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10:50 25.07.2016
Am Tatort: Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (M., CSU) besuchte gestern das McDonald’s-Schnellrestaurant am Münchner Olympia-Einkaufszentrum, wo der mutmaßliche Attentäter wahllos auf Menschen geschossen hatte. Quelle: Fotos: Dpa/felix König (2)

Juli 2015: Ein 47-jähriger Sportschütze erschießt in Mittelfranken aus seinem Auto heraus eine 82 Jahre alte Frau. Kurz darauf tötet er einen 72-jährigen Fahrradfahrer. Er schießt zudem auf einen Landwirt und eine Autofahrerin, verfehlt sie aber. Der Schütze flüchtet mit dem Auto und wird in einer Tankstelle von zwei Mechanikern überwältigt. Das Landgericht Ansbach befindet, dass er an einer schweren paranoiden Schizophrenie leidet.

Februar 2014: Ein bewaffneter Mann läuft im Raum Düsseldorf in zwei Anwaltskanzleien Amok. Er tötet drei Menschen und legt in beiden Büros Feuer. Die Ermittler sind sicher, dass der 48-jährige Familienvater sich an seiner Ex-Chefin sowie an den Kanzleien in Düsseldorf und Erkrath rächen wollte. Der Amokläufer wird zu lebenslanger Haft verurteilt.

Mai 2013: Ein Amokläufer erschießt in den Orten Kerpen und Langerwehe bei Aachen seinen Schwager, seine Schwägerin und seine Ehefrau. Er verletzt drei weitere Menschen schwer. Als die Polizei den 63-Jährigen stellen will, schießt er sich eine Kugel in den Kopf und fällt ins Koma. Später wird eine psychische Erkrankung beim Täter vermutet.

August 2013: Drei Tote und fünf Verletzte fordert ein Streit bei einer Eigentümerversammlung in Dossenheim nahe Heidelberg. Nach einer Auseinandersetzung über die Nebenkostenabrechnung wird ein Mann des Raumes verwiesen. Der Sportschütze kommt aber mit einer Pistole zurück, tötet zwei Männer und verletzt fünf weitere Menschen schwer, bevor er sich selbst das Leben nimmt.

September 2010: In Lörrach (Südbaden) tötet eine Anwältin ihren von ihr getrennt lebenden Mann und den fünf Jahre alten gemeinsamen Sohn und sprengt die Wohnung in die Luft. Danach schießt sie auf der Straße und im benachbarten Krankenhaus um sich und tötet einen Pfleger. Die 41-Jährige wird von der Polizei getötet.

März 2009: Ein 17-Jähriger erschießt in Winnenden und Wendlingen in Baden-Württemberg 15 Menschen. Der Amoklauf beginnt in der Albertville-Realschule, wo er zwölf Leichen hinterlässt. Auf der Flucht tötet er einen Mann und zwingt einen weiteren zu einer Autofahrt in das 40 Kilometer entfernte Wendlingen. Dort erschießt er in einem Autohaus einen Kunden sowie einen Verkäufer. Als die Polizei ihn stellt, tötet er sich selbst.

April 2002: Mit Pistole und Pumpgun stürmt ein ehemaliger Schüler das Erfurter Gutenberg-Gymnasium und tötet 16 Menschen: zwölf Lehrer, zwei Schüler, die Sekretärin und einen Polizisten. Anschließend erschießt er sich selbst. Der 19-Jährige war zuvor der Schule verwiesen worden. Er war Mitglied eines Schützenvereins.

Februar 2002: Ein mit zwei Pistolen, drei Rohrbomben und einer Handgranate bewaffneter 22-Jähriger bringt in Bayern drei Menschen um. An seinem früheren Arbeitsplatz in Eching bei München erschießt er zwei ehemalige Vorgesetzte, dann fährt er mit einem vorher bestellten Taxi nach Freising. Dort tötet er in seiner früheren Wirtschaftsschule den Rektor und verletzt einen weiteren Lehrer. Wenig später findet man ihn mit einem Kopfschuss. Die Polizei vermutet Rachemotive.

Von Hass getrieben: Täter hatte viel über Amokläufe gelesen

München. Sein Name ist David Ali S.. Er war 18 Jahre alt, und er hat neun Menschen erschossen und 27 weitere verletzt, bevor er sich am Freitag in München mit seiner Pistole selbst das Leben nahm.

Er sei ein „guter Mensch“ gewesen, so jedenfalls beschrieb ihn eine Nachbarin. Auch von „Ballerspielen“ ist die Rede. Am Ende aber scheint der Schüler von Hass getrieben gewesen zu sein. Ein Mix aus einer psychischen Erkrankung und Schulproblemen könnte den Amoklauf ausgelöst haben.

S. lebte bis zuletzt bei seinen aus dem Iran stammenden Eltern. Der Vater ist Taxifahrer, die Mutter arbeitete einer Nachbarin zufolge als Verkäuferin bei einer Warenhauskette. Zur Familie gehört noch ein weiterer Sohn. Die Wohnung der Familie befindet sich an der Dachauer Straße, eine der wichtigen Hauptstraßen mitten in München.

Zum Leben der Familie konnten die Ermittler zunächst wenig sagen. Die Eltern seien viel zu schockiert, um Angaben zu machen, sagte Polizeipräsident Hubertus Andrä. Die Polizei erhielt Hinweise, dass David Ali S. psychische Probleme hatte, es soll sich um Depressionen gehandelt haben. Außerdem entdeckten die Ermittler in seinem Zimmer viele Hinweise darauf, was in ihm vorging. Er habe sich intensiv mit Amokläufen beschäftigt, sagte Andrä. Man habe entsprechende Zeitungsberichte gefunden, auch das Buch „Amok im Kopf – Warum Schüler töten“. Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund aber, auf eine Verbindung zur Terror-Organisation Islamischer Staat oder einen „Bezug zum Thema Flüchtlinge“ gebe es nicht. Auch die Staatsanwaltschaft ging von keiner „politischen Motivation“ aus und sprach von einem „klassischen Amoktäter“.

Besonders auffällig nannte Polizeichef Andrä, dass die Tat von München genau am fünften Jahrestag der Morde des rechtsextremen Attentäters Anders Behring Breivik stattfand. Es liege daher eine „Verbindung auf der Hand“. Zum einen handele es sich in beiden Fällen um Amokläufe, zum anderen habe Breivik aus rechtsextremen Motiven heraus 77 Menschen getötet. Und auch bei S. wird über Fremdenhass spekuliert. Trotz seiner iranischen Wurzeln sah sich der Attentäter nicht als Ausländer. „Ich bin Deutscher“ ist von ihm auf einem Video von der Tat zu hören, das die Polizei als authentisch einstuft.

Die „Bild“-Zeitung berichtet, er habe sich an seiner Schule von Türken und Arabern gemobbt gefühlt. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft wollte dieses konkrete Mobbing zunächst nicht bestätigen. Er sprach aber davon, dass es „Anhaltspunkte“ für solche Schulprobleme gebe. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erwähnte Schwierigkeiten im Bildungsweg. Auf welche Schule der Amokschütze gegangen ist, verschwieg die Polizei zunächst.

S. hatte die Tat offenbar genau geplant (siehe auch Text links). So besorgte er sich auf ungeklärtem Weg illegal eine Neun-Millimeter- Glock-Pistole. Die Seriennummer der Waffe war ausgefeilt worden.

Außerdem hatte er 300 Schuss Munition in einem Rucksack bei sich. Als er sich mit einem aufgesetzten Schuss das Leben nahm, befanden sich noch Kugeln im Magazin.

Ralf Isermann

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