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Politik im Rest der Welt Wir sind selber schuld
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16:47 05.10.2017
Erste öffentliche Anhörung der Nachrichtendienst-Chefs: Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, der Präsident des Militärischen Abschirmdienstes, Christof Gramm, und der Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Bruno Kahl (von links). Quelle: dpa
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Berlin

Nein, diesmal waren es nicht die Russen. Es war auch nicht der chinesische Geheimdienst. Oder ein fanatisiertes nordkoreanisches Hackerkollektiv. Oder ein pickliger Nerd mit kleinem Ego und großem Computer in einem Keller in Wisconsin. Die Wahrheit schmerzt, aber es hilft ja nichts: Für das Ergebnis der Bundestagswahl war einzig und allein der deutsche Wähler verantwortlich. Anders als in den USA oder Frankreich habe es im unmittelbaren Vorfeld der Wahl in Deutschland keine ausländischen Cyberangriffe und Desinformationskampagnen gegeben, sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen am Donnerstag vor dem Geheimdienst-Kontrollgremium des Bundestages.

Damit stirbt die Hoffnung, es könnte vielleicht einen externen Schuldigen geben, einen Sündenbock für dieses unerquickliche, bedenklich rechtslastige, fast nur Verlierer kennende, nur öde (Große Koalition) oder exotische (Jamaika) Koalitionen zulassende Wahlergebnis, das 72 Prozent aller Deutschen nicht mögen. Es wäre viel leichter, schleichende Entdemokratisierung und wachsende Aggression, die sich in den Zahlen spiegeln, anonymen Facebook-Bösewichten anzulasten, einer finsteren Armee aus Twitter-Robotern und Putintrollen. Aber es gibt niemanden. Der deutsche Wähler war es selbst. Mit Stift und Papier in der Wahlkabine.

Volkspädagogisch ist das eine gute Nachricht. Denn die bequeme Opferrolle bleibt unbesetzt. Verantwortungsentzug? Unmöglich. Schuldzuweisungen sind ohnehin nur ein Schutzkonzept des Egos, das kurzzeitig Linderung bringt und langfristig toxisch wirkt. In Wahrheit, schrieb Fjodor Dostojewski mal, sei „jeder an allem schuld. Wenn jeder das wüsste, hätten wir das Paradies auf Erden.“

Von Imre Grimm

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