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Nachrichten Seite Drei Brexit könnte Trump beflügeln
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22:22 25.06.2016
Applaus für den Brexit: US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump in Schottland. Quelle: Action Press

Washington. Sein ganzes Gewicht hatte Barack Obama in diese Frage geworfen, überraschend scharf und unzweideutig hatte er bei einem Besuch in London gegen den Brexit Position bezogen. Vergebens. Ein Vierteljahr später kann der US-Präsident den Briten nur hinterherwinken und sagen, die besondere Beziehung beider Länder bleibe bestehen, trotz alledem.

Das mag sein, aber vielleicht wird sie viel spezieller als von ihm gemeint. Der Ausgang des Referendums der einstigen Kolonialherren ist für die Weltmacht vor ihrer Wahl im November ein Menetekel. Donald Trump jedenfalls ließ sich mit sicherem Gespür für den Augenblick schon aus Schottland vernehmen: So mache man das! Großartig, diese Briten. Hätten sich ihr Land zurückgenommen. Und im Spätherbst werde er dieses Werk in den USA vollenden.

Die Parallelen sind tatsächlich augenfällig. Die Bevölkerung ist in weiten Teilen tief verunsichert von der Hyperglobalisierung, weiße Wähler mittleren Alters fühlen sich abgehängt und alleine. Löhne stagnieren, das Thema Einwanderung ist höchst kontrovers. Es gibt nackten Populismus und das Spiel mit rassistischen Ressentiments, Fakten werden ignoriert, die Eliten sind entkoppelt von der breiten Bevölkerung. Und gekrönt wird das von einem diffusen Gefühl, aus irgendetwas austreten zu müssen.

Was den Briten der Brexit, könnte den USA Trumps Isolationismus werden. Das riskante Unbekannte siegt über den Status Quo, wie die „New York Times“ schreibt. Alle Expertise werde beiseitegewischt für den Wandel („Washington Post“): Wenn das Motto „Hauptsache, anders!“ die Überschrift dieses US-Wahljahres bleibt, wird es für die Demokraten am 8. November schwer.

Die Amerikaner interessiert nur bedingt, was außerhalb ihrer Grenzen passiert. Dabei trifft der EU-Austritt Großbritanniens die USA hart. Nicht nur für die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen TTIP ist dieses Ergebnis Senkblei. Auch die gewohnt enge Zusammenarbeit der Geheimdienste wird überprüft werden.

Martin Bialecki

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