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Seite Drei Das letzte Gefecht zwischen RAF und der Polizei
Nachrichten Seite Drei Das letzte Gefecht zwischen RAF und der Polizei
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10:47 26.06.2013
Tödlich getroffen: der Terrorist Wolfgang Grams liegt auf den Schienen von Gleis 4 auf dem Bahnhof von Bad Kleinen.

Die Aktion „Weinlese“ von Bad Kleinen war das letzte Gefecht zwischen der Roten Armee Fraktion und der Polizei, und sie lief völlig aus dem Ruder. Der Polizeieinsatz gilt nicht nur als schwerste Schlappe der 1972 gegründeten Eliteeinheit GSG 9. Er löste auch eine politische Krise aus, in deren Verlauf Bundesinnenminister Rudolf Seiters (CDU), Generalbundesanwalt Alexander von Stahl und Bundeskriminalamts-Präsident Hans-Ludwig Zachert ihre Ämter verloren.

Dabei hatten die deutschen Sicherheitsbehörden vor Bad Kleinen einen großen Erfolg erzielt und einen V-Mann mit Kontakt zur Kommandoebene der RAF rekrutieren können. Gemeinsam mit der Terroristin Birgit Hogefeld traf der V-Mann Klaus Steinmetz am 27. Juni 1993 in Bad Kleinen das RAF-Mitglied Wolfgang Grams (40). Als sie im Bahnhofs-Bistro aßen, war die GSG 9 längst in Stellung. Gegen 15.15

Uhr schlugen die etwa 100 Antiterror-Spezialisten zu. Grams und Hogefeld sollten mit einer Blitzaktion im Tunnel unter dem Bahnhof festgenommen werden, doch es gab Kommunikationspannen. Die Beamten konnten nur Hogefeld überwältigen, Grams flüchtete eine Treppe hinauf auf den Bahnsteig. Zu den Verfolgern zählte der GSG-9-Beamte Michael Newrzella (25), seine Waffe hatte der Polizist dabei nicht gezückt. Als Grams auf dem Bahnsteig um sich schoss, wurde Newrzella tödlich getroffen. Bei dem Schusswechsel stürzte Grams auf das Bahngleis und starb durch einen aufgesetzten Kopfschuss.

Es folgten Spekulationen über den Tod des Terroristen. Der „Spiegel“ stützte mit einer Titelgeschichte die These von einer Hinrichtung, was die Staatsanwaltschaft Schwerin aber letztlich ins Reich der Verschwörungstheorien verwies. Allerdings gab es für den Selbstmord keinen Zeugen. Später stellte sich zudem heraus, dass es bei der Beweissicherung zahlreiche Pannen gegeben hatte. So wurden bei der Obduktion in der Lübecker Gerichtsmedizin Grams‘ Hände gewaschen, bevor sie auf Schmauchspuren untersucht werden konnten. Reisende fanden noch Tage später am Bahnhof Geschossteile, das für Grams tödliche Projektil aber blieb verschwunden. Die RAF gab im April 1998 ihre Selbstauflösung bekannt. Birgit Hogefeld (heute 56) wurde 2011 aus der Haft entlassen.

LN

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