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Seite Drei Das Höfesterben geht uns alle an
Nachrichten Seite Drei Das Höfesterben geht uns alle an
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18:38 21.01.2017
Von Marcus Stöcklin

Das Drama spielt sich vor unseren Augen ab: Der ländliche Raum hat sich in den letzten Jahren nachhaltig verändert. Und das Sterben der Milchbauern ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. In immer mehr Dörfern können wir die traurige Entwicklung beobachten: Mit den Bauern gehen die Tierärzte, der Landhandel, die Lohnunternehmer, das Handwerk. Landgasthöfe und kleine Dorfläden sind ebenfalls selten geworden.

„Es ist tragisch: Bauern, Verbände, Politiker – eigentlich alle haben das Problem längst erkannt. Doch leider ändert sich wenig.

Es sollte uns nicht egal sein. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass 800 Millionen Menschen auf der Welt hungern, während gleichzeitig bei uns die Zahl der Übergewichtigen steigt. All das hängt zusammen.

Das Leiden der heimischen Bauern ist Teil eines globalen Problems. Warum stehen im Supermarkt fast nur noch Honigmischungen „aus EU- und Nicht-EU-Ländern“ in den Regalen? Wieso kaufen wir, oft ohne es zu wissen, Apfelsaft aus importiertem Konzentrat? Jedes Jahr kommen Waren im Milliardenwert aus weit entfernten Ländern wie China: Fleisch, Fisch, Gemüse. Unsere strengen Vorschriften für Lebensmittel gelten dort nicht, Kontrollen gibt es kaum.

Eine zweifelhafte Entwicklung – und fast niemand, den man fragt, will sie wirklich. Ebenso, wie viele Verbraucher an sich gerne mehr als 60 Cent für einen Liter H-Milch zahlen würden – wenn sie darauf angesprochen werden. Regionale Produkte genießen hohes Ansehen. Doch obwohl die Erwartungen an die Qualität der Lebensmittel hoch sind, greift ein Großteil der Verbraucher beim Einkauf letztlich doch zu den Lebensmitteln, die durch maximale Nutzung von Technik und Rationalisierung einen relativ geringen Preis haben. Der Anteil, den private Haushalte für Lebensmittel aufwenden, ist seit Jahrzehnten kontinuierlich zurückgegangen.

Es ist tragisch: Bauern, Verbände, Politiker – eigentlich alle haben das Problem längst erkannt. Doch leider ändert sich wenig. Sie alle reden seit langem von einer tiefgreifende Reform der Agrarpolitik. Nicht nur die Kirche fordert eine verantwortungsvollere Tierhaltung, mit mehr Achtung vor den Lebewesen, Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und biologischer Vielfalt – wer will das nicht?

Es gilt, endlich die Bedingungen dafür zu schaffen. Dabei auf die Politik zu warten, ist müßig. Der Verbraucher hat es selbst in der Hand, seine Lebensmittel auszuwählen. Es gibt lobenswerte Initiativen wie die „Faire Milch“, die auch bei Discountern wie Lidl zu haben ist. Und es gibt seit langem erfolgreiche alternative Öko-Genossenschaften, wie den schon in den 1920er Jahren gegründeten Bio-Anbauverband Demeter. Wir sollten sie unterstützen. Fangen wir bei unserem Einkauf an.

LN

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