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Politik im Rest der Welt Zehn Jahre Gefangener des Systems Putin
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23:24 24.10.2013
Ein Leben hinter Gittern: Michail Chodorkowski (50). Quelle: dpa
Moskau

Ungebrochen wie ein Widerstandskämpfer blickt der Kremlgegner Michail Chodorkowski auf ein Jahrzehnt in Haft zurück. In seinem Straflager nahe der finnischen Grenze im eisigen russischen Norden wartet der berühmteste Häftling des Landes auf den August 2014: Dann soll er auf freien Fuß kommen. Heute, da sich die weltweit beachtete Festnahme von 2003 jährt, sind viele Solidaritätsaktionen für den 50-Jährigen geplant, dessen Haft bis heute als Abschreckung für jeden gilt, der sich Kremlchef Wladimir Putin in den Weg stellt.

Einst als mächtiger Ölboss selbst Teil des Machtsystems, bot Chodorkowski vor laufenden Fernsehkameras Putin die Stirn und kritisierte die immer schlimmere Korruption im größten Land der Erde. Inzwischen gilt er als eine Galionsfigur für all diejenigen Russen, die sich nach mehr Freiheiten sehnen.

Der frühere Oligarch, inzwischen mit internationalen Preisen bedacht, setzt sich in seinen Schriften, Büchern und Briefen seit langem auch für eine Einigung der zersplitterten Opposition ein.

Charisma und ausgeprägte Führungsqualitäten bescheinigt ihm etwa die Journalistin Natalija Geworkjan. Gerade das mache Putin Angst.Und so endeten Chodorkowskis Pläne, eine selbstbewusste Zivilgesellschaft aufzubauen, jäh am 25. Oktober 2003, als Uniformierte des Inlandsgeheimdienstes FSB seinen Privatjet in Sibirien stürmten und ihn festnahmen.

Sein Widerstand gegen das System Putin kostete Chodorkowski nicht nur seine Freiheit, sondern auch seinen milliardenschweren Ölkonzern Yukos. Nutznießer der Zerschlagung des Konzerns waren kremltreue Unternehmen. Chodorkowski wurde derweil in zwei umstrittenen Strafverfahren wegen angeblichen Steuerbetrugs, Geldwäsche und Öldiebstahls zu einer Gesamtstrafe von 14 Jahren verurteilt, die schrittweise reduziert wurde. Doch zum 10. Jahrestag seiner Festnahme gibt es wieder Hinweise, dass ihm noch ein drittes Verfahren drohen könnte — Putin selbst hatte Chodorkowski mit Auftragsmorden in Verbindung gebracht. Gegen die auch von der Bundesregierung und den USA kritisierten Urteile kämpft der gelernte Chemiker seit längerem auch vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof. Nur teils mit Erfolg.

Dabei kann sich der einst reichste Russe mit seinem Geld immer noch eine Heerschar an Juristen samt einer großen PR-Maschinerie leisten. Wohl auch deshalb mehren sich Vorwürfe in Moskau, er kaufe Experten, um Russland international zu schaden. Allerdings meinte die Boulevardzeitung „Moskowski Komsomolez“ unlängst, dass sich Russland mit dem Fall vielmehr selbst weltweit bloßstelle. Die kremlkritische Zeitschrift „The New Times“ glaubt gleichwohl, dass Chodorkowski kaltgestellt bleibe. Ein Gesetz verbiete es „Schwerverbrechern“ viele Jahre, bei Wahlen selbst zu kandidieren.

LN

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