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Der 100-Millionen-Mann

Lübeck Der 100-Millionen-Mann

Geld soll Tore schießen: Für eine Rekordsumme wechselt der britische Fußballer Gareth Bale zu Real Madrid.

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Lübeck. Sein Name ist Bale, Gareth Bale, und als er früher sagte, er wollte nur Fußball spielen, sagten das viele Jungs in seinem Alter. Heute ist er 24 und spielt immer noch. Bisher tat er das in London bei den Tottenham Hotspurs, künftig tut er es für Real Madrid. Und wenn man dieser Tage mal wieder den Kopf schüttelt über den Wahnsinn im Fußball, dann ist er der Grund.

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„Element der Illusionen“: Gareth Bale und Präsident Florentino Pérez.

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Rund 100 Millionen Euro soll Madrid für ihn ausgegeben haben, auch wenn Real sagt, es seien nur 91 Millionen gewesen. Es wäre jedenfalls ein neuer Rekord in dieser bizarren Transferwelt.

Zwischendurch war schon mal von 145 Millionen Euro die Rede, also ungefähr das Bruttosozialprodukt von Kiribati. Aber wahrscheinlich hätte man den Kopf nur ein wenig heftiger geschüttelt und dann auch diese Summe hingenommen.

Gareth Bale ist ein ziemlich kompletter Fußballer. Er ist unglaublich schnell, ein großartiger Techniker und torgefährlich obendrein. Er stammt aus Cardiff und hat mit 16 Jahren sein erstes Länderspiel für Wales gemacht. Vom FC Southampton wechselte er zu Tottenham, wo er in der vergangenen Saison in 33 Ligaspielen 21 Tore schoss. Er wurde Fußballer des Jahres, man nannte ihn den „Prince of Wales“, und sein Vertrag lief noch bis 2016. Aber die Spurs verpassten die Champions League, und jetzt wird er sechs Jahre lang in Madrid auflaufen, wo er gestern vorgestellt wurde. Und man darf gespannt sein, wie er sich dort mit Cristiano Ronaldo verträgt, der ebenfalls schnell ist und torgefährlich, der ebenfalls gerne Freistöße schießt und überhaupt dort spielt, wo auch Bale sich am liebsten aufhält, und es nicht gut leiden kann, wenn er nicht die Nummer eins ist.

Die „Marke“ Real

Wie auch immer, der Transfer fügt sich jedenfalls in die bisherige Einkaufspolitik von Real Madrid, sagt Tim Ströbel, promovierter Sportökonom an der Universität Bayreuth. Die „Marke“ Real stehe für das Versprechen, nur die Besten zu holen. Bei den Zuschauern sorge das nicht nur für direkte Einnahmen durch den Verkauf von Tickets, Trikots oder anderen Fanartikeln, sondern mittelbar auch für eine stärkere Identifikation mit dem Verein, für Loyalität. Sponsoren könnten sich an ein gesteigertes Prestige koppeln, Medien würden das Interesse am Verein weiter wachhalten oder erhöhen. Und sportlich dürfte sich die Verpflichtung Bales ohnehin lohnen.

Das sollte sie auch, denn Real steht gehörig unter Druck. Seit elf Jahren hat der Verein die Champions-League nicht mehr gewonnen, und in Spanien dominierte zuletzt der FC Barcelona. Das mögen sie gar nicht bei dem Verein, in dem einst die „Galaktischen“ spielten, Stars wie Luis Figo und Zinedine Zidane, wie David Beckham, der jenseits des Fußballs längst zu einer internationalen Marke geworden war. Und Präsident Florentino Pérez mag es schon gleich gar nicht.

Pérez ist Bauunternehmer, ein Straßenbauingenieur und Milliardär, sehr gut vernetzt in der spanischen Politik und nach einer früheren Amtszeit seit vier Jahren wieder Präsident des Vereins. Er ist ein Mann der großen Dimensionen, der mit immer berühmteren Namen jongliert und mit immer gewaltigeren Summen. Er hat auch Cristiano Ronaldo geholt, für 94 Millionen Euro, und nicht nur deswegen nannte ihn sein früherer Vizepräsident das „höhere Wesen“.

Von Pérez stammt der Satz, die teuersten Spieler seien auch die billigsten. Sie ließen sich gut refinanzieren, allein schon durch die Trikotverkäufe und andere Werbeeinnahmen. Mit David Beckham soll Real so bis zu 17 Millionen Euro pro Saison verdient haben. Der Verein selbst teilte mit, er habe mit Ronaldo-Trikots mehr als 100 Millionen Euro erlöst. Hinzu kommen höhere Gagen bei Freundschaftsspielen und bei diesen Partien natürlich höhere Fernsehgelder.

Dabei ist Real Madrid noch nicht mal der Verein, der auch die höchsten Gehälter zahlt. Das ist Manchester City, der Klub von Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan, der den Spielern im Schnitt 120

000 Euro überweist — pro Woche. Madrid rangiert erst auf Platz drei, Bayern München mit 91 000 Euro auf Rang neun.

3,5 Milliarden Schulden

Es ist nur die Frage, ob und wann diese Spirale kollabiert. Die spanischen Profi-Vereine jedenfalls sind mit insgesamt 3,5 Milliarden Euro verschuldet, anderen Angaben zufolge gar mit mehr als vier Milliarden. Und das in einem Land, das unter 26 Prozent Arbeitslosigkeit leidet und ohnehin schon durch europäische Hilfsgelder am Leben gehalten wird. Etwa jeder zweite Klub in den beiden obersten spanischen Ligen hat schon unter Konkursverwaltung gestanden. Real Madrid hat ebenfalls Schulden in dreistelliger Millionenhöhe, aber der Umsatz betrug laut der Unternehmensberatung Deloitte zuletzt auch eine halbe Milliarde Euro. Und der Wert des Kaders liegt noch um einiges darüber.

Bale aber gab sich gestern in Madrid bescheiden. Er wäre auch für einen Cent zu Real gekommen, sagte er. Madrid sei sein Wunschklub gewesen, schon immer. Und Ronaldo wolle er den Platz auch nicht streitig machen: „Cristiano ist der Chef, es gibt keinen besseren Fußballer als ihn.“ Es sei jedenfalls „völlig unwirklich, hier zu sein“. Aber so ist das nun mal an Bord eines „Elements der Illusionen, der Träume“, wie Präsident Pérez seinen Verein nennt.

Die teuersten Transfers

1 Gareth Bale 2013 Tottenham H. — Real Madrid 100 Millionen Euro

2 Cristiano Ronaldo 2009 Manchester U. — Real Madrid 94 3 Zinedine Zidane 2001 Juventus Turin — Real Madrid 76 4 Zlatan Ibrahimovic 2009 Inter Mailand — FC Barcelona 70*

5 Kaka 2009 AC Mailand — Real Madrid 65 6 Edinson Cavani 2013 SSC Neapel — Paris SG 64 7 Radamel Falcao 2013 Atl. Madrid — AS Monaco 60, Luis Figo 2000 FC Barcelona — Real Madrid 60 9 Fernando Torres 2010 FC Liverpool — FC Chelsea 58,5 10 Neymar 2013 FC Santos — FC Barcelona 57

*Inter Mailand bekam für den Wechsel rund 50 Millionen Euro und Stürmer Samuel Eto‘o

Peter Intelmann

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