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Politik im Rest der Welt ZDF kippt Erdogan-Kritik aus dem Programm
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20:16 02.04.2016

Das Thema Recep Tayyip Erdogan — oder besser Erdogan als Thema — rückt zunehmend in den Focus. Das ZDF hat in der Nacht zu Sonnabend in Jan Böhmermanns Sendung „Neo Magazin Royale“ einen Beitrag gestrichen. Wie vom Sender angekündigt, war das Schmähgedicht des Satirikers und Grimmepreisträgers über den türkischen Präsidenten darin nicht mehr zu sehen. Wegen einer Programmänderung verschob sich die Sendung zudem von Mitternacht auf 1.15 Uhr. In der ersten Ausstrahlung auf ZDFneo am Donnerstag las Böhmermann den Text vor, wies aber selbst darauf hin, dass solche Schmähkritik in Deutschland nicht erlaubt sei. „Das kann bestraft werden.“ Die Verse enthalten zahlreiche Formulierungen, die unter die Gürtellinie zielen.

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„Schmähkritik“ von Jan Böhmermann bei der Wiederholung der Sendung Neo Magazin Royale nicht mehr ausgestrahlt.

„Wir sind bekannt dafür, dass wir bei unseren Satire- Formaten breite Schultern haben.“ Norbert Himmler, ZDF-Programmdirektor

Böhmermann nahm mit dem „Schmähkritik“ überschriebenen Beitrag Bezug auf das NDR-Fernsehmagazin „extra 3“, das zuvor einen umstrittenen satirischen Beitrag über Erdogan ausgestrahlt hatte. Der türkische Präsident hatte erbost darauf reagiert, der deutsche Botschafter in Ankara wurde einbestellt.

Solche Beiträge seien in Deutschland durch die Kunst- und Pressefreiheit gedeckt, hatte Böhmermann in der Erstausstrahlung erläutert. „Das darf man hier.“ Anders als herabwürdigende Schmähkritik, die nicht erlaubt sei. „Vielleicht erklären wir das an einem praktischen Beispiel“, kündigte der Satiriker an und trug dann den „Schmähkritik“-Text vor — mit dem Hinweis „Was jetzt kommt, das darf man nicht machen“.

Das ZDF teilte dann am Freitag mit, der Beitrag im „Neo Magazin Royale“ entspreche nicht den Ansprüchen, die der Sender an die Qualität von Satiresendungen stelle und angekündigt, die Passage zu entfernen. ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler erklärte in einer Stellungnahme: „Wir sind bekannt dafür, dass wir bei unseren Satire-Formaten breite Schultern haben und den Protagonisten große Freiräume geben.“ Es gebe aber Grenzen der Ironie und der Satire. „Deswegen haben wir in Absprache mit Jan Böhmermann beschlossen, die Passage aus der Sendung herauszunehmen. Das betrifft das Sendungsvideo in der mediathek, Clips auf YouTube sowie Wiederholungen.“

In der Nacht zum Sonnabend war in der Sendung zwar weiterhin ein Erdogan-Foto im Hintergrund zu sehen, auch der Titel lautete nach wie vor „Böhmerwie, Böhmerwo, Böhmermann“, eine Anspielung auf den „extra 3“-Beitrag „Erdowie, Erdowo, Erdowan“ — nur der Beitrag mit dem Gedicht fehlte. Unklar ist, inwieweit Böhmermann mit der Provokation genau das erreichen wollte, was dann eingetreten ist. „Was könnte da jetzt passieren?“ fragte er nach dem Vorlesen des Gedichts bei der Erstausstrahlung. Sein Partner Jan Kabelka mutmaßte: „Unter Umständen nimmt man's aus der Mediathek.“ So kam es dann auch.

Das Team der Satire-Kollegen von der „heute show“ twitterte am Freitagabend: „Das war die #heuteshow! Hoffentlich darf sie auch ungekürzt in die Mediathek.“ Jan Böhmermann kommentierte das nicht — schickte aber einen Retweet an seine Follower.

LN

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