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Politik im Rest der Welt „Wo sollten wir ihn 30 Jahre festhalten?“
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21:13 07.10.2017
Schatten an der Wand: zwei Polizisten in Kubas Hauptstadt Havanna vor einem Porträt des kubanischen Revolutionärs Che Guevara. Quelle: Foto: Dpa
Santa Cruz

Wie lief die Festnahme ab?

Gary Prado: Che versuchte noch mit einem anderen Guerillero zu entkommen. Wir stellten sie. „Wer sind Sie“, fragte ich. Die Antwort: „Ich bin Che Guevara.“ Wir fesselten sie unter Baumstämmen. Er fragte: „Kann ich rauchen?“ Ich gab ihm Zigaretten und Wasser. Dann sind wir mit den Gefangenen, Verletzten und Toten Richtung La Higuera gegangen und brachten Che in die Schule.

Warum wurde Che dort am nächsten Tag erschossen?

Es gab einen Befehl des Präsidenten und der Militärführung. Sie hatten entschieden, die Exekution des Che ist die beste Lösung, um größere Probleme zu vermeiden. Ich habe danach (den Oberbefehlshaber der bolivianischen Armee) General Alfredo Ovando gefragt, warum es zu dieser Entscheidung kam. Es gab zuvor einen Prozess in Camiri gegen Regis Debray und andere. Da waren plötzlich Journalisten aus der ganzen Welt. Sie wussten, ein Prozess gegen Che Guevara würde weltweit große Aufmerksamkeit erregen, 100 Mal mehr.

Was sprach gegen einen Prozess?

Er würde verurteilt werden, die Höchststrafe wären 30 Jahre Gefängnis gewesen. Die Gefängnisse in Bolivien waren damals ein Witz, es gab kein Hochsicherheitsgefängnis. Wo sollten wir ihn 30 Jahre festhalten? Es hätte ständig Versuche gegeben, ihn zu befreien. So wurde entschieden, ihn zu töten, ohne Prozess. Das haben sie in Kuba zuvor auch gemacht, und Che hat auch in Bolivien Menschen getötet. Wir hatten auch mehrere Soldaten verloren. Es wurde gesagt, wir haben den Befehl, ihn zu töten, wer meldet sich freiwillig. Sieben meldeten sich. Alle wissen, wer das letztlich am 9. Oktober übernahm: Mario Terán. Es gab drei vier Schüsse. Dann wurde die Leiche mit dem Helikopter nach Vallegrande gebracht.

Was denken Sie, wenn Sie Che heute als Heiliger verehrt sehen?

Das hat mit dem politischen Wandel zu tun. Unser heutiger Präsident ist ein großer Che-Fan. Es gibt einen starken Einfluss Kubas hier, viele Ärztemissionen und Einfluss im Geheimdienst. Es hat sich ein Mythos geschaffen, von Che, dem heroischen Guerillero. Dabei haben Kuba und Fidel Castro ein seltsames Spiel gespielt, die Kommunistische Partei mochte Che mit seinem revolutionären Eifer nicht.

Fidel Castro soll froh gewesen sein, dass Che weg war . . .

Fidel las öffentlich die „Carta de Despedida del Che“ vor, wo Che Guevara den Verzicht und Rücktritt von allen Ämtern erklärte, um die Revolution in andere Regionen zu tragen. Einer der Überlebenden in Bolivien schrieb später ein Buch und sagte, dass Che außer sich vor Wut gewesen sei, dass die Carta vorgelesen wurde. Der Brief sollte nur vorgelesen werden, wenn er gefangen genommen oder getötet würde. So war eine Rückkehr fast unmöglich und andere gewarnt.

LN

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