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Auf Streifenfahrt mit der Küstenwache

Neustadt Auf Streifenfahrt mit der Küstenwache

Ihr Schiff kennen viele aus der Fernsehserie „Küstenwache“. Wie aber sieht der wahre Alltag der Bundespolizisten auf See aus? Wir waren einen Tag mit ihnen unterwegs.

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Die Fernseh-Küstenwache: Kapitän Holger Ehlers (Rüdiger Joswig) und Leonie Stern (Annekathrin Bach) vor der „Albatros II“.

Quelle: ZDF

Neustadt. Polizeihauptkommissar Frank Rogatty (48) war zuletzt im Einsatz vor der Insel Samos. Flüchtlinge retten, aus überfüllten Schlauchbooten. „Einmal hatten wir an einem Tag acht Tote.“ 700 Menschen haben er und seine Kollegen in sechs Wochen gerettet.

Unsere Aufgabe ist die Sicherheit auf See.“ Erster Polizeihauptkommissar Marco Antler (58)

Das war im März und April. Inzwischen tut Rogatty wieder normal Dienst, auf seinem Schiff, der „Neustrelitz“ – Heimathafen Neustadt (Ostholstein). Rogatty ist der Kommandant. Früher war er beim Bundesgrenzschutz, jetzt gehört er zur Bundespolizeiinspektion See. Sein Job: Küstenwache.

Rogatty steht auf der Brücke, den Ellenbogen lässig auf die Lehne seines Kommandantensessels gestützt. Vor ihm liegt die Neustädter Bucht und unter ihm der Bug seines Schiffes, das sich – angetrieben von zwei je 4400 PS starken Dieselmotoren – durch das blaue Ostseewasser schiebt. Die „Neustrelitz“ ist ein Schnellboot, gebaut für die DDR-Volksmarine in der Wolgaster Peene-Werft. Dann umgebaut zum Grenzschutz-Boot. 40 Stundenkilometer kann das Schiff machen, aber Rogatty hat es nicht eilig. Der Hauptjob seiner 14-köpfigen Crew ist derzeit die Kontrolle von ausländischen Schiffen, seien es Tanker oder Yachten. „Die Leute sind zu 98 Prozent kooperativ“, sagt Rogatty. Besonders die Sportschiffer seien meist entspannt, wenn die Ansage komme: „We would like to do a board-policecheck on your vessel.“ („Wir würden gerne einen Polizei-Check auf Ihrem Schiff machen.“) Doch die Ostsee ist wie leergefegt heute, nur ein paar Segler kreuzen. Dafür ist nun der Grömitzer Hafen in Sicht. Zeit für eine Kontrolle. Die Maschinen stoppen.

Polizeihauptmeister Annett Brunner (38) und Polizeiobermeister Bosse Bernhardt (27) machen sich fertig für den Landgang. Sie legen Schwimmwesten an und klettern in das orangefarbene Beiboot, das nun per Kran zu Wasser gelassen wird. Annett Brunner lenkt das Schlauchboot. „Wir suchen gezielt nach ausländischen Fahrzeugen“, erklärt die aus Gera stammende Polizistin. Werden Personen angetroffen, so kontrolliert die Streife die Ausweise. Durchsucht werde ein Boot nur bei Verdacht.

Eine Yacht mit französischer Flagge fällt ihr auf, doch es scheint niemand an Bord zu sein. Die Polizisten machen ihr Boot fest und suchen das Büro des Hafenmeisters auf. „Guten Tag – Bundespolizei“, sagt Annett Brunner. „Wir wollten mal fragen, ob alles in Ordnung ist.“ Der Hafenmeister nickt.

Bevor Brunner und Bernhardt wieder starten, geben sie noch die Daten der französischen Yacht, die aus Le Havre kommt, zur Überprüfung an das Mutterschiff weiter. Minuten später kommt die beruhigende Antwort: „Alles in Ordnung.“

Die Sicherheit auf See, aber auch Umweltdelikte beschäftigen die Küstenwache. Die Polizisten sind froh, wenn sie nicht eingreifen müssen. „Drogenschmuggel und Menschenhandel hatte ich hier noch nicht“, lacht Annett Brunner. Sie lenkt das Kontrollboot zurück zur „Neustrelitz“.

Einen Höhepunkt gibt es an diesem Tag noch, denn die Bundespolizei übt auf See auch das Retten von Personen. Diesmal mit Unterstützung eines Hubschraubers der Bundespolizei-Fliegerstaffel Fuhlendorf (Kreis Segeberg). Schon von weitem sieht man den Helikopter als dunklen Fleck am Himmel auf die „Neustrelitz“ zusteuern. Immer lauter, schließlich ohrenbetäubend werden die Rotorgeräusche, bis der Flieger direkt über dem Bug schwebt. Der Luftdruck der Rotorblätter peitscht das Wasser.

