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Das Geschäft mit den Millionen-Transfers

Hannover Das Geschäft mit den Millionen-Transfers

Nächste Woche startet die Bundesliga in ihre neue Saison. Die Vereine haben wieder kräftig eingekauft — und die Spielerberater verdienen immer mit. Ein Blick hinter die Kulissen eines schwer durchschaubaren Marktes.

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Fußballmanager Klaus Allofs (58).

Hannover. Die neue Bundesligasaison hat noch gar nicht begonnen, da ist die Arbeit der Spielerberater schon fast getan. In der Hochphase der Vorbereitung war ihr Terminkalender voll. Österreich, Spanien, China, Saudi-Arabien — um Millionendeals in den Trainingscamps abzuschließen, sammelten sie Tausende Flugmeilen.

In dieser Zeit, zwischen Ende der alten und Start der neuen Saison, wollen sie ihre Klienten unterbringen — möglichst hochpreisig, möglichst hochklassig. Doch der Konkurrenzkampf ist auch abseits des Platzes enorm. Kein Wunder, bis zu zehn Prozent des Jahresgehalts eines Profis landen als Provision auf den Konten der Vermittler.

206 Zugänge, 176 Abgänge — die Bundesligaklubs haben ihre Kader schon ordentlich aufgemotzt. Die 18 Vereine investierten bisher rund 310 Millionen Euro in neue Spieler, die 350 Millionen Euro aus dem Vorjahr dürften wieder erreicht werden. Den bislang teuersten Transfer vermeldete der FC Bayern München, der 37 Millionen Euro für Arturo Vidal bezahlte. Aber das muss es noch nicht gewesen sein, das Transferfenster bleibt bis Ende des Monats geöffnet.

Wie funktioniert dieses Millionen-Geschäft? Und wie kommt es vor allem zu den immer schwindelerregenderen Ablösesummen? Simon Rolfes gibt Einblicke in das Bundesliga-Business. Der 33-Jährige war bis Ende vergangener Saison Profi bei Bayer Leverkusen. Dann beendete er nach fast 300 Bundesligaspielen und 26 Einsätzen in der Nationalelf seine Laufbahn, wechselte die Seite und will nun junge Spieler beraten, auch über die Profikarriere hinaus. Er selbst hatte sich als 20-Jähriger für einen Berater entschieden, relativ spät für heutige Verhältnisse.

„Es gab damals Visitenkarten ohne Ende. Ich habe mich mit vielen Beratern getroffen, um auch ein Gespür für die unterschiedlichen Typen zu bekommen.“ Aber er bereut nicht, sich Zeit gelassen zu haben. Heute weiß er, dass die Arbeit eines Beraters nicht beim Vertragsabschluss endet. „Eine gute, strategische Karriereplanung und die richtigen Karriereschritte sind wichtig“, sagt er. „Diesen Weg unterstützt der Berater nicht nur, sondern er sollte auch für die sportliche Entwicklung sorgen.“ Eine Kompetenz, die vielen Beratern fehle.

Gunther Neuhaus sitzt derweil im Auto. Schon wieder. Er hat einige wichtige Leute der Bundesligavereine getroffen und ausgelotet, welcher der 300 Spieler aus seinem Portfolio zu den Klubs passen könnte. „Das alles Entscheidende ist das Netzwerk. Wir pflegen intensiv unsere Kontakte“, sagt der Berater von Stars & Friends, einer der renommiertesten deutschen Agenturen. Persönlichkeit schlage alles, lautet sein Credo. Die große Bühne brauche er nicht, er erledigt seine Geschäfte lieber im Hintergrund.

