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Am wilden Fluss: Ein Tag auf der Trave

Am wilden Fluss: Ein Tag auf der Trave

Freie Tage, Sonnenschein, und draußen explodiert die Natur — Höchste Zeit für einen Ausflug, eine Kanutour auf der Trave, der Flusslandschaft des Jahres.

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Raus ins Grüne: Zu den Feiertagen im Mai lockt es die LN-Redakteurinnen Petra Haase (li.) und Regine Ley hinaus in die schöne Natur Schleswig-Holsteins — zu einer Kanutour auf der mittleren Trave.

Quelle: Fotos: Olaf Malzahn, Petra Haase

Von Regine Ley und Petra Haase

Herrenmühle. Zilp-zalp . . . tsiit-tsiit . . . karre-karre-kiet-kiet-dorre-dorre-dorre . . . zitit . . . kroak kroak . . . hü-hii-hü-hiü . . tsiiü . . .

Was für ein Morgenkonzert! Noch schöner wäre es, wenn man wüsste, wer hier am Ufer der Trave so trällert, tiriliert, zirpt, ziept. Es gibt doch so eine Vogelstimmen- App. Man nimmt das Gezwitscher auf, das Handy nennt den Rufer. Würde uns jetzt aber wenig nützen, die Smartphones liegen sicher in Plastiktonnen, zusammen mit der Wechselwäsche. Man weiß ja nie. Gut zwölf Kilometer wollen wir paddeln. Die Luft ist seidig, der Himmel blau, wir freuen uns auf eine gemütliche Tour zu viert — und ahnen nicht, dass die Trave ein Temperament entfaltet, das unsere entspannte Kanutour zu einem echten Abenteuertrip werden lässt.

An der Herrenmühle zwischen Schwissel und Klein Gladebrügge nahe Segeberg (siehe Karte) parken wir und lassen die Kanus zu Wasser, verstauen Tonnen, Picknickkorb und Paddel und steigen ein.

„Vorsichtig“, mahnt unser Fotograf, ein erfahrer Kanufahrer. „Beim Einsteigen sind schon viele gekentert.“ Aber wir doch nicht!

Geschafft. Wir sitzen sicher und probieren, mit den richtigen Paddelschlägen Kurs zu halten. Mit schönem Schub durch die hohe Fließgeschwindigkeit kommen wir nach einer kurzen Strecke im Auwald auf ruhiges Gewässer inmitten von Wiesen und Feldern. Auf einer Buche sitzt ein Bussard im Ausguck und hält Ausschau nach Feldmäusen. An der dicken Bisamratte, die vor unseren Booten den Fluss kreuzt und die wir auf den ersten Blick für einen Biber halten, zeigt der Raubvogel kein Interesse — ein viel zu großer Brocken! Unsere Paddelschläge scheuchen ihn auf, und immer wieder flattern Enten aus dem Schilf am Ufersaum auf. Wir bringen Unruhe in die Stille der Landschaft, in der außer den Rufen der Vögel kaum ein Laut zu hören ist und nur leises Rauschen der nahen Autobahn die Ruhe stört.

Mit unserer Ruhe ist es kurz darauf dann auch vorbei. Am Ufer warnen Schilder — „Lebensgefahr!“ — vor dem Wehr der Sühlener Mühle, und wenig später kommt das Hindernis im Flusslauf nach einer Biegung in Sicht. Wir recken den Hals und versuchen auszumachen, wo wir die Boote vorher sicher an Land bringen können. Nicht weit vor uns wird das bislang ruhig fließende Wasser zu einem sprudelnd über dicke Steine springenden Bach, der ordentlich an Tempo zulegt, bevor er sich durch einen knapp anderthalb Meter breiten Durchbruch am Rand des Wehres zwängt. Und genau dorthin, weg vom Ufer, zieht die Strömung jetzt das zweite Boot — der Zug des Wassers ist stärker als die Kraft der Paddelschläge von Kollegin Nadine und Fotograf Olaf; das Kanu trudelt Heck voran in der Strömung, schlägt gegen einen großen Stein, kippt, kentert. Wir hören lautes Japsen, schaffen es dahinter mit aller Kraft gerade noch, nicht auch mitgerissen zu werden — und retten uns alle irgendwie ans sichere Ufer.

Nur ein Teil des Proviants treibt im Körbchen davon. Zum Glück sind die Tonnen mit trockenen Wechselsachen an Land, und auch die Fototasche ist gerettet. Jetzt erstmal ein Päuschen, um das Adrenalin runterzufahren, und heißer Kaffee zum Aufwärmen.

So war das nicht geplant! Und der Ritt auf dem „wilden Fluss“ hält noch einige Herausforderungen für uns parat: Die Trave, die sich im Verlauf ihrer 113 Kilometer vom plätschernden Bächlein zu einem schiffbaren Strom mausert, führt immer wieder auch durch lichte Bruchwälder. Oft müssen wir tief hängenden Ästen ausweichen oder Bäumen, die ins Flussbett gestürzt sind. Wir verheddern uns im Geäst und sind einmal knapp davor, ebenfalls baden zu gehen, als wir gegen einen Baumstamm prallen, der den Weg versperrt. Die Strömung drückt schon die Bootskante unter Wasser — das ist haarscharf! Wir schaffen es irgendwie, uns wieder ins Fahrwasser zu manövrieren.

An der nächsten „Challenge“, der „Sohlschwelle“, einem treppenartigen Abbruch des Flussbetts, gehen wir auf Nummer sicher, steigen aus und treideln die Kanus über das Hindernis. Danach geht es ruhig durch Wiesen, vorbei an Kühen und Büffeln. Plötzlich: Kekse steuerbord! Bananen backbord! Die haben sich aus dem abgetriebenen Picknickkorb selbstständig gemacht — wir fischen die eingeschweißten Lebensmittel aus dem Wasser fürs zweite Picknick. Gut, dass wir Proviant haben, Raststätten gibt es auf dieser Strecke nicht.

Die Sonne knallt inzwischen, der lichte Wald vor Nütschau spendet Schatten. Kurz vor der Brücke ziehen wir die Kanus aus dem Wasser. Ziemlich geschafft, und ziemlich glücklich. 12,5 Kilometer, drei Stunden Fahrt. Vom Wasser aus betrachtet sieht die Welt ein bisschen anders aus — und bietet allerhand Überraschungen. Selbst die kleine Trave.

Vor der Autofahrt zurück in die Zivilisation verabschiedet uns ein vielstimmiger Chor mit hü-hii-hü-hiü . . tsiiü . . . zilp--zalp.

Die Trave: Flusslandschaft des Jahres

Für 2016/17 haben der Deutsche Angelfischerverband und die NaturFreunde Deutschlands die Trave, den zweitlängsten Fluss Schleswig-

Holsteins, zur Flusslandschaft des Jahres ausgerufen. Infos unter: www.naturfreunde.de/flusslandschaft-trave

Zwischen ihrem Quelltümpel in Gießelrade und Travemünde liegen nur 20 Kilometer, dennoch ist die Trave 113 Kilometer lang. Sie fließt in einem Halbkreis über eiszeitliche Schmelzwasserstraßen zunächst westlich an Bad Segeberg vorbei, wendet sich dann südwärts bis Bad Oldesloe und von dort zur Ostsee bis Travemünde.

Zum Flusssystem gehören viele Nebenflüsse und Bäche; der gesamte Flussverlauf ist bis zur Mündung einschließlich der anliegenden Naturschutzgebiete als Natura 2000 (FHH-) Gebiet ausgewiesen.

LN

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