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„Wenn du ein Star bist, dann lassen sie dich ran“

„Wenn du ein Star bist, dann lassen sie dich ran“

In einem Video von 2005 fällt Donald Trump mit vulgären, sexistischen Sprüchen auf – Prominente Republikaner gehen auf Distanz.

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„Du kannst alles machen“: Donald und Melania Trump.

Quelle: Fotos: Peter Foley/dpa; Imago

Washington. In der heißen Phase des US-Präsidentschaftswahlkampfs haben vulgäre, frauenverachtende Sprüche aus dem Jahr 2005 den republikanischen Kandidaten Donald Trump eingeholt.

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In einem Video von 2005 fällt Donald Trump mit vulgären, sexistischen Sprüchen auf – Prominente Republikaner gehen auf Distanz.

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Zweite TV-Debatte

In der Nacht zu Montag unserer Zeit treffen Hillary Clinton und Donald Trump in St. Louis zu ihrer zweiten Fernsehdebatte zusammen (2.55 Uhr, ZDF). Die erste Ende September hatte die Demokratin nach unabhängigen Einschätzungen klar gewonnen. Danach gibt es nur noch eine letzte Fernsehdebatte, bevor am 8. November gewählt wird.

Unter seinen republikanischen Parteifreunden büßte Trump wegen des Skandals spürbar an Unterstützung ein.

„Wenn du ein Star bist, dann lassen sie dich ran“, prahlte Trump im Gespräch in einem Bus mit einem TV-Moderator, das ohne sein Wissen im September 2005 aufgezeichnet und am Freitag von der „Washington Post“ veröffentlicht wurde. „Pack sie an der Muschi“, fügte der damals 59-Jährige hinzu. „Du kannst alles machen.“

Das Video wurde vor elf Jahren für die Unterhaltungsshow „Access Hollywood“ gedreht, wenige Monate nach Trumps Hochzeit mit seiner dritten Ehefrau Melania. Man sieht nur den Bus, aber man hört Trump im Dialog mit dem Moderator Billy Bush, und der hat es in sich. Es dreht sich um eine Frau, mit der Trump offenbar Sex haben wollte. Trump sagt unter anderem: „Ich hab versucht, sie zu vögeln. Sie war verheiratet. Ich bin wie verrückt auf sie los, aber es klappte nicht. Und sie war verheiratet. Dann hab ich sie wieder gesehen, sie hat diese großen künstlichen Titten und so.“ Von schönen Frauen werde er „magnetisch“ angezogen. „Ich fange einfach an, sie zu küssen.“

Vor seiner offiziellen Entschuldigung (siehe unten) hatte Trump bereits versucht, seine Äußerungen zu relativieren. „Das waren Umkleidekabinen-Witze, ein privates Gespräch, das vor vielen Jahren stattfand“, sagte er. Ex-US-Präsident Bill Clinton habe zu ihm auf dem Golfplatz einst weit Schlimmeres gesagt. Trump hatte den Mann der Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton wiederholt wegen dessen außerehelichen Eskapaden angegriffen.

Aus dem eigenen Lager kamen harsche Reaktionen. Der Präsident des US-Repräsentantenhauses, der Republikaner Paul Ryan, sagte: „Ich bin angeekelt von dem, was ich heute gehört habe.“ Frauen müssten unterstützt und verehrt, sie dürften nicht zu Objekten gemacht werden. Ryan zog eine Einladung Trumps zu einem Auftritt in Wisconsin gestern zurück. Der republikanische Abgeordnete Jason Chaffetz aus dem Bundesstaat Utah sagte dem Sender Fox, er könne „diese Person“ nicht länger „guten Gewissens“ im Präsidentschaftswahlkampf unterstützen. Die republikanischen Abgeordneten Barbara Comstock und Mike Coffman sowie der Gouverneur von Utah, John Huntsman, verlangten, Trump solle sich aus dem Rennen um das Präsidentenamt zurückziehen. Als „verwerflich“ bezeichnete Floridas ehemaliger Governeur Jeb Bush die Aussagen von Trump.

Das Video sei wie „ein Messer ins Herz von Trump“, sagte der Politikwissenschaftler Larry Sabato von der Universität von Virginia. Trump werde mit Sicherheit bei der TV-Debatte darauf angesprochen.

Vielen Trump-Wählern seien solche Aussprüche „egal“, aber dem Republikaner werde es nicht gelingen, breitere Wählerschichten für sich zu gewinnen. Derzeit gibt es laut Umfragen nur noch vier Prozent unentschlossene Wähler. Hillary Clinton kam in einer Quinnipiac-CBS-Umfrage zuletzt auf 44 Prozent Unterstützer, Trump auf 41 Prozent. Clinton übte scharfe Kritik an ihrem Konkurrenten. „Das ist schrecklich. Wir können es nicht zulassen, dass dieser Mann Präsident wird“, schrieb sie auf Twitter.

Trump ist wiederholt wegen frauenfeindlicher und sexistischer Sprüche aufgefallen. Und es ist nicht das erste Mal in diesem Wahlkampf, dass Kommentatoren sein politisches Ende gekommen sehen. So war es etwa auch schon, nachdem er sich mit den Eltern eines im Irak getöteten muslimischen Soldaten angelegt hatte. Bereits damals resümierten US-Medien aber: Trump-Anhänger ticken irgendwie anders, und sie mögen ihn gerade weil er nicht so ist wie das politische Establishment.

Allerdings liegt das neue Problem, das der Kandidat seiner Partei aufgetischt hat, nicht darin, dass sich Frauen von ihm abwenden könnten. Bei den meisten kann er ohnehin keinen Blumentopf gewinnen.

In den Umfragen liegt er bei den Wählerinnen in der Beliebtheit deutlich hinter Clinton. Und auch seine männlichen Anhänger werden ihm nun wohl kaum in Scharen den Rücken kehren. Der Knackpunkt liegt vielmehr darin, dass Trump Wähler hinzugewinnen muss, um Clinton zu schlagen. Und das ist, milde ausgedrückt, nicht eben wahrscheinlicher geworden.

Der US-Schriftsteller Douglas Kennedy warnt indes vor einem künftigen „amerikanischen Mussolini“, sollte Trump gewinnen. Er sei kein „US-Phänomen“, sondern stehe für den „Aufstieg der extremen Rechten weltweit“.

LN

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