Der Berater ist die erste Anlaufstelle, für Vereine und Spieler. „Der engere Zirkel des Marktes ist nicht so groß, wie viele glauben. Die Agenturen, die schon lange und seriös am Markt sind, sind auch bei den Vereinen bestens bekannt“, sagt Thomas Kroth, Geschäftsführer der Agentur Pro Profil. Der Ex-Profi kennt die Branche seit über 20 Jahren und vertritt unter anderem Manuel Neuer und Shinji Kagawa. „Die ersten konkreten Gespräche führen wir mit dem Verein, dann kommt der Spieler dazu. Unser Rechtsanwalt prüft ganz am Ende die Verträge.“

Ein Job in der Bundesliga verspricht Geld und Ruhm. Tausende träumen davon. Allerdings: „Der Spieler hat gar keine Zeit mehr, in diese Themen hineinzuwachsen“, sagt Simon Rolfes. Teure Autos, Autogrammstunden, Interviews — der Berater muss den Klienten auf dem Boden halten. „Der Fußballmarkt ist ein sehr spezieller. Man kann ihn nicht mit Märkten von Lebensmitteln oder Industriewaren vergleichen. Es geht um Menschen und, ja, auch um ein Showgeschäft“, sagt Gunther Neuhaus.

Ein Showgeschäft, das Jahr für Jahr an Wert gewinnt. Weltklassespieler wechseln nur noch selten unter der 50 Millionen-Euro-Grenze den Verein. Weltfußballer Cristiano Ronaldo soll gar eine vertraglich festgelegte Ablösesumme von einer Milliarde Euro haben. Eine Milliarde! Wie bemisst sich solch eine unglaubliche Summe?

„Es gibt eine Liste an Faktoren, die jeden Marktwert beeinflussen: Alter, Position, Leistungen“, sagt Tobias Holtkamp, Chefredakteur von Transfermarkt.de. Das Portal dient als Orientierungshilfe für Fans, Spieler und Berater. Dabei entstehen die Marktwerte aus dem Zusammenspiel von über 278000 Nutzern. Sie sind Fans, keine Wirtschaftsprofis. „Handelt es sich um einen Nationalspieler? Gewinnt er Titel? Spielt er in einer Top-Liga bei einem prestigeträchtigen Verein? Wie groß ist sein Werbewert?“, umschreibt Holtkamp die Kriterien. Die Internetseite zeigt das Spiegelbild der Fans, die das Portal 35 Millionen Mal pro Monat besuchen. „Wir wollen mit den Marktwerten nicht tatsächlich gezahlte Ablösen vorhersagen, sondern einen Wert abbilden, den der jeweilige Spieler für sich selbst und seinen aktuellen Verein hat“, erklärt Holtkamp.

Aber der Traum vom schnellen Geld und die gelockerten Zugangsbeschränkungen für Spielerberater zieht natürlich auch schwarze Schafe an, die sich vor allem die ganz junge Zielgruppe ausgesucht haben.

„Ich halte das für recht bedenklich“, sagt Neuhaus. „Ich glaube, dass es keinen Sinn macht, schon mit jungen Spielern zusammenzuarbeiten, die jünger als 15 sind. Ich bin ein Freund davon, dass die Jungs sich möglichst lange im elterlichen Umfeld bewegen und nicht als 13-Jährige nach England verschachert werden.“

„In der Beraterbranche herrscht ein Hauen und Stechen“
Lübecker Nachrichten: Der Transfermarkt ist übersättigt mit Spielerberatern. Wie behalten Sie dabei den Überblick?

Klaus Allofs: In erster Linie verfügt jeder Bundesligist über ein Netzwerk an Beratern, mit denen man schon länger zusammenarbeitet. Man weiß, wie die letzten Verhandlungen gelaufen sind, wie sich die Spieler, die diese Berater angeboten haben, entwickelt haben.



LN: Wie erleben Sie die Beraterszene aktuell?

Allofs: Der Konkurrenzkampf ist größer geworden. Viele vermuten, dass man hier viel Geld verdienen kann. Dort wird auch mit verschiedenen Taktiken beim Akquirieren von neuen Spielern gearbeitet. Im Beratergeschäft herrscht ein Hauen und Stechen. Wer denkt, er müsse nur einen Spieler ansprechen und hätte schon Geld verdient, der täuscht sich. Die Beraterbranche ist im Umbruch. Das führt dazu, dass auch die Spieler, die einen Berater haben, immer jünger werden.



LN: Wie entscheiden Sie, wie viel Geld Sie für welchen Spieler ausgeben möchten?