Aus der geöffneten Seitentür des Hubschraubers wird nun eine Kollegin an einem Seil herabgelassen. „Winschen“ heißt das in der Seemannssprache. Bosse Bernhardt wartet im orangefarbenen Überlebensanzug auf dem Vordeck. Die Kollegin klinkt ihn ein, und beide werden hochgezogen. „Wir müssen darauf vorbereitet sein, zum Beispiel Verletzte von einem Havaristen zu holen“, sagt Erster Polizeihauptkommissar Marco Antler (58), der die Neustädter Inspektion leitet. Das Winschen klappt reibungslos. Auch das „Mann über Bord“-Manöver, das Verhalten bei einem Leck und die Feuerabwehr werden häufig geübt.

Für das Essen sorgt Schiffskoch Holger Wrage (59). Er steht in der Kombüse und gibt die selbstgekochte Mahlzeit auch gleich aus. „Linsen- oder Bohneneintopf?“ Dazu gibt es eine Bockwurst, als Nachtisch einen Joghurt. Antler und Rogatty setzen sich nebenan in den Essraum, der zu klein ist, um die gesamte Mannschaft aufzunehmen. „Wir gehen nacheinander zum Essen“, sagt Antler. Der Essraum diene im Notfall auch der Versorgung von Verletzten: „Der Esstisch wird dann zum Behandlungstisch.“

Polizeikommissar Hans-Peter Naeffken (55) ist als Technischer Wachoffizier verantwortlich für die Maschinen. Er öffnet die Tür zum Unterdeck, wo die Dieselmotoren dröhnen. Mit Gehörschutz steigt Naeffken die schmale Treppe hinunter. Der Lärm der Maschinen macht dort unten jede Unterhaltung unmöglich. Naeffken ist zufrieden: Die Maschinen laufen problemlos, die Temperaturanzeige ist im grünen Bereich.

Die Männer sind ein eingespieltes Team. Fast alle stammen aus dem Norden. Alle haben vor ihrem Dienst auf der „Neustrelitz“ schon einige Jahre bei der Bundespolizei an Land gedient. Castortransporte begleitet, Großveranstaltungen wie Fußballspiele gesichert, auf der Autobahn oder an Bahnhöfen Dienst getan. „Erst später schließt sich die eineinhalbjährige Seeausbildung an“, sagt Antler.

Gründe, sich dafür zu entscheiden, gibt es viele. Rogatty stammt aus Niendorf, kommt aus einer Seefahrerfamilie. „Da lag das nahe.“ Bernhardt mag die Seeluft, das Draußensein. Und Annett Brunner zog es in den Norden, in eine „Spezialverwendung“. Sie ist froh, sich für die Küstenwache entschieden zu haben. „Das ist voll mein Ding.“

Eine ZDF-Serie machte sie populär: Was die Bundespolizei See alles leistet

Die Küstenwache ist ein Koordinierungsverbund von Bundespolizei, Bundeszollverwaltung, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung und Fischereischutz. Sie alle stellen Fahrzeuge, deren Einsatz im maritimen Sicherheitszentrum in Cuxhaven koordiniert wird.

Die Bundespolizeiinspektion See in Neustadt sichert die Grenzen auf See und sorgt für Sicherheit auf dem Wasser. Sie führt schifffahrtspolizeiliche Kontrollen durch, überwacht Fischer, ermittelt Straftaten und übernimmt zollrechtliche Aufgaben – meist ist ein Zollbeamter an Bord. Sie leistet Hilfe bei Seenot. Zudem beteiligt sie sich landesweit an Großeinsätzen der Bundespolizei. Im Auslandseinsatz unterstützt sie die europäische Grenzagentur Frontex; der Einsatz vor Samos soll über 2016 hinaus andauern. Zu den Aufgaben gehört auch Piraterieprävention mittels Beratung deutscher Reeder und Wassersportler. Das Maritime Schulungs- und Trainingszentrum bildet zudem den maritimen Nachwuchs für Bundespolizei See und Zoll aus.

Sechs große Einsatzschiffe und fünf kleine Boote hat die Bundespolizei See an den Standorten Neustadt, Cuxhaven und Warnemünde. Die Neustädter Schiffe „Bad Düben“ und „Neustrelitz“

sollen 2017 außer Dienst gestellt werden, neue Schiffe sind in der Planung.

Die Fernsehserie „Küstenwache“ wurde 1997 bis 2016 vom ZDF gesendet. Gedreht wurde auf den Polizeibooten „Bad Düben“ und „Neustrelitz“, die im TV „Albatros I“ und „Albatros II“ hießen.

Marcus Stöcklin

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