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Politik im Rest der Welt Wütender Wahlkampf im eigenen Lager
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20:12 15.10.2016
Lässt die letzten Hemmungen fallen und verbeißt sich in die eigene Partei: Präsidentschaftskandidat Donald Trump teilt nach allen Seiten aus. Quelle: Fotos: Afp (5)/dpa

Beste Presse haben beide Kandidaten nicht in diesem wohl bizarrsten aller US-Wahlkämpfe: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezichtigte die Demokratin Hillary Clinton öffentlich des „politischen Dilettantismus“, weil sie die kurdischen Milizen für den Kampf gegen den „Islamischen Staat“ bewaffnen will; ihr republikanischer Gegenspieler Donald Trump bekam dafür vom UN-Hochkommissar für Menschenrechte Seid Ra'ad al-Hussein attestiert, seine Wahl zum US-Präsidenten „wäre zweifellos gefährlich für die ganze Welt“.

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Lässt die letzten Hemmungen fallen und verbeißt sich in die eigene Partei: Präsidentschaftskandidat Donald Trump teilt nach allen Seiten aus.

Gefährlichste Gegner sitzen

in den eigenen Reihen

Trumps gefährlichste Gegner aber sitzen womöglich in den eigenen Reihen: Fast alle führenden Republikaner haben sich vom egozentrischen Kandidaten abgewandt, nachdem dessen unflätiger „Umkleidetratsch“ über Frauen publik geworden war. Der noch immer einflussreiche Bush-Clan war schon nach Trumps Pöbeleien gegen Vorwahl-Kandidat Jeb Bush auf Distanz gegangen und auch dem Wahlkonvent ferngeblieben. Auch Barack Obamas Gegenkandidat von 2008, der konservative John McCain, sowie Obamas Gegner von 2012, Mitt Romney, haben klar gegen Trump Stellung bezogen.

Nun aber haben sich auch der noch immer populäre kalifornische Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger, der derzeit einflussreichste Republikaner im US-Kongress, Paul Ryan, und sogar der Gouverneur des wichtigen „Swing State“ New Jersey, Chris Christie, ein enger Trump-Vertrauter, radikal oder zumindest dezent von der Trump-Kampagne verabschiedet.

Eine abgekartete Sache der Führungsschicht der „Grand Old Party“ (GOP), schäumen Trump-Anhänger wie der reaktionäre TV-Evangelikale Jerry Falwell in erzkonservativen Medien wie den „Fox News“.

Enthüllungen wie die über Trumps verbale Entgleisungen würden nicht zufällig veröffentlicht, sondern seien von der GOP-Elite orchestriert – Ex-Vorwahlkandidat Mike Huckabee, ebenfalls aus streng konservativem Material geformt, argumentiert ähnlich. Trump-Ultras lassen ohnehin auch jetzt nichts auf ihr Idol kommen. Seine Derbheit qualifiziert ihn in ihren Augen für harte politische Händel auf der Weltbühne. Dass im Skandalvideo ein Moderator namens Billy Bush dabei war, bestätigt Rechts-Republikaner in ihren Verschwörungstheorien: Der ist ein Cousin des bisher letzten Bush-Präsidenten George W.

Der inzwischen offen ausgetragene Krach zeigt, wie gespalten die traditionsreiche GOP ist. Ihre Führer konnten schon die aus der unzufriedenen Basis entstandene einflussreiche Tea Party kaum bändigen, mit der Folge, dass im Streit zwischen erzkonservativen Dogmatikern und moderateren Pragmatikern im US-Kongress kaum noch etwas ging. Der politische Stillstand verschlechterte das ohnehin miese Renomee der US-Politiker weiter – ein Boden, auf dem Polemiker und Populisten wie Donald Trump besonders gut gedeihen.

Im Strudel

mitgerissen

Doch dessen überdrehte Brachial-Rhetorik und seine Unberechenbarkeit lassen inzwischen unter republikanischen Kongressmitgliedern Panik aufkommen: Sie fürchten, dass sie im Strudel mitgerissen und für Trumps wüste Kampagne mitbestraft werden, sprich: am 8. November ihren Sitz in Senat oder Repräsentantenhaus verlieren. Denn auch ein Drittel der Senatoren und das gesamte Abgeordnetenhaus stehen zur Wahl.

Hier wollen die Chef-Republikaner um Paul Ryan ihre Mehrheit retten; ihre Sorge ist, dass die Demokraten in beiden Kongresskammern siegen und so wichtige Richterposten besetzen könnten. Diskret loten sie ihre Chancen für den Wahlkampf 2020 aus. Allerdings schwant ihnen, dass dann auch die hartleibigen Trump-Anhänger als Wähler nötig wären, um eine Mehrheit zu ergattern. Und sie lesen die Umfragen, wonach 74 Prozent der republikanischen Anhänger finden, die Führung müsse zu Trump stehen. Noch ein Symptom für den „Bürgerkrieg“ in den republikanischen Reihen, so US-Medien – und ein Dilemma. Schon ist auch die Rede von einer möglichen Spaltung der GOP nach der Wahl.

Noch aber tobt der bizarre Wahlkampf 2016 weiter, mit einem immer unberechenbareren Kandidaten Trump, der in seine Tiraden nun auch Ryan und Co. einschließt und ankündigte, nun „von Fußfesseln befreit“ zu sein und so wahlkämpfen zu können, wie er es für richtig halte. Er sei nach dem Skandalvideo „eine Ratte in Bedrängnis“ gewesen, befand Tony Schwartz, Co-Autor eines Trump-Buchs. Und so habe er dann auch attackiert. Vielleicht wird es noch schlimmer, bevor es besser wird.

Neue Sexismus-Debatte

Es seien „nur Worte“ gewesen – mit dieser Beteuerung wollte Donald Trump den Aufruhr um das Skandalvideo eindämmen. Dann präsentierte er Frauen, die von Ex-Präsident Bill Clinton belästigt worden sein sollen. Nun aber gibt es eine ganze Flut von neuen und noch mehr belastenden Enthüllungen über den Präsidentschaftskandidaten der US-Republikaner. Rund ein halbes Dutzend Frauen wirft dem Immobilienmogul vor, sie bedrängt und begrapscht zu haben. Die frühere Geschäftsfrau Jessica Leeds etwa berichtet über Erfahrungen während eines Fluges: „Er war wie eine Krake.

Seine Hände waren überall.“

Die Affäre hat eine breite gesellschaftliche Debatte über das Tabuthema sexuelle Belästigung in den USA ausgelöst – ähnlich wie „#Aufschrei“ vor einigen Jahren in Deutschland. Im Netz, aber nicht mehr nur dort, schildern viele Frauen, Übergriffe, die sie im Kindes-, Jugend- und im Erwachsenenalter erlitten haben. Die Rede ist von erzwungenen Küssen, Begrabschen und Vergewaltigung. Als Täter werden oft Männer und Jungs aus dem Freundes- und Familienkreis genannt. Aber beispielsweise unter dem Hashtag #NotOkay melden sich auch Männer, die dort versprechen, in von ihnen beobachteten Fällen künftig nicht mehr wort- und tatenlos zuzusehen.

LN

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