Allofs: Ich schaue nicht auf Werte, die im Internet auftauchen. Dort stehen womöglich Summen, die die Qualität des Spielers zeigen, aber nicht mehr den Marktwert, den man durch einen Transfer erzielen kann. Solche Werte dienen für mich nicht als Richtschnur. Mir stellt sich das ziemlich einfach dar. Man weiß, was ein Spieler bewirken soll. Dazu gehört die Frage, bei welchem Verein er spielt, was er bereits gezeigt hat; das Alter spielt eine Rolle, ebenso die bestehende Qualität, die ein Spieler hat, und natürlich sein Entwicklungspotenzial. Wichtig ist auch zu wissen, ob man als Verein alleine auf die Idee gekommen ist, diesen Spieler zu verpflichten, oder ob er heiß umworben ist. Das alles führte zum Beispiel dazu, dass wir für Kevin de Bruyne, der beim FC Chelsea kein Stammspieler war, ein Jahr zuvor aber bei Werder Bremen in der Bundesliga sein Können gezeigt hat, auch 20 Millionen Euro Ablöse zahlten.



LN: Wie bewerten Sie die ständig steigenden Transfersummen, vor allem in England?

Allofs: Am Ende ist es so: Ein Spieler ist immer das wert, was ein anderer bereit ist, für ihn auszugeben. Man muss den gesamten Markt mit einkalkulieren und Rechnung tragen, dass in anderen Ligen ganz andere Summen zur Verfügung stehen.



LN: Was bedeutet das für die Bundesliga?

Allofs: Wir reden heute über Ablösesummen und Gehälter, die vor zehn Jahren noch unvorstellbar waren. Wenn im gleichen Maße, wie die Gehälter anstiegen, auch die Verschuldung der Clubs zugenommen hätte, würde das die Liga in den Ruin führen. Das Geld wird aber erwirtschaftet — sei es über Sponsoring, über Fernsehgelder oder über Zuschauereinnahmen. In Deutschland haben wir eine Struktur, in der die Clubs genau durchleuchtet werden, um eine Lizenz zu erhalten. So lange man sich in diesem Rahmen bewegt — also nur das, was eingenommen wird, auch in Gehälter, Transfers und Leistungszentren investiert —, ist das Ganze völlig normal.



LN: Verderben englische Preise nicht den gesamten Markt?

Allofs: Die Berater, mit denen man seit längerer Zeit zusammenarbeitet, kennen die Möglichkeiten ganz genau. Das heißt nicht, dass man das eine oder andere Mal das Gefühl hat, dass die Forderungen überzogen wären. Aber Berater wissen schon, wo ein Spieler was verdienen kann und wie das Gehaltsgefüge bei den verschiedenen Clubs ist. Interview: C. Bergmann
Rückenstärkung für Mario Götze, Knieprobleme bei Boateng
Bayern-Kapitän Philipp Lahm (Foto) hat Partei für seinen von Wechselgerüchten umschwirrten Teamkollegen Mario Götze ergriffen. Götze habe einen Vertrag und viele gute Spiele für den FC Bayern gemacht, deshalb könne er „diese ganze Diskussion nicht nachvollziehen“, sagte Lahm. Götze sei ins Team „völlig integriert“ und zudem „ein hervorragender Fußballer.“ Auch Sportvorstand Matthias Sammer erklärte: „Er hat zu 100 Prozent unsere Unterstützung.“


Eintracht Frankfurt hat wie erwartet den finnischen Torhüter Lukas Hradecky von Bröndby Kopenhagen verpflichtet. Der 25-Jährige unterschrieb am Main einen Vertrag bis 2018.



Kevin-Prince Boatengs Wechsel von Schalke 04 zu Sporting Lissabon ist doch nicht am Streit über Bildrechte gescheitert. Er sei beim Medizincheck „wegen Knieproblemen durchgefallen“, sagte Augusto Inacio, Geschäftsführer für internationale Beziehungen bei Sporting. Jetzt soll Besiktas Istanbul an Boateng interessiert sein.


Mohammed Abdellaoue wechselt vom VfB Stuttgart zu Vålerenga Oslo.



Sandro Wagner von Hertha BSC Berlin steht laut Manager Michael Preetz vor einem Wechsel zu Darmstadt 98.

Carsten Bergmann

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