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„Sandy“ wütet in Nordamerika - Mindestens 30 Tote

Unwetter „Sandy“ wütet in Nordamerika - Mindestens 30 Tote

Mit voller Wucht hat „Sandy“ als einer der folgenreichsten Wirbelstürme seit Jahrzehnten die US-Ostküste samt New York getroffen und hält Millionen Menschen weiter in Atem.

New York. Mit voller Wucht hat „Sandy“ als einer der folgenreichsten Wirbelstürme seit Jahrzehnten die US-Ostküste samt New York getroffen und hält Millionen Menschen weiter in Atem.

Infolge des Sturms starben laut CNN mindestens 30 Menschen - das Unwetter brachte schwere Schäden über mehrere US-Staaten und erweist sich als Bewährungsprobe kurz vor der US-Präsidentenwahl in einer Woche.

Millionen Haushalte sind ohne Strom, Tausende Flüge wurden abgesagt, darunter auch Verbindungen nach Deutschland. Es dürfte noch Tage dauern, bis das Ausmaß der Schäden genau ermittelt ist und wieder Alltag einkehrt. US-Präsident Barack Obama bezeichnete die Folgen des Sturms als „herzzerreißend“. Er will am Mittwoch nach New Jersey reisen, um sich ein Bild von der Lage im Katastrophengebiet zu machen.

„Sandy“ nimmt nun Kurs auf Kanada. Bevor der Sturm dort eintreffe, könne er zu Überflutungen des Lake Michigan im Mittleren Westen der USA führen, sagte der Direktor des Nationalen Hurrikan-Zentrum, Rick Knabb. Was als Tropensturm begann, ist auf seinem Weg nach Norden zu einer Art „kaltem Hurrikan“ geworden. „Sandy“ bleibt gefährlich, wie es auch vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach hieß. Der Sturm bringe Unmengen an Niederschlag und in den Bergen Schnee.

Insgesamt kamen nach Zählung des Fernsehsenders CNN in den Vereinigten Staaten mindestens 30 Menschen um. Allein in der Millionenmetropole New York starben nach Angaben von Bürgermeister Michael Bloomberg zehn Menschen. Sie wurden von umstürzenden Bäumen oder umherfliegenden Ästen getroffen oder kamen mit herunterhängenden Stromkabeln in Berührung. Bloomberg sprach am Dienstag von dem vielleicht schlimmsten Sturm, „den wir je hatten“. Mindestens 750 000 Menschen seien jetzt ohne Strom, viele auch ohne Heizung. Dutzende Häuser brannten ab. Die New Yorker Verkehrsbetriebe sprachen von der schwersten Zerstörung in der 108-jährigen Geschichte der U-Bahn.

Die Ausläufer des Sturms mit einer 1000 Kilometer breiten Front richteten einen Milliardenschaden an. An der Südspitze Manhattans stieg das Wasser etwa 4,30 Meter über Normal - gut einen Meter mehr als der bisherige Rekord von 1960. Der ansonsten hell erleuchtete Finanzdistrikt war gespenstisch dunkel, weil der Strom ausfiel oder vorsichtshalber abgeschaltet wurde.

In Sturzbächen lief Wasser in die Tunnel, die die Insel mit Brooklyn verbinden. In vielen U-Bahn- und Straßentunneln stand das Wasser in der Nacht mehr als einen Meter hoch. Wahrscheinlich dauert es mehrere Tage, bis die Bahn wieder fährt.

An Hunderten Stellen wurden Stromleitungen beschädigt. Eine Explosion in einem Umspannwerk in der New Yorker Lower East Side verschärfte die Lage. Wegen der Überschwemmungen haben viele Menschen in New York kein Wasser. Rund 60 Menschen strandeten nach Durchzug des Wirbelsturms auf einer kleinen Insel vor New York. Sie hatten sich nicht an den Evakuierungsbefehl gehalten

Präsident Barack Obama erklärte Teile der Bundesstaaten New York und New Jersey zu Katastrophengebieten. Mit dieser Maßnahme gibt die US-Regierung zusätzliche Hilfsgelder frei.

Der Sturm fällt in den Endspurt zur US-Wahl am 6. November. Der republikanische Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, lobte Obama ausdrücklich für dessen Krisenmanagement. Obama will vor der Wahl unbedingt ein Desaster wie nach Hurrikan „Katrina“ vor sieben Jahren vermeiden. Der damalige Präsident George W. Bush war 2005 wegen unkoordinierter Hilfe der Regierung in die Kritik geraten. Sowohl der amtierende US-Präsident als auch sein Herausforderer Mitt Romney hatten mehrere Termine abgesagt.

„Sandy“ traf am Montagabend bei Atlantic City auf die Küste. Die Kasinostadt wurde überschwemmt. Der Sturm zog dann über Pennsylvania nach Norden weiter und schwächte sich nur langsam ab.

Als Folge des Wirbelsturms wurden in der Nacht zum Dienstag gleich mehrere Atom-Reaktoren vom Netz genommen: Salem 1 in Hancocks Bridge (Bundesstaat New Jersey) sowie Nine Mile Point 1 in Scriba und Indian Point 3 in Buchanan (beide New York). Ursache seien Probleme mit der internen Stromversorgung nach „Sandy“, so NRC. Der älteste Reaktor des Landes, Oyster Creek, war bereits zuvor abgeschaltet worden.

Die US-Börsen blieben auch am Dienstag geschlossen, weil die Händler wegen des stillstehenden Verkehrs nicht zur Arbeit kommen konnten. Ab Mittwoch sollen die Börsen dann nach Angaben des Betreibers wieder öffnen. In der Hauptstadt Washington sollten bereits am späteren Dienstag wieder einige U-Bahnen und Busse fahren. Seit Samstag sind in den USA durch „Sandy“ mehr als 16 000 Flüge ausgefallen, wie das Flugportal Flightstats am Dienstag berichtete.

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