Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Wenn „The Donald“ Ernst macht

Washington Wenn „The Donald“ Ernst macht

Protektionismus träfe Exportmeister Deutschland hart Aus für Atomdeal mit Iran wäre weiterer Schlag für Berlin Entspannung mit Russland hingegen könnte positiv wirken Hätte Trump Erfolg, könnte es Europas Rechten nutzen.

Washington. Nun ist es also soweit. Donald Trump erlebt mitsamt Atomkoffer sein erstes Wochenende im Weißen Haus, die Hymne vorgetragen von einem überforderten Casting-Sternchen ist verdaut. Aber er bleibt nach seiner Quasi-Nachwahlkampfrede vor dem Kapitol ein Buch mit sieben Siegeln. Worauf muss sich die Welt, muss sich Deutschland einstellen?

Man bekommt es mit einem als extrem sprunghaft geltenden Immerrechthaber mit aus der Ferne diagnostizierter „narzisstischer Persönlichkeitsstörung“ zu tun, wie der „Spiegel“ fürchtet. Der allerdings nicht allein herrscht, sondern sich bei seinem Spitzenpersonal bei jenen „ein Prozent“ der Bevölkerung bedient, die den Großteil des Vermögens in den USA besitzt.

Die Washingtoner Insider-Zeitung „Politico“ rechnet vor, dass an Trumps Kabinettstisch rund 35 Milliarden Dollar Privatvermögen sitzen werden – wobei unklar ist, wie groß daran der Anteil des Trump-Clans ist. Trump selbst will zehn Milliarden Dollar besitzen, Skeptiker halten zwei bis drei Milliarden für realistischer.

Schwiegersohn und Berater Jared Kushner verfügt mit Ivanka Trump über rund sieben Milliarden Dollar Immobilienvermögen. Mehrere schwerreiche frühere Manager der Investmentbank Goldman Sachs lassen ebenfalls Zweifel aufkommen, dass es wirklich ernst wird mit Trumps Attacken gegen „die Wall Street“, die ein Leitmotiv des Trump-Wahlkampfs war. Einstweilen ist die Wall Street begeistert vom neuen Weißen-Haus-Herrn – das von Trump avisierte Eine-Billion-Dollar-Infrastrukturprogramm verheißt gute Konjunktur und kräftige Renditen.

Vier Prozent Wachstum hat Trump versprochen, wenn er sein „America-first“-Programm umsetzt. Das wird auch nötig sein, wenn er außerdem tut, was er noch so versprochen hat: Er will die Steuern für Unternehmen kräftig senken, die Ausgaben fürs Militär kräftig erhöhen und das Minus im Staatshaushalt verringern. George H.W. Bush, 1980 Vorwahl-Gegner von Ronald Reagan, nannte diese Wirtschaftspolitik, wie sie auch Reagan im Programm hatte, seinerzeit „Voodoo-Economics“.

Aber „was, wenn er doch Erfolg hat?“, sorgt sich bereits „Die Zeit“. Löst die auf neuen Krediten basierende Infrastruktur-Offensive tatsächlich Wachstumsraten von vier Prozent aus, könnte sich ein warmer Regen in die Steuerkassen ergießen. In Deutschland lässt schon Wachstum von nicht einmal zwei Prozent die Finanzminister strahlen. Und zumindest kurzfristig könnten die protektionistischen Zoll-Pläne Jobs in den USA schützen oder schaffen – was Probleme in den größten Exportnationen auslösen dürfte. Das sind China – und Exportweltmeister Deutschland.

Politik und Wirtschaft in Deutschland zeigen sich verunsichert. „Ich kann gar nicht glauben, dass das umgesetzt wird“, gestand Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch, gerade Hamburg und damit Norddeutschland als internationaler Handelsstandort hätten wie das ganze Land viel zu verlieren, falls Trump Ernst macht.

In Berlin rätselt man aber auch, was Trump außenpolitisch vorhat. Entsprechend vorsichtig fiel etwa die Reaktion von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) aus. „Das transatlantische Verhältnis wird nicht weniger wichtig. Daran werde ich arbeiten.“ Wesentlich drastischer äußerte sich SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann: „„Ich fand die nationalistische Antrittsrede des neuen Präsidenten abstoßend.

Europa muss enger zusammenrücken.“

Dass Trump den Atom-Deal mit dem Iran in Frage stellt, kann Berlin ebenfalls nicht gefallen – gerade schickt sich die früher schon stark im Iran engagierte deutsche Wirtschaft an, wieder zugänglich gewordene Positionen im Mullah-Reich zurückzuerobern.

Wer nicht genug für die Nato zahlt, verliert dort die US-Schutzgarantie, tönt Trump: Woher aber im deutschen Haushalt die 30 zusätzlichen Milliarden Euro kommen sollen, die nötig wären, um die geforderten zwei Prozent vom Bruttoinlandsprodukt für den Militäretat aufzubringen, könnte auch noch ein spannendes Thema im deutschen Wahlkampf werden.

Noch eine Sorge im Jahr der Wahlen in Frankreich und Deutschland: Zeigt sich wirtschaftliche Belebung durch eine russlandfreundliche und protektionistische Politik mit ausländerfeindlichen Zügen, kann das Auswirkungen auf die Chancen jener Parteien haben, die ähnliche Positionen vertreten: Das wären in Frankreich Marine Le Pens Front National und in Deutschland die AfD. Nicht ominöse russische Hacker, sondern frei gewählte amerikanische Politiker würden dann womöglich die Karten in Europa neu mischen. mw

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Politik im Rest der Welt
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. Klicken Sie hier, um die Galerie für den Dezember 2017 zu sehen!

Lassen Sie sich gegen Grippe impfen?

  • Hochzeitszauber
    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informationen und kompetente Ansprechpartner in und um Lübeck für Ihre Traumhochzeit.

    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informat... mehr

  • Reisetipps
    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber.

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Events & Veranstaltungen
    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe.

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Lifestyle

    Unser Lifestyle-Portal mit nützlichen News und Tipps: Informieren Sie sich über Mode, Beauty und aktuelle Trends. Mehr Schwung, mehr Spaß... mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.

TV-Vorschau

Unsere Kolumne zeigt, wo sich das Einschalten lohnt.

Sonntagsreden

Von Börse bis Fußballplatz - Blogs unserer "Edelfedern".

Kreuzwort

Auch online wartet täglich ein neues Rätsel auf Sie. Jetzt rätseln!

Sudoku

Bleiben Sie geistig aktiv – mit japanischem Gehirnjogging.

24. Juli 2017 - Alev Doğan in Allgemein

Es gibt eine Wahrheit, vor der auch ich mich schon lange drücke. Eine, die auszusprechen weh tut: Um die Türkei steht es im Moment nicht gut. Ach was, um die Türkei steht es im Moment miserabel.

mehr