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Politik im Rest der Welt Wie funktioniert die Landtagswahl? Alles zum Wahlsystem in Bayern
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07:54 14.10.2018
Bayerns Ministerpräsident und Spitzenkandidat der CSU bei der Landtagswahl, Markus Söder. Quelle: Alexander Pohl/imago/ZUMA Press
Hannover

Seit mehr als einem halben Jahrhundert ist Bayern fest in CSU-Hand. Es gab nur wenige Jahre, in denen die Partei nicht den Ministerpräsidenten stellte. Die absolute Mehrheit für die Christsozialen ist allerdings nicht mehr so selbstverständlich wie in früheren Jahren. 2008 verlor die CSU sie, 2013 holte sie sich diese zurück. Doch in diesem Jahr könnte sie die absolute Mehrheit erneut verlieren.

Wann ist die Landtagswahl in Bayern?

Die bayerische Landtagswahl findet am Sonntag, 14. Oktober statt. Es ist die 18. Wahl in dem Bundesland.

Wer darf wählen?

Stimmberechtigt sind rund 9.478.000 bayerische Bürger. Es darf jeder deutsche Staatsbürger abstimmen, der das 18. Lebensjahr vollendet hat und seit mindestens drei Monaten seinen Hauptwohnsitz in Bayern hat.

Was wählt man bei der Landtagswahl?

Die Bayern bestimmen einen neuen Landtag, also die Abgeordneten, die sie dort vertreten. 180 Sitze gibt es insgesamt im Parlament.

Warum ist die Landtagswahl wichtig für den Bund?

Das Abschneiden der CSU in Bayern ist auch immer ein wichtiges Signal in Richtung Bund, wo die Partei mit der CDU koaliert und eine Fraktion bildet. Die Christsozialen pochen immer wieder auf ihre Sonderrolle und Eigenständigkeit. Die Partei bezeichnet sich auch gern auch als „Taktgeber“ in Berlin. Je stärker sie abschneidet – auch bei der Landtagswahl -, umso selbstbewusster kann sie in Berlin auftreten. Denn bei Bundestagswahlen profitiert die CDU von den Stimmen der Schwesterpartei. Ohne diese hätte sie keine Mehrheit im Bund. Und genau deshalb hat die CSU einen solch großen Einfluss im Bund.

Wo können Wahlberechtigte wählen?

Jeder Wahlberechtigte bekommt per Post eine Wahlbenachrichtigung. Darauf steht auch, in welchem Wahllokal er abstimmen darf. Wer das nicht kann, darf im Vorfeld per Briefwahl abstimmen. Der Wahlbrief muss bis spätestens 18 Uhr am Wahltag beim Wahlamt eingegangen sein.

Was sind die Wahlkreise?

In Bayern gibt es sieben Wahlkreise, die wiederum in 91 Stimmkreise unterteilt sind. Die Wahlkreise sind: Unterfranken, Oberfranken, Mittelfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern und Schwaben.

Welche Parteien treten an?

Nach Angaben des Landeswahlleiters treten bei der Wahl 18 Parteien und Wählergruppen mit insgesamt 1923 Kandidaten an. Zwölf davon sind in allen Wahlkreisen wählbar. Das sind Folgende: CSU, SPD, Freie Wähler, Grüne, FDP, Linke, AfD, Bayernpartei, Piraten, ÖDP, Die Franken, LKR, mut, die Humanisten, Die Partei, die Partei für Gesundheitsforschung, Tierschutzpartei, V-Partei3

Welche Partei soll ich bei der Landtagswahl wählen?

Für alle, die sich noch nicht entschieden haben, stellt die Bundeszentrale für Politische Bildung wieder einen Wahl-O-Mat bereit. Hier werden 38 Thesen aufgestellt und die jeweilige Haltung zu einem entsprechenenden Thema abgefragt. Am Ende zeigt das Tool, mit welcher Partei es die meisten Übereinstimmungen gibt.

Warum kann man die CSU nur in Bayern und dort nicht die CDU wählen?

CDU und CSU bilden seit Anbeginn der Bundesrepublik eine Fraktionsgemeinschaft. Denn die Christsozialen hatten einen Zusammenschluss mit den übrigen Unionsparteien in Deutschland abgelehnt. Also blieb die Partei eigenständig, alle anderen gründeten die CDU. Seit 1949 gibt es zwischen den Schwestparteien eine Vereinbarung über die Fraktionsgemeinschaft, nach der gemeinsame politische Ziele die Grundlage der Gemeinschaft seien und man in „keinem Bundesland miteinander in Wettbewerb“ trete.

Wer sind die Spitzenkandidaten?

Sieben Parteien können den Umfragen zufolge mit einem Einzug in den bayerischen Landtag rechnen. Die AfD hat keinen landesweiten Spitzenkandidaten benannt, die anderen sechs Parteien dagegen schon. Das sind: Markus Söder für die CSU, Natascha Kohnen für die SPD, Hubert Aiwanger für die Freien Wähler, Katharina Schulze und Ludwig Hartmann für die Grünen, Martin Hagen für die FDP sowie Ates Gürpinar und Eva Bulling-Schröter für die Linke. Mehr über die Spitzenkandidaten erfahren Sie hier.

