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Weltwirtschaftsforum in unsicherer Zeit

Davos Weltwirtschaftsforum in unsicherer Zeit

Stärker denn je überschatten Konflikte und Flüchtlingskrise das große Treffen der Eliten in Davos — Stammgast Merkel hat abgesagt.

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Philipp Rösler, Bundeswirtschaftsminister 2011 - 2013.

Davos. . Die Schweiz geht auf Nummer sicher und macht Davos zur Festung: 5000 Soldaten, 1000 Polizisten, Sprengstoffexperten mit Spürhunden, Scharfschützen, Straßensperren, Hubschrauber-Patrouillen, Kampfjets zum Schutz des Luftraums über den Alpen. Nach den jüngsten Terroranschlägen sowie angesichts immer neuer Warnungen vor Selbstmordattentätern des Islamischen Staats (IS) gebe es „eine neue Art von Bedrohung“, sagt Kommandant Walter Schlegel, der Sicherheitschef für das Weltwirtschaftsforum (WEF), dessen nächste Jahrestagung am kommenden Mittwoch beginnt und vier Tage dauern soll.

Das dürfte 2500 Prominente kaum davon abhalten, zum Stelldichein der Welteliten in den Luftkurort Davos zu reisen — unter ihnen Regierungschefs wie David Cameron (Großbritannien) und Manuel Valls (Frankreich), Lenker von Weltkonzernen, Top-Wissenschaftler, Hollywood-Promis wie Leonardo DiCaprio und „Blaublütige“ wie der König der Niederlande Willem-Alexander.

Aus Berlin kommen Bundespräsident Joachim Gauck, Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD), Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und weitere Kabinettsmitglieder. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), sonst „Stammgast“ in Davos, wird nicht dabei sein. Sie hatte die Einladung bereits im vergangenen Herbst ausgeschlagen.

Wieder ausgeladen wurde Nordkorea, das nach 18 Jahren erstmals wieder am Treffen der Welteliten teilnehmen sollte: Grund sei dessen Atomwaffentest vor zwei Wochen, sagte WEF-Vorstandsmitglied Philipp Rösler, der frühere Bundesminister und FDP-Chef.

Ein wichtiges, wenn auch nicht zentrales Thema wird die Flüchtlingskrise in Nahost und Europa sein — in Reden und Diskussionsforen sowie bei Demonstrationen am Rande des Treffens. Und bei den täglich von Nichtregierungsorganisationen veranstalteten persönlichen Begegnungen mit Asylsuchenden zum Thema „Ein Tag im Leben eines Flüchtlings“.

Seit gut 45 Jahren verfolgt das Weltwirtschaftsforum das erklärte Ziel, „den Zustand der Welt zu verbessern“. Dass es eine Lösung für den Krieg in Syrien, Hauptursache der Massenflucht nach Europa, finden wird, glaubt niemand. Man hoffe aber, dass hochrangige Vertreter der verfeindeten Staaten Saudi-Arabien und Iran sich an geplanten „private Sitzungen“ dazu beteiligen, sagte WEF-Gründer Klaus Schwab (77). Auch UN-Sonderbotschafter Syriens und Libyens werden in Davos erwartet.

Doch die globale Problempalette ist noch weit umfangreicher. Dazu gehören der Machtkampf zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, der Ukraine-Konflikt, der Klimawandel und weltwirtschaftliche Themen wie die von China ausgehenden Börsenturbulenzen, die Euro-Schwemme und der Streit um TTIP, das Freihandelsabkommen zwischen den USA und der Europäischen Union, das nach Meinung von EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström bis Jahresende abgeschlossen sein kann.

Halt, sagt da Klaus Schwab und fordert die Eliten auf, über den Tellerrand der aktuellen Problemlagen zu schauen: „Wir stehen am Anfang einer Revolution, durch die sich die Art, wie wir leben, arbeiten und miteinander umgehen, fundamental verändern wird“, mahnt Schwab. Die rasant voranschreitende Digitalisierung der „Industrie 4.0“, der absehbare massenweise Einsatz von Robotern in Produktion und Verwaltung — und die damit verbundene massive Ablösung menschlicher Arbeitskraft — werde für nicht weniger als „eine Transformation der Menschheit“ sorgen.

Treffpunkt der Eliten
Das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos gilt als einer der wichtigsten Treffpunkte für Spitzenpolitiker, Topmanager und Wissenschaftler. Ihm gehören mehr als 1000 Unternehmen an — darunter 122 der weltweit größten Konzerne als „strategische Partner“.



Die Teilnehmer können auf dem Treffen zwanglos über globale Herausforderungen debattieren. Dass dabei auch das Knüpfen geschäftlicher und politischer Kontakte bestens möglich ist, gilt als willkommener Nebeneffekt.
Gegründet wurde das WEF 1971 von dem aus Ravensburg stammenden Ökonomie-Professor Klaus Schwab. Es ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz im Schweizer Kanton Genf. Neben den Jahrestreffen in Davos gibt das WEF Forschungsberichte heraus.

Thomas Burmeister

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