdienst steht selbst im Verdacht, 2006 den russischen Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko in London mit Polonium vergiftet zu haben.

Hoch gefährliches Polonium 210
Die Nobelpreisträgerin Marie Curie entdeckte das chemische Element zum Ende des 19. Jahrhunderts und nannte es zu Ehren ihrer polnischen Heimat Polonium. Das radioaktive Schwermetall ist in geringen Mengen in Uran-Erzen enthalten. Es kommt in verschiedenen Isotopen vor, darunter auch Polonium 210.

Pro Jahr werden schätzungsweise 100 Gramm Polonium hergestellt. Es wird als Neutronenquelle benutzt, auch zum Zünden einer Atombombe. Schon ein Millionstel Gramm Polonium 210 kann einen Menschen töten. 2006 wurde der russische Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko in London mit Polonium ermordet.

LN

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