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Politik im Rest der Welt Wer rettet Afrikas Elefanten?
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20:38 24.09.2016
Elefant „Luggard“ und sein Pfleger Sammy Sokotey: Der kleine Dickhäuter erholt sich in Kenia von einer Wunde durch Wilderer. Quelle: Anna Kerber/dpa

Nairobi. Als „Luggard“ etwa ein Jahr alt war, schossen ihm Wilderer ins rechte Hinterbein. Der kleine Elefant wollte seine Mutter verteidigen, die zuvor wegen ihrer Stoßzähne getötet worden war. Ein halbes Jahr später humpelt „Luggard“ mit einer Infektion im Nairobi Nationalpark am Rande der kenianischen Hauptstadt herum.

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Vertreter aus 183 Ländern beraten in Johannesburg über Verbesserungen zum effektiveren Schutz der Arten.

„Luggards“ trauriges Schicksal ist kein Einzelfall. In ganz Afrika nimmt die Zahl der Elefanten wegen der Jagd auf ihre Stoßzähne ab – außer in Kenia, das verstärkt auf Elefantenschutz setzt, nicht zuletzt, weil das den Safari-Tourismus in dem ostafrikanischen Land beflügelt. Doch insgesamt ist die Zahl von rund 20 Millionen Elefanten, die es vor dem Vordringen der Europäer in Afrika gab, laut jüngstem Elefanten-Zensus auf 352 000 Elefanten in 18 Staaten gesunken.

Auf der seit gestern laufenden und auf zwölf Tage terminierten Konferenz über das Washingtoner Artenschutzabkommen (Cites) mit Teilnehmern aus 183 Ländern geht es aber nicht nur um Elefanten.

Afrikas Nashörner etwa leiden unter dem Aberglauben insbesondere in China und Thailand, ihre Hörner hätten gesundheits- oder potenzfördernde Kräfte. Mehr als 6000 afrikanische Nashörner mussten deshalb seit 2008 sterben.

Löwen haben ebenfalls schlechte Karten – ihr Bestand schrumpfte in den vergangenen zwei Jahrzehnten um 40 Prozent: Sie sind als Jagdtrophäen bei reichen Nordamerikanern oder Europäern beliebt, zudem schrumpfen ihre natürlichen Lebensräume immer weiter.

Aber auch Schuppentiere – skurril anmutende Säugetiere mit Schuppenhaut – leiden darunter, dass ihr Fleisch mancherorts als Delikatesse gilt und ihre Schuppen in der sogenannten traditionellen chinesischen Medizin verwendet werden.

Haie sind zwar in Film und Roman ungeliebt, wegen ihrer Flossen und ihres Fleischs aber äußerst gefragt und auch deshalb bei manchen Arten bestandsgefährdet – wozu ihr Schicksal als „Beifang“ von Thunfisch noch beiträgt.

Der Graupapagei schließlich ist zwar wegen seines Sprachtalents als Haustier in den Volieren verzückter Menschen präsent, als Wildtier eben dadurch aber seltener anzutreffen. All diese – und noch mehr – Arten sind bedroht, weil es trotz eines internationalen Handelsverbotes weiter viel Wilderei gibt.

In Johannesburg könnten nun strengere Richtlinien zum Binnenhandel beschlossen werden, was den illegalen internationalen Handel eindämmen soll. Derzeit werden 5600 Tier- und 30 000 Pflanzenarten in drei verschiedene Cites-Anhänge eingestuft, wobei Anhang I den höchsten Schutz bietet. Der Graupapagei zählt zu jenen Arten, die hochgestuft werden können.

„Bei allen Entscheidungen, die bei Cites gefällt werden, muss der Artenschutz im Mittelpunkt stehen – und nicht politische oder wirtschaftliche Interessen“, forderte der Vorsitzende des Internationalen Tierschutzfonds (IFAW), Azzedine Downes.

Doch leicht wird das nicht, weil manche Staaten sich von freizügigem Handel Vorteile versprechen. „Wir sind gegen die Anträge von Simbabwe und Namibia zur Aufnahme des Elfenbeinhandels oder von Südafrika zur Einführung eines Handelsmechanismus“, stellt vorab Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) klar, die ebenfalls bei der Cites-Konferenz anwesend sein wird. Eine einmalige Verkaufserlaubnis von Elfenbein für vier südafrikanische Länder im Jahr 2008 hat nach Ansicht vieler Tierschützer den illegalen Handel und die Wilderei aufflammen lassen.

Neben der Bekämpfung von Wilderei wollen sich die deutschen Vertreter nicht nur für eine Eindämmung des zunehmenden Handels mit Amphibien und Reptilien, sondern auch für eine nachhaltigere Holzwirtschaft einsetzen. „Die immense Nachfrage nach Tropenhölzern beschleunigt die Abholzung tropischer Regenwälder“, klagt Hendricks.

Schutzbrief für die Wildnis

Das Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten frei lebenden Tieren und Pflanzen (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora – Cites), auf Deutsch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA), wurde 1973 angesichts des dramatischen Rückgangs vieler Arten durch Wilderei und Handel geschlossen und 1975 in Kraft gesetzt.

Deutschland gehört zu den Erstunterzeichnern. Inzwischen gehören Cites weltweit 183 Vertragsparteien an. Es umfasst laut Bundesumweltministerium derzeit etwa 5000 Tier- und 29 000 Pflanzenarten.

LN

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