Wie funktionieren die Landtagswahl 2018 und das Wahlsystem in Bayern?

In Bayern wird in Wahlkreisen (Regierungsbezirk) und Stimmkreisen gewählt. Die Wahlberechtigten haben zwei Stimmen: die Erststimme und die Zweitstimme. Mit der Erststimme wählen sie einen Kandidaten in seinem Stimmkreis. Dieser ist dann direkt gewählt. Mit der Zweitstimme wählen die Bayern einen Kandidaten auf der Wahlkreisliste. Um festzustellen, wie viele Sitze eine Partei im Parlament erhält, werden die Erst- und Zweitstimmen zusammengefasst. Von dieser Gesamtsumme werden die Direktkandidaten abgezogen. Die verbliebenen Sitze werden auf die Bewerber der Wahlkreisliste mit den meisten Stimmen verteilt. Hat eine Partei mehr Direktmandate als ihr nach Gesamtstimmenanteil zusteht, entstehen Überhangmandate. In Bayern gilt zudem die Fünf-Prozent-Hürde.

Wie sehen die aktuellen Umfragen zur Landtagswahl aus?

Die CSU ist zwar in den Umfragen nach wie vor stärkste Kraft (wie seit jeher in dem Bundesland), allerdings sieht es so aus, als würde sie ihre absolute Mehrheit verlieren. So kommt sie laut der Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen vom 21. September auf 35 Prozent, gefolgt von den Grünen mit 18 Prozent, der SPD (13 Prozent), Freie Wähler (11 Prozent), AfD (10 Prozent), FDP (5 Prozent) und Linke (4 Prozent). Auch in der Infratest-Umfrage vom 12. September kommt die CSU auf 35 Prozent, gefolgt von den Grünen (17 Prozemt), SPD (11 Prozent), Freie Wähler (11 Prozent), AfD (11 Prozent), FDP (5 Prozent) und Linke (5 Prozent).

Wie oft ist Landtagswahl?

In Bayern wird wie in allen Bundesländern alle fünf Jahre ein neuer Landtag gewählt.

Wie wurde vor fünf Jahren gewählt?

Bei der Landtagswahl 2013 holte sich die CSU nach ihrem Absturz 2008 die absolute Mehrheit zurück. Die Partei erreichte 47,7 Prozent der Stimmen. Die SPD kam mit 20,6 Prozent auf Rang 2. Es folgten: Freie Wähler (9,0 Prozent), Grüne (8,6 Prozent). Die FDP (3,3 Prozent) scheiterte wie die weiteren Parteien an der Fünf-Prozent-Hürde.

Was ist das Maximilinaeum?

In Bayern sitzt der Landtag seit 1949 im Maximilianeum in München. Der Grundstein für das Gebäude wurde im Oktober 1857 gelegt, der Bau dauerte 17 Jahre. Ursprünglich war es für eine Studienstiftung gedacht, die hochbegabte Abiturienten fördern sollte. Der Bau bildet den repräsentativen Abschluss der Maximilianstraße, mit der sich König Max II. ein Denkmal setzte. Doch König Max II. erlebte die Vollendung des Baues nicht mehr, sein Sohn Ludwig II. ließ die Arbeiten fortsetzen. Seit der Landtag hier eingezogen ist, wurde das Gebäude umgebaut und den Anforderungen eines modernen Parlamentsbetriebs angepasst. So wurde der Plenarsaal, wo alle Abgeordneten zusammenkommen, 2004/2005 völlig neu gestaltet. Neue Sitzungssäle und ein Raum der Stille als Rückzugsort zur Besinnung entstanden. 2010/2012 entstand dann im Nordhof ein neuer Konferenzbau.

Worüber wird noch abgestimmt?

Die Bayern bestimmen nicht nur den Landtag, gleichzeitig werden die sieben bayerischen Bezirkstage gewählt.

Wann gibt es die ersten Ergebnisse?

Um 18 Uhr am Wahltag schließen die Wahllokale, danach geht es ans Auszählen der Stimmen. Einen ersten Überblick gibt es aber schon Punkt 18 Uhr, wenn ARD und ZDF ihre Prognosen veröffentlichen. Diese basieren auf Nachwahlbefragungen. Im Anschluss folgen die Hochrechnungen, die auf den bereits ausgezählten Stimmen basieren.

Welche Koalitionen sind nach der Wahl denkbar?

Rein rechnerisch spricht im Moment alles für eine Koalition aus CSU und Grünen. In der Praxis können sich aber die wenigsten vorstellen, dass die beiden Parteien genügend Gemeinsamkeiten für ein solches Bündnis finden würden. Eine knappe Mehrheit gebe es nach den Umfragen auch für ein Bündnis mit der SPD. Dann hört es aber schon auf. Auch ein Dreierbündnis wäre möglich – etwa mit der FDP und den Freien Wählern.

Livestream zur Landtagswahl 2018

Hier finden Sie das TV- und Livestream-Programm zur Landtagswahl in Bayern für Sonntag, den 14. Oktober.

Von Dana Schülbe/RND

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